Interview RHEINPFALZ Plus Artikel „Die Leute wollen im Konzert die alten Hits hören“

Andreas Keller (links) und seine Kollegen von der „Spider Murphy Gang“.
Andreas Keller (links) und seine Kollegen von der »Spider Murphy Gang«. Foto: Spider Murphy Gang

In den 80er Jahren gehörte die „Spider Murphy Gang“ zu den bekanntesten Vertretern der Neuen Deutschen Welle. Und es gibt sie noch heute. Die Band spielt am Mittwoch in der Zweibrücker Festhalle. An der Seite der Bandgründer Günther Sigl und Barny Murphy trommelt seit 2016 der Rodalber Andreas Keller. Wie es dazu kam, hat er im Gespräch mit Christian Hanelt verraten.

Der Schlagzeuger Andreas Keller, 1967 in Pirmasens geboren, Sohn des verstorbenen Malers Klaus Heinrich Keller, ist seit Juli 2016 Mitglied bei der „Spider Murphy Gang“. An der renommierten Schlagzeugschule P.I.T. in Los Angeles ausgebildet, lebt Keller seit 1991 in München und arbeitet als Profi-Schlagzeuger im Film- und Medienbereich, unterrichtet an verschiedenen Musikschulen und spielte bereits mit Musikern wie Jennifer Rush, Ian Anderson, Bobby Kimball von „Toto“, La Bouche, Bill Evans, Al Di Meola oder Sigi Schwab, mit dem er auch mehrfach in seiner Heimat zu erleben war.

Wie sind Sie eigentlich zur „Spider Murphy Gang“ gekommen?
Vor ungefähr dreieinhalb Jahren hatte ich ein Konzert in der Philharmonie in München mit Martin Schmitt, einem in Bayern sehr bekannten Boogie-Woogie-Pianisten und Entertainer. Der hat da sein 25-jähriges Bühnenjubiläum gefeiert und sich dazu einige berühmte Leute eingeladen wie Bodo Wartke, JoJo Wendt und auch die beiden Bandleader der „Spider Murphy Gang“ – Günther Sigl und Barny Murphy. Bei den Proben hat es dann „Klick“ gemacht. Wir haben uns auf Anhieb blind verstanden, und ich habe mit Barny noch eine Jam-Session bei Martin Schmitt im Keller gemacht. Da hat die Chemie sofort gestimmt. Mit dem Schlagzeuger vorher hatte die Band 25 Jahre gespielt – das war wie eine alte Ehe. Da war irgendwann die Luft raus. Und als dann jemand kam, mit dem es musikalisch und persönlich super gut klappt, haben sie die Chance genutzt. Und so kam zwei Wochen später der Anruf, ob ich Lust hätte, bei der „Spider Murphy Gang“ zu spielen. In Bayern ist das die berühmteste Band – da sagt man nicht ab.

Sie sind ja der letzte, der neu in die Band gekommen ist. Haben Sie da die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen oder müssen Sie sich dem bestehenden Gefüge unterordnen?
Da gibt es natürlich viele Vorlagen. Der erste Schlagzeuger der „Spider Murphy Gang“ zum Beispiel hatte ein Solo. Dazwischen wurde das wegrationalisiert – wahrscheinlich aus qualitativen Gründen. Und nun ist es so, dass ich bei den großen Konzerten bei einer Nummer auch wieder ein Drum-Feature habe, weil es einfach gut ankommt bei den Leuten. Das habe ich mir sozusagen verdient. Andere Sachen sind natürlich ganz fest. Die Leute sind bestimmte Grooves gewohnt, und die müssen im Konzert dann auch kommen. Daran kann man nichts verändern. Für Kreativität ist da kein Platz. Aber ich habe mir schon einige Sachen umgebaut und spiele sie anders – mit viel Bauch, aber auch mit viel Finesse, denn das ist einfach mein Stil.

Gespielt werden die großen Hits. Neue Songs hat die „Spider Murphy Gang“ ja schon seit vielen Jahren nicht veröffentlicht.
Das ist ähnlich wie bei den „Stones“. Man kann zwar neue Lieder machen, kann sie veröffentlichen. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, auch wenn das vielleicht hart klingt, wen interessiert das? Die Hardcore-Fans der „Rolling Stones“ akzeptieren das vielleicht. Eine neue Platte müsste wirklich genial sein, mit super Ideen. Denn wenn man die „Stones“ hört, freut man sich auf „Sympathy For The Devil“, auf „Brown Sugar“ oder „Satisfaction“. Da freut man sich nicht auf irgendein Blues-Cover, das sie auf der letzten Platte gemacht haben. Und auch wir haben einen großen Fundus an Songs, den wir spielen können. Es kommt schon immer mal was Neues dazu, aber das findet meist keinen Eingang in das Hauptprogramm, weil die Leute in den Konzerten lieber die Hits hören wollen.

Viele Fans wollen ja auch unbedingt ein neues Album ihrer Helden, aber es soll dann doch möglichst so klingen wie das vorangegangene.
Bei „AC/DC“ ist das ja zum Beispiel extrem. Da klingt jedes Album gleich. Die könnte man durcheinander würfeln, und man würde nicht merken, was was ist. Bei der „Spider Murphy Gang“ ist es erstaunlich, dass die Leute, die zum Konzert kommen, sich immer wieder wundern, wie viele der Lieder sie doch kennen. Meine Freundin kommt aus Hamburg, und die war beim ersten Konzert total erstaunt. Sie sagte: „Ich habe zwar keine Platte der ,Spider Murphy Gang’, aber ich habe so viele Lieder gekannt. Das ist ja Wahnsinn.“ So können wir ein ganzes Programm füllen, ohne neue Stücke einbauen zu müssen. Die werden wirklich nicht gebraucht.

Aber wird das Programm im Laufe einer Tournee mal geändert, weil das eine oder andere Lied doch nicht so gut ankommt?
Bei einer Band, die 40 Jahre spielt, sind diese Punkte ausdiskutiert. Es gibt unterschiedliche Events, wo wir unterschiedlich lang spielen – von einer halben Stunde bis zu zwei Stunden. Entsprechend gibt es andere Programme. In der halben Stunde sind es zum Beispiel nur die Knallerhits. Und wenn wir unplugged spielen, was auch sehr schön ist, dann spielen wir auch mal alte Rock’n’Roll-Cover oder machen eine Bossa-Nova-Version von einer Elvis-Nummer. So unterscheiden sich das elektrische und das Unplugged-Programm schon extrem.

Gibt es nach 40 Jahren noch ein Süd-Nord-Gefälle bei der Popularität?
Ja. Das merke ich zum Beispiel sehr in den bayrischen Ansagen von Günther, die dann, je weiter man in den Norden kommt, immer weniger verstanden werden. Es gibt aber auch Unterschiede, wenn wir in Österreich oder der Schweiz sind. Aber durch die Musik kommen wir überall super an. Bei so einer bekannten Band gibt es halt keine Überraschungen. Wo wir hinkommen, mögen uns die Leute. Und es ist auch ein schönes Gefühl, dass man überall warmherzig aufgenommen wird von Veranstaltern und Publikum. Das ist schon toll.

Mit dem Zweibrücker Posaunisten Hans-Heiner Bettinger hat ein weiterer Musiker aus der Südwestpfalz in München Karriere gemacht. Sehen Sie sich gelegentlich?
Hans-Heiner spielt ab und zu bei der „Spider Murphy Gang“ mit, wenn wir ganz große Sachen haben. Bei den beiden großen Konzerten zum 40-Jährigen der „Spider Murphy Gang“ war er zum Beispiel dabei. Hans Heiner ist super. Dem geht es sehr gut. Er ist einer der Top-5-Musiker in München. Er ist sehr gut einsetzbar, kann gut Noten lesen – den kann man überall hinsetzen, von der Bigband bis zur Rockband. Er kann alles.

Sie haben zu Beginn Ihrer Karriere ja auch mal mit dem Pirmasenser Pianisten Christof Heringer ein Duo gebildet und mit ihm zusammen sogar einmal in Zweibrücken gespielt. Und wie Sie mit der „Spider Murphy Gang“ spielt nun auch Heringer mit seinem Quintett bei Festival Euroclassic in Zweibrücken. Besteht noch Kontakt zwischen Ihnen?
Mit ihm habe ich nur sehr wenig Kontakt. Wir haben uns durch die Entfernung auseinandergelebt. Ich bin ja auch nicht wirklich in der Pfalz musikalisch tätig. Hans-Heiner Bettinger gibt mir ab und zu Updates, und so hat er mir erzählt, dass die Pfalz im Gegensatz zu früher musikalisch sehr lebendig geworden ist, und dass es dort inzwischen sehr viele sehr gute Musiker gibt. Das freut mich sehr. Früher war das halt wirklich Provinz, was die Pfalz inzwischen unter anderem durch das Internet gar nicht mehr ist.

Sie aber mussten damals die Pfalz verlassen, um Karriere zu machen?
Ja, denn damals wäre das, was ich werden wollte, dieser hohe Anspruch, Studiomusiker zu werden – was ich ja letztlich auch erreicht habe – in der Pfalz nicht möglich gewesen. Es gab dort ja keine Studios, die große und interessante Produktionen gemacht haben. Ich hätte mit Sigi Schwab nicht spielen können. Das alles hätte von der Pfalz aus nicht funktioniert. Für die „Spider Murphy Gang“ ist es ja auch gut, dass ich vor Ort bin. Auch diese Leute hätte ich sonst gar nicht kennengelernt.

Bitte nennen Sie zum Abschluss drei Gründe, das Konzert der „Spider Murphy Gang“ zu besuchen.
Es ist einfach Nostalgie. Man fühlt sich zurückversetzt in die 80er Jahre. Es ist eine große Party und ein Treffen von drei Generationen, und alle singen mit. Und musikalisch ist die „Spider Murphy Gang“ eine hervorragende Live-Band. Es kommt nichts vom Band – es ist einfach handwerklich sehr sehr gut, denn es sind alles super Musiker auf der Bühne.

Infos

Karten für das Konzert gibt es für 35 (Stehplatz) sowie 42 und 45 Euro (Sitzplatz) im Zweibrücker Kulturamt, Telefon 06332/ 871451. Ermäßigte Karten gibt es nicht.

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