Homburg
Bosch-Werk Homburg: Rehlinger und Dreyer auf Wasserstoff-Tour
„Alles fängt mit grüner Energie an“, sagte Michael Reinstaedtler am Montagmittag. Bei Bosch ist er für die Industrialisierung verantwortlich, und sogar in seiner Freizeit ist er dem Thema Wasserstoff verbunden. Auf dem Dach des Bosch-Werks ist bereits eine Photovoltaik-Anlage installiert, die im Jahr Strom für 1000 Haushalte produziert. Diese Anlage soll jetzt noch ausgebaut werden. „Aber die grüne Energie soll auch langfristig gespeichert werden“, so Reinstaedtler zu den beiden Ministerpräsidentinnen Anke Rehlinger (Saarland) und Malu Dreyer (Rheinland-Pfalz). Wenn im Sommer viel und lange die Sonne scheint, dann produziert die Anlage mehr Strom als im Herbst oder Winter, wenn die Tage weitaus kürzer sind. Die Lösung für den Bosch-Mann: Die von der Photovoltaikanlage erzeugte Energie umwandeln in grünen Wasserstoff, diesen speichern und je nach Bedarf verbrauchen.
Schon jetzt wird bei Bosch grüner Wasserstoff in der Produktion als Energieträger verwendet. Weiterer Haupteinsatzort ist die Mobilität. So fahren bei Bosch etwa mehrere Gabelstapler umher, die mit einer Brennstoffzelle betrieben werden. Jörg Jennes, bei Bosch ebenfalls bei der Industrialisierung und im sogenannten „Future Core“ („Zukunftskern“) dabei, sagte am Montagmittag, dass Bosch schon jetzt Wasserstoff-Komponenten in Serie herstellt, etwa Luftverdichter, Dosierventile und Tanks. Die Motorentechnik wirkt auf den ersten Blick wie die eines herkömmlichen Verbrenners. Ein erster großer Unterschied ist laut Jennes allerdings, dass beim Wasserstoff nahezu jedes Bauteil einem enormen Druck ausgesetzt wird. Beispiel: Der Tank steht unter 700 Bar Druck – das ist 350 Mal so viel Druck wie in einem Autoreifen.
Saarland gegen die Pfalz: Das Lkw-Duell
Jennes machte den beiden Politikerinnen deutlich, dass Wasserstoff im Bereich der Mobilität viel eher im Lastwagen-Segment eingesetzt wird. Kleine Laster mit Brennstoffzelle – genauer gesagt Spielzeug-Lkw – standen am Montagmittag schon bereit. Gebaut wurden sie von den Bosch-Azubis. Rehlinger und Dreyer durften sich ein kleines Rennen mit den Wasserstoff-Modellen liefern. Obwohl beide Laster baugleich sein sollten und Dreyer sogar früher den Schalter auf Start umgelegt hat, hat der kleine Lastwagen von Anke Rehlinger zuerst die Ziellinie überquert. Sieg fürs Saarland also.
Rehlinger machte am Montagmittag deutlich, dass Wasserstoff der Energieträger der Zukunft ist. Umso glücklicher zeigte sie sich, dass in Homburg dafür die Kompetenzen gebündelt werden. Dreyer kommentierte, dass die Industrie nicht lokal isoliert gesehen werden darf. Im Homburger Werk arbeiten nicht nur Saarländer, sondern auch Menschen aus Rheinland-Pfalz. Anke Rehlinger stellte nun die Aufgabe, sich in Sachen Wasserstoff international durchzusetzen. Aktuell habe die deutsche Industrie hier einen guten Stellenwert. Der dürfe allerdings nicht im Rennen gegen China und die USA verloren gehen, so die saarländische Ministerpräsidentin.
Zusammen für Jobs und Zukunftstechnologien
Mit Blick auf die rund 3700 Arbeitsplätze im Homburger Bosch-Werk – erst zuletzt hat die Belegschaft lautstark gegen einen Stellenabbau demonstriert – schürte Rehlinger die Erwartung, dass Mitarbeiter und Unternehmen zusammen für die Arbeitsplätze, den Industriestandort und somit die Zukunftstechnologien stehen. Malu Dreyer ergänzte, dass es eine klare Kommunikation unter Vereinbarungen geben muss. Ebenso wichtig: ein neuer Standortsicherungsvertrag.