Pirmasens Ein großes Dankeschön an die Pirmasenser

Folklore, Musik und Kulinarik: Die ukrainischen Flüchtlinge wollen den Pirmasenser Danke dafür sagen, dass ihnen so viele Mensch
Folklore, Musik und Kulinarik: Die ukrainischen Flüchtlinge wollen den Pirmasenser Danke dafür sagen, dass ihnen so viele Menschen in der Stadt geholfen haben, sich in der Fremde zurechtzufinden.

Ukrainische Familien sagen den Pirmasensern Danke für die Solidarität und Hilfsbereitschaft, die sie hier erfahren haben. Ihr Geschenk: Folklore, Musik und Kulinarik, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.

„Ich weiß inhaltlich nichts“, sagte Martina Fuhrmann vom Koordinierungsbüro Pakt für Pirmasens zu Beginn des Folkloreabends und war gespannt, was sie wohl erwarten würde. Nur, dass es schön werden würde, da war sie sicher, denn den Soundcheck zuvor habe sie gehört. Die Ukrainer seien auf sie zugekommen mit dem Wunsch, für die Hilfsbereitschaft in Pirmasens Danke zu sagen. Dabei handele es sich genau um die Gruppe um Natalia Holturenko, die auch die Gedenkminute zum Jahrestag des Kriegsausbruchs auf dem Exerzierplatz organisiert hatte. Sie selbst habe nur die Quartiere angesprochen und vom Förderausschuss 500 Euro für die insgesamt vier Veranstaltungen organisiert, weil sie nicht wollte, dass die Ukrainer das Fest bezahlen.

Leider haben nur 50 Personen in den Raum gepasst. Viele, die am Freitag spontan vorbeigekommen waren, wurden vertröstet auf die Wiederholung des Programms im CJVM-Haus im Schachen, dem Horebtreff in der Klosterstraße sowie im P11 im Winzler Viertel.

Musik und Gedichte

Dann lüftete sich der geheimnisvolle Schleier: Eine Stunde lang gab es ein Programm aus Musik und Gedichten, unter anderem mit dem berühmten Ukraine-Lied „Gebet für die Ukraine“, und Volksliedern, einem melancholischen etwa, das von einem getrennten Liebespaar handelt, das sich wegen des Krieges nur noch Briefe schreiben könne. Auch Erfahrungsberichte von der Flucht kamen nicht zu kurz, die so manchem noch ein Jahr später die Tränen in die Augen trieben. Besonders das Zeugnis einer Dame aus Gostomel berührte die Gäste, die über ihre Angst sprach, als der Krieg ausgebrochen war, und darüber, wie sie sich mit anderen im Keller versteckte, und eine Weile nicht flüchten konnte, weil keine Busse mehr fuhren und die Straßen verstopft gewesen seien mit liegengebliebenen Autos und erschossenen Menschen. Von Kiew aus sei es ihr dann endlich gelungen, nach Deutschland zu kommen, was für sie Sicherheit bedeutete.

Über Trier sei sie schließlich in Pirmasens gestrandet. „Krieg ist sehr schlimm“, sagt sie, deswegen sei sie den Behörden hier und der Stadt so dankbar. Insgesamt hätten fast 700 Menschen in Pirmasens Zuflucht gesucht, informiert die Stadtverwaltung.

Viele Gemeinsamkeiten

Trotz allem Leid war es ein fröhlicher Abend, denn Frauen wie Alena Rovna, Valentina Arkhipova und Mariia Krivoschei können es kaum erwarten, nach einem Sieg der Ukraine in ihr Land zurückkehren und ihre neuen Freunde aus Pirmasens zu sich einzuladen. Besonders die Freundschaft wurde betont am Freitagabend, aber auch die Gemeinsamkeiten der Kulturen. Mit Blick auf dem Vatertag hätten sie erkannt, dass die Traditionen der Ukrainer und der Deutschen sogar ähnlich seien. Typisch ukrainisch hingegen sei die Ruschnik, erklärten die Frauen, die nicht nur ein Handtuch sei, sondern ein Symbol der Verbundenheit und des Schutzes für ukrainische Familien. Ein Wermutstropfen: die ausgestellten Fotografien aus den Kriegsgebieten, die zerbombte Häuser, Barrikaden und Menschen im Untergrund zeigten.

Abschluss und Höhepunkt des Folklore-Abends war ein gemeinsames Essen mit ukrainischen Spezialitäten: mit Maultaschen, die in der Ukraine Warenniks heißen und mit Kartoffeln und Zwiebeln gefüllt sind, eine Crêpes namens Nalissniki mit Quark und Rosinen, Golubtsi (Kohlblätter mit Hackfleisch, Karotten und Zwiebeln gefüllt) sowie als Dessert eine Menge ukrainischer Süßigkeiten.

Vier weitere Abende geplant

Viermal wird es die Veranstaltung geben, bei der sich Holturenko mit ihren Mitstreiterinnen dafür bedanken will, dass seit der Invasion russischer Truppen ihre Landsleute in Pirmasens so viel Solidarität und Hilfsbereitschaft erlebt hätten, durch die es gelungen sei, einen Neustart in der Fremde zu wagen.

Hanna Neu vom Begegnungszentrum Mittendrin in der Pirmasenser Fußgängerzone hatte den Ukrainern lediglich die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, vom Förderverein des Pakts für Pirmasens kamen 500 Euro, den Rest übernahmen die Flüchtlinge aus der Ukraine, die ihren Gastgebern einen bunten Dankeschön-Abend beschert haben im Mittendrin, das gemäß der ukrainischen Flagge in blau-gelben Farben geschmückt war.

Weitere Termine

Freitag, 16. Juni, im CJVM-Haus, Schachenstraße 103, Telefon 0157 38960924; Freitag, 21. Juli, im Horeb-Treff, Klosterstraße 9, Telefon 06331 274020; Freitag, 8. September im Quartiersbüro P11, Patio 11, Telefon 06331 1534162.

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