Pirmasens Reichspogromnacht: 100 Menschen bei Gedenkfeier

Kranzniederlegung in der Synagogengasse: Kant-Schüler tragen ihre Recherche-Ergebnisse vor.
Kranzniederlegung in der Synagogengasse: Kant-Schüler tragen ihre Recherche-Ergebnisse vor.

Gespannt durfte man im Vorfeld der diesjährigen Kranzniederlegung anlässlich der Reichspogromnacht 1938 sein, ob sich die Ereignisse in Nahen Osten auf die Besucherzahl niederschlagen würden. Ein klares Zeichen setzten die Pirmasenser dann am Donnerstagabend, als in der Synagogengasse fast 100 Menschen zusammenkamen, mehr als je zuvor bei dieser Gedenkveranstaltung. Auch Pirmasens sei Teil dieses dunklen Tages in der Geschichte Deutschlands gewesen, räumte Oberbürgermeister Markus Zwick ein. Die 1884 gebaute Synagoge sei bis auf die Grundmauern niedergebrannt worden, vielen Pirmasenser Juden sei schreckliches Unrecht geschehen. „Wir sind zwar selbst keine Beteiligten der Gräueltaten von damals, aber wir tragen eine historische Verantwortung, dass sich solche Dinge nicht wiederholen“, so der OB. Leider müsse man dieser Tage feststellen, dass Juden erneut um Leib und Leben fürchten müssen. Nicht nur in Israel, auch in Deutschland und Pirmasens erlebe man immer mehr Antisemitismus. „Wir sind hierher gekommen, um uns entschieden davon zu distanzieren. Antisemitismus hat keinen Platz in Pirmasens. Wir setzen ein Zeichen für Frieden und gegen die Spaltung der Gesellschaft! Als OB rufe ich zur Wachsamkeit auf!“, fand Zwick klare Worte. Zugleich lobte er die in der Stadt geleistete Gedenkarbeit und erwähnte dabei den Arbeitskreis Geschichte der Juden in Pirmasens und das Stadtarchiv. Nach einem gemeinsamen Gebet mit Pfarrer Wolfdietrich Rasp präsentierten Schüler des Immanuel-Kant-Gymnasiums eindrucksvoll die Ergebnisse ihrer Recherchearbeiten. Beklemmende Atmosphäre herrschte bei der Schilderung grausamer Morde an Juden in Konzentrationslagern. Am ehemaligen Standort der Synagoge verlas Karola Streppel vom Arbeitskreis einen Brief von Paul Strauss.

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