Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel August Eberle übermalt die Musikhelden seiner Jugend

August Eberle in seinem Atelier.
August Eberle in seinem Atelier.

Der Pirmasenser August Eberle, Jahrgang 1952, Architekt im Ruhestand und Vorsitzender des Vereins Kunschd’raum, widmet sich der Acrylmalerei. Er veredelt Fotos von Musikern Peter Schneider besuchte den sympathischen Künstler in seinem Atelier.

Herr Eberle, wann und aus welchem Anlass haben Sie mit der Malerei begonnen?
Die Malerei und das Zeichnen haben mich schon immer interessiert. Ich komme eigentlich aus dem fotografischen Bereich und bin Hobby-Fotograf. Ich nenne mich bewusst so, da ich das ja nicht gelernt habe. Schon im Rahmen meines Studiums zeichnete ich und die Malerei ist sozusagen aus Langeweile in meinem Rentnerdasein entstanden. Angefangen habe ich damals mit dem Malen von Vögeln und Fischen.

Woher beziehen Sie ihre Inspirationen?
Die Inspirationen kommen mir beispielsweise beim Spazierengehen, Radfahren und natürlich auch während Gesprächen. Wenn ich die Muse dazu habe, fallen mir hierbei Ideen ein, die ich dann umzusetzen versuche.

Worum geht es generell in ihrem Werk?
Es geht mir um die Darstellung, die künstlerische Umsetzung und das Ziel andere Leute damit zu erreichen. Also diesen meine Kunst zu präsentieren, denn ich drücke in meinen Bildern ja ein gewisses Gefühl aus, das die Leute im besten Fall erreicht. Das heißt wo ich dann auch eine Rückmeldung erhalte, ob es ihnen gefällt oder eben nicht.

Amy Winehouse (1983-2011), Gemälde von August Eberle
Amy Winehouse (1983-2011), Gemälde von August Eberle

Nach welchen Gesichtspunkten wählen sie ihre Motive aus und was war der Anlass den legendären Klub 27, Musiker wie Jimi Hendrix, Jim Morrison oder Janis Joplin, die alle im Alter von 27 Jahren verstorben sind, zu würdigen?
Grundsätzlich sind es Motive, die an mich heranfliegen. Manchmal beim Bogenschießen, Fahrradfahren, Laufen oder während ich Kaffee trinke. Angefangen hat es eigentlich mit unseren lokalen Musikerhelden wie Sänger Pouya Nemati (Nyabinghi, Black Night), Gitarrist Philipp Graf (RockXn’, Everglow) oder Blues-Harp-Virtuose Albert Koch, von denen ich Fotos während der Konzerte ihrer Bands gemacht habe. Diese Fotos habe ich ausgedruckt und mit Acryl übermalt, so kam mir die Idee mit den Rockmusiklegenden, die schon mit 27 Jahren verstorben sind. Angefangen habe ich mit Jimi Hendrix, da er mir als Fan noch stark im Gedächtnis präsent ist. Dann ging es weiter mit Janis Joplin, Jim Morrison, Kurt Cobain, Amy Winehouse und Brian Jones. Teilweise generiere ich die Fotos inzwischen via KI-Technik und übermale sie dann. Ich wollte also etwas Altes wie den legendären „Klub 27“ und etwas Modernes zusammenführen. Ich denke, das, was ich bislang produziert habe, ist mir ganz gut gelungen. Mittlerweile habe ich mein Spektrum auf die sogenannten Rocklegenden erweitert, wo dann Leute wie David Bowie und Tina Turner dabei sind. Also quasi die Helden meiner Jugend. Heute Morgen habe ich ein Bild von Beth Hart, einer aktuellen US-Bluesrock-Sängerin, fertiggestellt.

David Bowie (1947-2016), Gemälde von August Eberle
David Bowie (1947-2016), Gemälde von August Eberle

Was bedeutet der Begriff gute Kunst für Sie?
Gute Kunst … das ist eine schwere Frage. Also, Kunst liegt immer im Auge des Betrachters, wie es dieser berüchtigte platte Satz ja schon aussagt. Das heißt man kann sich noch so sehr bemühen etwas Gutes zu erschaffen, doch wenn es vom Großteil der Betrachter nicht gewürdigt wird, dann ist es im Prinzip für die Tonne oder den Keller! Ich persönlich muss ein gutes Gefühl dabei haben, dann ist die Chance natürlich umso größer das es auch anderen gefällt. Ich denke, wenn sich jemand länger als zehn Sekunden ein Kunstwerk anschaut, dann hat es ihn erreicht, oder gar gepackt.

Gibt es Kunstwerke, die Sie besonders beeindruckt haben?
Zuletzt war ich in einer Marc-Chagall-Ausstellung in der Frankfurter Schirn-Kunsthalle. Davon war ich schon sehr beeindruckt, insbesondere von den Darstellungen Chagalls, seinen Ideen und auch seiner Biografie, die er in den Kunstwerken verarbeitet hat. Als Jude aus Russland war er nicht nur in seiner Heimat, sondern auch in anderen Ländern Verfolgungen ausgesetzt. Im Prinzip kam er nirgends zur Ruhe. Dies hat er alles verarbeitet, und er sehnte sich nach seinem Heimatort Witebsk (heutiges Weißrussland) zurück. Das Gesamtwerk hat mich schon sehr beeindruckt. Zudem bin ich von Niki de Saint Phalle beeindruckt. Sie war eine französisch-schweizerische Malerin und international bekannte Bildhauerin der Moderne, die ihn ihrem Werk ihr Kindheitstrauma verarbeitete.

Tina Turner (1939-2023), Gemälde von August Eberle.
Tina Turner (1939-2023), Gemälde von August Eberle.

Bitte nennen Sie Ihre Lieblingsmaler.
Das ist bei mir ein breites Spektrum. Dieses reicht von den modernen Künstlern wie Paul Klee, über Pablo Picassos abstrakte Kunst aus den 1920er Jahren bis hin zu Gerhard Richter, dem ich mehr oder weniger seine Acryl-Malerei abgeschaut habe. Diesbezüglich bin ich also relativ breit aufgestellt.

Vervollständigen Sie bitte den folgenden Satz: Mein Leben ohne Kunst wäre…
trostlos! Die Welt wäre nichts, der Mensch könnte nicht leben, das Leben wäre banal!

Was sind Ihre nächsten Projekte und Ausstellungen, wo kann man Sie und Ihre Kunst in naher Zukunft antreffen?
Im Forum Alte Post findet ab 15. September eine Ausstellung statt, in der Pirmasenser Künstler unter dem Motto „Schuhe und mehr“ ihre Kunst darbieten. Des Weiteren haben wir mit dem Kollektiv Atelier Kunschd’raum im November in der einheimischen Lutherkirche eine Engel-Ausstellung geplant. Für 2024 ist eine Ausstellung im alten Rathaus Dahn anvisiert, aber dieses Event müssen wir erst noch organisieren, das ist also noch nicht in trockenen Tüchern.

Zur Person: August Eberle

Geboren am 2. Januar 1952 in Pirmasens, Fachabitur, Studium in Frankfurt am Main im Fachbereich Architektur, Abschuss Diplom-Ingenieur, Mitarbeit in verschiedenen Architekturbüros, danach 25 Jahre bei der Bauaufsicht Frankfurt als Sachbearbeiter im Baugenehmigungsverfahren tätig. 2014 Rückkehr nach Pirmasens. Sein halbes Leben lang hat er sich mit Fotografie und Fotografik beschäftigt. Vor acht Jahren begann er mit digitalen Fotocollagen, seit einiger Zeit übermalt er Fotos von Musikern, die er teilweis mit KI (Künstlicher Intelligenz) generiert. Eberle ist Mitbegründer des Vereins Atelier Kunschd’raum“ Pirmasens, Mitorganisator der Art Pirmasens (die am Wochenende zum ersten Mal stattfand) und von Kunst im Park. Er nimmt an den Gruppenausstellungen des Vereins Kunschd’raum in Pirmasens und Rodalben teil. adi

Info

facebook.com/august.eberle,
facebook.com/kunschdraum

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