Maikammer
Winzer Fabio Schmid: „Schweizer trinken ihren Wein selbst“
Herr Schmid, welche Bedeutung hat der Weinbau in der Schweiz?
Besonders in der Westschweiz und im Tessin sind die Menschen sehr weinaffin, aber auch bei uns in der Deutschschweiz wird viel Wein angebaut und getrunken, insbesondere entlang des Rheins. Herr und Frau Schweizer trinken 37 Liter Wein im Jahr – immerhin Platz vier in ganz Europa.
Welches sind die größten Unterschiede zum Weinbau in Deutschland?
Aufgrund der Alpen gibt es in den einzelnen Anbaugebieten in der Schweiz sehr große klimatische Unterschiede. Schaut man sich nur die Deutschschweiz an, fällt hier sicher der viel höhere Rotweinanteil auf. Pinot Noir macht hier 60 Prozent der Rebfläche aus, in Deutschland wird auf knapp 70 Prozent der Rebflächen Weißwein angebaut, hauptsächlich Riesling.
Was trinken die Schweizer am liebsten? Trocken, feinherb oder lieblich?
Diese Unterteilung wird in der Schweiz nicht so genau gemacht wie in Deutschland. Ich denke aber, dass hierzulande ähnliche Vorlieben bestehen wie in Deutschland, jüngere Konsumenten bevorzugen eher liebliche Weine, weinaffine Kunden tendieren eher zu trockenen Gewächsen.
Wie groß ist das Anbaugebiet in der Schweiz?
15.000 Hektar, das ist gemessen an der Größe des Landes ziemlich viel. Grundsätzlich ist über 2/3 der Schweiz jedoch so gebirgig, dass Weinbau nicht möglich ist. Der Weinbau konzentriert sich im Flachland und in den Flusstälern.
Welche Rolle spielt der Export?
Lediglich ein Prozent der Weine werden exportiert, wir Schweizer trinken unseren Wein gerne selbst. (lacht)
Und woher kommen die importierten Weine?
Die Schweiz ist ein großes Importland. Italien, Frankreich und Spanien sind die wichtigsten Länder, Deutschland ist leider bisher nur marginal vertreten.
Was sind die Hauptrebsorten?
Wie erwähnt ist in unserer Region Pinot Noir die Hauptsorte und auch Chardonnay ist auf dem Vormarsch. Ich stamme aus dem Thurgau, dort ist natürlich auch der Müller-Thurgau stark verbreitet und quasi identitätsstiftend. Mittlerweile sind auch viele pilzwiderstandsfähige Sorten im Anbau, wir beobachten Veränderungen im Sortenspiegel.
Und was haben Sie in Maikammer im Gepäck?
Das Thema beim Weingipfel ist ja Burgunder, deshalb bringen wir unseren Schaumwein sowie den klassischen Pinot Noir und Chardonnay mit. Ich freue mich schon darauf, unsere Weine mit denen der Kollegen zu vergleichen. Und natürlich auch auf den Gedankenaustausch.
Was reizt Sie speziell am Weingipfel?
Ich freue mich auf den Kontakt mit ehemaligen Studienkollegen aus Geisenheim und den regen Austausch. Es ist toll, dass alle an einem Punkt zusammenkommen und ihre Weine gemeinsam präsentieren können. Besonders die tolle Organisation der Familie Schreieck finde ich klasse, das ist der gelebte Gedanke des Miteinanders.
Zur Person
Fabio Schmid, 26, bewirtschaftet 6 Hektar Rebfläche in Schlattingen im Thurgau. Hauptrebsorten in seinem Sortenspiegel sind Pinot Noir, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Müller-Thurgau. 2022 wurde Schmid vom Magazin Falstaff zum beliebtesten Schweizer Nachwuchswinzer gekürt.

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