Pirmasens Eine verschworene Gemeinschaft

Georg Eisenhuth spricht mit lauter, tiefer Stimme. Er singt Bass, wie die meisten Mitglieder des Männergesangsvereins Frohsinn aus Hermersberg. Seit einem Jahr sitzt er zusammen mit Bernd Emig im Vorstand. Gesungen hat er schon immer gern und ist mit gerade mal 23 Jahren dem Verein beigetreten, der seit 138 Jahren deutsches Liedgut hegt und pflegt. Heute ist er zwar deutlich älter, dem Verein aber immer noch genauso treu wie an seinem ersten Tag. „Bei der Gründung im Jahr 1876 haben sich 46 katholische Männer zusammengeschlossen“, erzählt Eisenhuth und blickt fast verträumt zu den Anfängen weit vor seiner Zeit zurück. Das Singen in der Gemeinschaft liegt ihm am Herzen, das merkt man sofort. Die Augen strahlen, wenn er von „seinem“ Verein erzählt. Berichtet er von den vielen Erfolgen, wird er fast verlegen und streicht sich mit der Hand durchs angegraute Haar. Der Männergesangverein Frohsinn ist nicht nur beliebt, sondern auch fleißig: Pro Jahr werden 20 bis 25 Auftritte absolviert, oft in Städten wie Kaiserslautern, Speyer oder – im Zuge einer Vereinsfahrt – sogar im kalifornischen Los Angeles. Mittlerweile ist der Verein offen für jeden und nicht mehr nur für Katholiken. Manchmal kommen die Mitglieder aus umliegenden Ortschaften, 95 Prozent aber stammen aus Hermersberg. Innerhalb von 134 Jahren hat sich viel getan, vor allem ist die Zahl der Mitglieder stark angestiegen. „Zur Zeit haben wir 78 Sänger im Hauptchor“, erklärt Eisenhuth stolz. „Dann gibt es noch den sogenannten Chor light mit 50 Sängern und einen neuen Projektchor mit 22 Sängern, die allesamt unter 30 Jahren sind.“ Rund 150 Männer machen sich also jeden Freitag auf, um in der Hermersberger Mehrzweckhalle Lieder zu proben. Ein gar nicht so selbstverständliches Engagement, gerade bei Gesangvereinen, die in kleineren Ortschaften immer öfter mit Mitgliederschwund und Überalterung zu kämpfen haben. Bei Frohsinn ist das anders: Oft singen die Männer bereits in der dritten Generation im Verein. Oder es singen drei Generationen gleichzeitig – vom Opa über den Vater bis zum Sohn, sobald der den Stimmbruch überwunden hat. Junge und alte Menschen machen gemeinsame Sache, zu Streitereien kommt es dabei laut Eisenhuth nicht. Neben Volksliedern werden in dem Chor auch moderne Songs interpretiert, teilweise in Englisch – darüber freut sich besonders die Jugend. „Sie fühlen sich wohl im Verein“, meint Eisenhuth, dessen Söhne ebenfalls bei Frohsinn mitgesungen haben. Der Chor tut viel, um die Jugend für das Singen zu begeistern. „Vor vier Jahren haben wir beispielsweise eine Werbeaktion gemacht, bei der alle Männer in Hermersberg angeschrieben wurden. Auf einen Schlag kamen damals 25 Stück – auch jüngere – zu uns. Vor einem Jahr haben wir das wiederholt und es kamen wieder zehn Männer mehr – unser Chor wächst also stetig“, sagt Eisenhuth und lächelt über das ganze Gesicht. Hinzu kommen Auftritte bei Dorffesten, auf denen Chormitglieder viele junge Leute treffen und für den Verein werben können. „Unser jüngster Sänger ist gerade mal 20 Jahre, der älteste wurde vor kurzem 90. Im Durchschnitt sind die Mitglieder so um die 58 Jahre – also relativ jung“, erklärt Eisenhuth. In Sachen Nachwuchsfindung gibt es bei Frohsinn also keine Probleme. Besonderen Zuspruch erhalte der Verein bei Auftritten übrigens vom weiblichen Geschlecht, sagt Eisenhuth. Es seien vorwiegend Frauen, die die Konzerthallen füllten und zu den Auftritten strömten. Positive Resonanz gebe es auch von den Ehefrauen: Obwohl ihre Männern eine Menge Zeit für den Verein opfern, komme es nicht zu Diskussionen. Vielmehr unterstützten die Frauen das Hobby ihrer Männer, übernähmen beispielsweise die Bewirtung bei Konzerten. „Gefragt wurde auch schon, wann denn endlich die erste Frau offiziell in den Verein aufgenommen wird“, so Georg Eisenhuth weiter. Eine Antwort gibt es darauf noch nicht. Neben der Freude am Singen und der Geselligkeit setzten die Hermersberger Männer vor allem auf Leistung. Das weiß Vorstandsmitglied Eisenhuth am Besten: „Alle Sänger sind grundsätzlich für eine vielseitige und anspruchsvolle Chorliteratur aufgeschlossen, die gerne auch fremdsprachig sein darf.“ Für die intensive Stimmbildung gibt es Wochenendseminare. Georg Eisenhuth wird bei diesen Ausführungen ernst, denn an Ernst und Disziplin dürfe es bei den Aktivitäten des Vereins auch nicht mangeln, wenn er seine Sache gut machen wolle, erklärt er. Und das will der Männergesangsverein Frohsinn, bei aller Leichtigkeit und Freude. Nicht zuletzt das mag dazu führen, dass die Auftritte der 150 Männer in den meisten Fällen ausverkauft sind.

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