Pirmasens Welche Hausmittel bei kranken Kindern helfen und welche nicht

Fieber bereitet Eltern oft die meisten Sorgen.
Fieber bereitet Eltern oft die meisten Sorgen.

Fieber, Husten, Schnupfen und Eltern, die in der Nacht womöglich nur eine Stunde Schlaf abbekommen: Die Erkältungswelle rollt und macht auch nicht vor Kindern Halt. Doch es gibt Wege, die zumindest in manchen Fällen Linderung verschaffen können.

Bei leichten Erkrankungen können Beschwerden häufig bereits durch einfache Hausmittel und Maßnahmen gelindert werden. Welche das unter anderem sind, hat uns Hans-Georg Kläber, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Städtischen Krankenhaus Pirmasens erklärt.

„Durch eine Reihe einfacher und bewährter Hausmittel können Sie die Selbstheilungskräfte Ihres Kindes stärken und die Genesung unterstützen. Doch nicht jedes Mittel ist für jedes Kind geeignet“, sagt Kläber. Nicht nur bei noch sehr jungen Kindern sei es deshalb angeraten, sich erst einmal in der kinderärztlichen Praxis zu erkundigen, durch welche Hausmittel sich im akuten Krankheitsfall Beschwerden lindern lassen. Derzeit stellt der Mediziner fest, dass bei Kindern häufig die oberen Atemwege verschleimt sind und Husten damit schnell zum Problem wird. „In diesen Fällen sind Schleimlöser oder Hustenstiller oft wenig hilfreich. Hier gilt, dass weniger mehr ist. Man sollte die Kinder einfach viel trinken lassen, denn das fördert die Schleimlösung“, sagt Kläber. Falls der Husten dennoch keinen Schlaf in der Nacht zulässt, rät der Kinderarzt, erst dann zum Hustenstiller zu greifen. „Je weniger in das Immunsystem eingegriffen wird, desto besser“, weiß Kläber, „denn es sollte bei Kindern gefordert und gefördert werden, weil sie es schließlich erst noch entwickeln müssen“.

Wadenwickel müssen nicht sein

Bei einer laufenden Nase komme es gerade bei kleineren Kindern, die ihre Nase noch nicht selbstständig putzen können, vor, dass das Nasensekret mit der Hand in Richtung Augen gewischt wird. Die Augen entzünden sich und eitern. „Hier hilft es oftmals, zusätzlich zu Tropfen, die Augen mehrmals mit einem sauberen und nassen Tuch auszuwischen“, so der Mediziner. Was frischgebackenen Eltern oft Sorge bereitet: wenn ihr Kind fiebert. Laut Kläber sind Wadenwickel, wie man sie aus Omas Zeiten kennt, kaum mehr in Gebrauch, da die Gabe von Fiebersaft häufig einfacher ist. „Der Fiebersaft senkt nicht nur die Temperatur, sondern lindert auch Schmerzen, weshalb sich die Kinder schnell wohler fühlen. Falls die Hände und Füße des fiebernden Kindes kalt sind, machen die Wadenwickel auch keinen Sinn“, sagt Kläber. Falsch angewendet können Wadenwickel sogar schaden, statt nutzen, mahnt er. Besser seien in diesem Fall Brustwickel.

Bei Ohrenschmerzen oder auch Bauchschmerzen – häufigen Symptomen in der Pädiatrie, die oftmals durch Entzündungen entstehen – baut Kläber auf das Grundprinzip Wärme durch Wärmflaschen oder warme Kirschkernsäckchen. „Wärme treibt den Entzündungsprozess voran und die Beschwerden lassen schneller nach. Wärme wirkt zudem entkrampfend und viele Kinder empfinden sie als angenehm, wehren sich also nicht dagegen“, erklärt er. Zusätzlich dazu rät der Arzt zu ausreichend Flüssigkeit, die von den Kindern eingenommen werden sollte. „Bei Bauchschmerzen beliebt ist auch Fencheltee. Aber hier geht es eigentlich weniger um die Wirkung des Fenchels, sondern vielmehr um die Flüssigkeit, die man mit dem Tee zu sich nimmt“, weiß der Chefarzt der Pirmasenser Kinder- und Jugendklinik.

Ananas gegen Halsschmerzen

Aber auch Halsschmerzen können für Kinder zur Qual werden. In diesem Fall hat Kläber einen Tipp parat, den nur wenige kennen: „Es hilft, kalte Ananasstückchen aus der Dose zu lutschen. Sie wirken antientzündlich und schmerzstillend, sind allerdings erst für größere Kinder ein Thema“. Gut für Halsschmerzen seien auch Honig und Kamillentee. Falls Eltern ihr krankes Kind zuhause dennoch nicht stabilisieren können oder die Symptome schlimmer werden, rät Kläber dringend zum Arztbesuch. „Grundsätzlich gilt: Je jünger ein Kind ist, umso vorsichtiger und bedachter sollten ihre Eltern sein“, so der Mediziner.

Hans-Georg Kläber, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Städtischen Krankenhaus Pirmasens.
Hans-Georg Kläber, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Städtischen Krankenhaus Pirmasens.
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