Pirmasens Tore, Träume, Temperamente: Es fiel mir auf, dass ...

So feierte der FV Münchweiler nach dem Spiel in der Kabine. Torhüter Lars Matheis hielt die symbolische Meisterschale.
So feierte der FV Münchweiler nach dem Spiel in der Kabine. Torhüter Lars Matheis hielt die symbolische Meisterschale.

Stadion oder Nebenplatz? Hin und her gerissen waren am Samstag Ina und Vitali Merk. Während ihr einer Sohn, der 15-jährige Kimi, im Trikot des 1. FC Kaiserslautern auf dem Kunstrasen im Sportpark Husterhöhe zwei Tore zum 4:1-Sieg der „Roten Teufel“ in der C-Junioren-Regionalliga beim FK Pirmasens beisteuerte, spielte nur gut 100 Meter entfernt ihr zweiter Sohn Kai für die SV Elversberg in der Herren-Regionalliga im Framas-Stadion gegen die erste FKP-Mannschaft. Kai gehörte bis vor zwei Jahren zur A-Jugend des FKP und wechselte dann zu Elversberg II in die Saarlandliga. Die zweite Garnitur der Elversberger steht hier kurz vor der Meisterschaft, die den Wiederaufstieg in die Oberliga bringen würde. Der 20-jährige Pirmasenser führt mit 24 Saisontreffern die Saarlandliga-Torjägerliste an, hatte zudem elf Kurzeinsätze in der Regionalliga-Mannschaft der SVE. So auch am Samstag, als er für die letzten zehn Minuten auf den Rasen kam. Das Problem, den Söhnen Kimi und Kai so viel wie möglich zuschauen zu können, lösten die Eltern der Pirmasenser Familie wie folgt: Mama Ina schaute wegen des Regenschauers zum Beginn des U15-Spiels vom Auto aus bei Kimi zu. Und da zwei weitere Spieler-Muttis für Unterhaltung sorgten, nahm sie auch keinen „Platzwechsel“ vor. Anders ihr Mann Vitali. Er sah, wie Kimi, der für den nächsten Lehrgang der Jugend-Südwestauswahl nominiert wurde, einen Strafstoß sauber versenkte und wechselte dann durchnässt ins Stadion, um dort noch zu schauen, wie Sohn Kai zu einem weiteren Einsatz in Elversbergs Profiteam kam. Als Daniel Wadle in der vorletzten Minute des Derbys beim FC Merzalben das 4:1 für die FV Münchweiler markierte, wurde dann doch der Karton mit den Meister-T-Shirts aufgemacht. „FV Münchweiler – Meister der B-Klasse Pirmasens/Zweibrücken Ost“ stand da geschrieben. Und jeder der 25 mitgereisten Spieler trug es am Sonntagabend stolz. „Nach dem Abpfiff brachen die Dämme“, erzählt der freudetrunkene FV-Trainer Daniel Hoffmann. Bengalische Feuer wurden rund um das grüne Viereck in Merzalben entfacht, Spieler, Funktionäre, Zuschauer: Ja, alles, was mit Münchweiler in Verbindung zu bringen war, lag sich in den Armen. Die Fußballvereinigung hatte sich am vorletzten Spieltag der Saison mit dem 22. Sieg im 27. Spiel den Titel gesichert. „Dabei waren wir vor Saisonbeginn nicht ein einziges Mal als Titelanwärter genannt worden“, merkte Hoffmann an. Der Informatiker hielt mit seinen Gefühlen nicht hinterm Berg: „Es ist emotional wie Sau.“ Der Coach hatte noch nicht einmal eine halbe Stunde nach der Begegnung bereits „dreimal geduscht – zweimal mit Bier und einmal mit Sekt“. Da stand er nun mit dem Smartphone seines Freundes und Mitspielers Lars Matheis am Ohr und war „fast fassungslos“. Im Hintergrund spielten, auf einem Anhänger stehend und sitzend, die Kienholzmusikanten, die flugs eingefahren worden waren. Natürlich hatten auch sie auf den Titelgewinn in Merzalben spekuliert. „Noch einmal: Der Zusammenschluss der drei Münchweilerer Fußballvereine zu einem Verein war die beste Entscheidung gewesen“, sagte Hoffmann, dankte für die Glückwünsche der RHEINPFALZ und genoss die spontane Meisterschaftsfeier, die meist intensiver und emotionaler verläuft als die geplante, offizielle Wochen später in irgendeiner Halle. 13 Tore in nur einem Spiel schießen? Das gibt´s doch gar nicht. Aber doch. Der Spieler, der den Ball in 90 Minuten 13-mal im gegnerischen Kasten untergebracht hat, heißt Andreas Neumann, ist 26 Jahre alt und kickt in der C-Klasse West für den MTV Pirmasens. Sechs Stück machte der offensive Mittelfeldspieler in der ersten Halbzeit, sieben in der zweiten. Den absoluten Rekord für Herrenmannschaften stellte Neumann beim 26:1-Erfolg seines Teams gegen den FC Knopp/Wiesbach II auf. Drängt sich die Frage auf, ob vielleicht Personalknappheit beim Gegner ursächlich für die Torflut gewesen ist. „Jein“, beantwortet MTV-Trainer Charles Hopkins die Frage, denn als Knopp/Wiesbach II mit zehn Spielern begann, verzichteten auch die Männerturner auf einen Akteur. Als sich in der 20. Minute ein Gästespieler verletzte, nahm auch Hopkins einen Spieler vom Platz, so dass neun gegen neun spielten. Als dann Knopp in Minute 35, nachdem ein Spieler nachgekommen war, wieder auf zehn erhöhte, zog der MTV erneut gleich. Hopkins: „Andreas hätte 20 Tore machen können, aber er hat immer wieder uneigennützig für seine Mitspieler aufgelegt.“ Neumann, der für ein Jahr vor Beginn dieser Saison in den USA gewesen war, spielte einst in Winzeln „eher mittelmäßig“, wie er selbst sagt und dann für drei Jahre beim hessischen Kreisoberligisten TSV Michelbach. „Das ist vergleichbar mit unserer A-Klasse“, erklärt Neumann. Hopkins: „Andreas ist nicht nur sehr schnell, sondern auch intelligent dazu. Das macht ihn so gefährlich.“ Immerhin rangiert Neumann mit insgesamt 49 Treffern auf Position zwei der Torjägerliste. Es sei ein „schönes Gefühl“ gewesen, 13 Tore in einem Match zu erzielen, sagt Neumann. „Deshalb hebe ich aber nicht ab, sondern sage Danke an meine Mannschaft, die mir das erst ermöglicht hat“, befindet der gläubige Sportler. Aus jeden Fall seien die Tore „Ansporn für unsere Ziele in der kommenden Saison“.

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