Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Warum die Geschäfte beim Schoko-Produzenten Wawi trotz Corona gut laufen

140 Mitarbeiter beschäftigt Wawi in der Südwestpfalz.
140 Mitarbeiter beschäftigt Wawi in der Südwestpfalz.

Gute Nachrichten hat Wawi am Dienstag verkündet. Der Schokoladenhersteller ist gut durch die Corona-Pandemie gekommen und investiert ordentlich in sein Stammwerk. Eher zurückhaltend sind die Äußerungen zum schon 2018 angekündigten Millionenprojekt „Chocolate-World“.

Richard Müller, der seit dem Rückzug seines Vaters Walter Müller Ende Juli 2018 die Geschäfte des Pirmasenser Schokoladenherstellers führt, bemüht gerne das Bild des „hellblauen“ Auges, um zu verdeutlichen, dass Wawi bislang gut durch die Corona-Pandemie gekommen ist. Dem Unternehmen habe es in die Karten gespielt, dass der Lockdown angeordnet wurde, als Wawi gerade in der Produktionsphase war – und nicht in der Auslieferungsphase war. Die läuft aktuell auf Hochtouren.

Ein zweiter Glücksfall

Ein zweiter Glücksfall für Wawi war laut Müller, das eine wichtige Branchenmesse, die ISM, in Köln schon im Dezember über die Bühne ging. Dort konnte das seit 1957 existierende Familienunternehmen neue Produkte vorstellen und erfolgreich vermarkten. Am bayerischen Werk in Burghaslach wurden zwei komplett neue Markenkonzepte entwickelt, die auf der ISM „bombastisch“ eingeschlagen hätten, wie es Wawi-Geschäftsführer Martin Sobotta formuliert.

Profitiert hat Wawi in der Krise laut Müller und Sobotta nicht zuletzt davon, dass es breit und international aufgestellt ist. Während Italien für die Firma normalerweise ein wichtiger Absatzmarkt ist, brach das Geschäft dort durch die Pandemie ein. Wawi-Produkte finden sich in Italien in vielen Verkaufsautomaten auf Flughäfen und Bahnhöfen. Weil die Reisetätigkeit aber stark zurückgegangen ist, sei auch die Nachfrage eingebrochen.

„Voll durchproduziert“

Trotz allem habe Wawi während des Lockdowns „immer voll durchproduziert“, berichtet Müller. Weltweit habe das Unternehmen bislang bei 1100 Mitarbeitern sieben Corona-Fälle zu verzeichnen. Neben dem Stammwerk in Münchweiler hat Wawi Standorte in Bayern, am Niederrhein, in Kanada, Rumänien und China.

Stichwort China. Nicht ganz ohne Stolz verkündet Müller, dass sein Unternehmen dort mittlerweile seit 25 Jahren aktiv sei. Aktuell sind in dem asiatischen Werk 500 Mitarbeiter beschäftigt. Wegen der Reisebeschränkungen sei er selbst jedoch seit Monaten nicht mehr vor Ort gewesen. Auch das rumänische Werk könne derzeit nicht besucht werden.

Nicht nur an diesem Beispiel wird deutlich, wie international Wawi längst geworden ist. Vorstand Müller sowie die Geschäftsführer Sobotta und Alexandra Serret schauen auch gespannt in die USA. Der Ausgang der Wahl des US-Präsidenten könnte handfeste Folgen für das südwestpfälzische Unternehmen haben. Wawi wünscht sich eine handelsfreundliche US-Politik – nicht nur mit Blick auf Europa, sondern auch für China. Das dortige Werk ist ein wichtiger Lieferant für den US-Markt.

Bekenntnis zu Münchweiler

Trotz aller Internationalität spricht Wawi-Vorstand Müller von einem „Bekenntnis zu Münchweiler und der Pfalz“, wenn er von einer großen Investition berichtet. Das Stammwerk erhält eine neue Produktionsanlage für rund drei Millionen Euro. Sie soll Ende diesen Jahres installiert werden und im Januar 2021 in Betrieb gehen. Laut Müller handelt es sich dabei um eine der größten Einzelinvestitionen seit 25 Jahren. Auf diese Weise soll der Standort Münchweiler nicht nur gesichert werden, sondern auch „organisches Wachstum“ möglich sein, sprich: Es werden zusätzliche Produktionskapazitäten geschaffen.

Vor zwei Jahren hatte Wawi angekündigt, in Münchweiler die „Chocolate-World“ schaffen zu wollen. Für den Freizeitpark, wo Schokolade von der Bohne bis zum Osterhasen erlebbar sein sollte, hatte die Firma bereits ein 11.000 Quadratmeter großes Areal gekauft. Fünf Millionen Euro sollten in das Projekt fließen. Im Dezember 2018 hieß es, das Projekt solle innerhalb 24 Monaten zum Abschluss gebracht werden. Bislang ist davon jedoch noch nichts zu sehen. Auf Nachfrage gab sich Wawi-Vorstand Müller zurückhaltend, kündigte jedoch noch für dieses Jahr eine Pressekonferenz mit Informationen zu dem Thema an.

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