Neustadt/Bad Dürkheim/Grünstadt Welche Bücher sich im November entlang der Weinstraße besonders gut verkauften

Literaturnobelpreisträger schaffen es nicht zwingend in die regionalen Bestsellerlisten. Dem Norweger Jon Fosse ist es mit seine
Literaturnobelpreisträger schaffen es nicht zwingend in die regionalen Bestsellerlisten. Dem Norweger Jon Fosse ist es mit seinem kleinen Roman »Morgen und Abend« jetzt gelungen.

Die Bestseller im November: Ein Top-Seller ist auf den Bestsellerlisten der neun regionalen Buchhandlungen im November nicht zu entdecken. In diesem eher ruhigen Monat scheint zwei die magische Zahl, lediglich der neue Krimi von Nele Neuhaus, „Monster“, eroberte sich drei Listenplätze. Insgesamt ist eine internationale Mischung aus belletristischen Spitzen, Unterhaltung und Sachbüchern erkennbar.

Erstmals taucht unter den Top 3 ein Buch des diesjährigen Nobelpreisträgers für Literatur, Jon Fosse, auf: „Morgen und Abend“ kam im Buchmarkt in Bad Dürkheim sogar auf Platz 1. In seinem kleinen Roman thematisiert Fosse am Beispiel eines norwegischen Fischers eindrücklich Geburt und Tod. Mittels zweier einander entgegengesetzten Kreisbewegungen schildert er den rasch kreisenden Eintritt des Menschen in die Welt und dann seinen langsamen, rückwärts verlaufenden Abschied und kreiert dabei literarisch einen Raum zwischen Stummheit und Sprache.

Eine Liebe in Zypern zwischen Krieg und Flucht

Zurück in das vom Bürgerkrieg gezeichnete Zypern des Jahres 1947 führt Elif Shafak in ihrem Roman „Das Flüstern des Feigenbaums“, der bei Frank in Grünstadt viel Anklang fand. Eindrucksvoll erzählt sie von der verbotenen Liebe zwischen dem Griechen Kosta und der Türkin Define, die sich heimlich im Lokal „Die glückliche Feige“ treffen. Zeitweise werden beide getrennt, finden jedoch wieder zueinander. Sie leben in London, wo sie einen Ast der zyprischen Feige in ihren Garten pflanzen. Eindrücklich thematisiert die Autorin Krieg und Flucht und fügt zugleich Märchenelemente in ihre Geschichte ein. Elif Shafak ist eine türkisch-britische Autorin. 1971 in Straßburg als Tochter einer Diplomatin und eines Soziologieprofessors geboren, wuchs sie unter anderem in Madrid und Amman auf. In Ankara studierte sie „Internationale Beziehungen“ und promovierte in Politikwissenschaft. Sie lehrte an verschiedenen Universitäten in der Türkei, den USA und Großbritannien. Für ihren ersten Roman „Spiegel der Stadt“ erhielt sie 2000 den Preis des türkischen Schriftstellerverbandes.

Eine verklingende Liebe in der DDR

Hervorgehoben sei hier außerdem der Roman „Das Liebespaar des Jahrhunderts“ von Julia Schoch, der in der Neustadter Bücherstube erfolgreich lief. Es ist der zweite Band der geplanten Trilogie „Biografie einer Frau“. Die Autorin thematisiert das Auseinanderdriften eines seit 30 Jahren verheirateten Paares, dessen Liebe sich zunehmend im Alltäglichen verliert. Beide lernten sich in der DDR kennen und gründeten eine Familie. Schoch zeichnet die Unfähigkeit des Paares auf, auf Dauer miteinander zu kommunizieren und spürt den Dissonanzen nach, die in einer langen Beziehung entstehen. Ob das Ende eine Befreiung oder ein Verlust bedeutet, bleibt offen Schoch, 1974 in Bad Saarow-Pieskow in der DDR geboren, studierte Germanistik und Romanistik in Potsdam, Montpellier und Bukarest. Sie lehrte französische Literatur an der Uni Potsdam und veröffentlichte unter anderem die Romane „Selbstporträt mit Bonaparte“ und „Das Vorkommnis“. Sie lebt mit Mann und zwei Kindern in Potsdam.

„Unsere Empfehlungen und Beratungen kommen gut an“

Im eher ruhigen Monat November waren die Buchhändler/innen mit dem Geschäftsverlauf dennoch zufrieden. Turbulent ging es bei Quodlibet zu, die Buchhandlung war an zwei Lesungen in der Neustadter Stadtbücherei mit Sylvie Schenk und Iris Wolff beteiligt und bot bei der um Wolffs Roman „Die Unschärfe der Welt“ kreisenden Aktion „Neustadt liest ein Buch“ auch noch eine eigene Veranstaltung in der Buchhandlung auf. Mitinhaber Frank Schwarz freut sich über die große Resonanz und Buchnachfrage, auch unabhängig von den eigenen Veranstaltungen: „Seit der Frankfurter Buchmesse ist die Nachfrage nach Neuerscheinungen bei uns sehr groß. Und schon jetzt laufen die Weihnachtsvorbestellungen. Unsere Empfehlungen und Beratungen kommen gut an.“

„Es war wie das Wetter, grau und wechselhaft“

Auch Monika Strefler von Frank in Grünstadt blickt positiv zurück, bei ihnen gibt es sogar eine Besonderheit: „Im November buchen Kunden unsere Buchhandlung und treffen sich hier abends bis 22 Uhr. Sie stöbern in unserem Buchbestand und tauschen sich aus.“ Ob das nicht auch andere Buchhändler inspirieren könnte? Andrea von Boeltzig von Frank in Dürkheim fasst zusammen: „Im November war es bei uns zwar ruhiger als in den Vormonaten. Aber wir hatten eine sehr schöne Veranstaltung mit dem Kulturverein Wachenheim.“ Sie selbst hielt dabei einen Vortrag über Neuerscheinungen des Jahres, der viel Anklang fand. Werner Libor, Inhaber des Buchmarkts, fasst rückblickend zusammen: „Wir sind einigermaßen zufrieden. Es war wie das Wetter, grau und wechselhaft. Anfangs lief es ganz ruhig, später wurde es besser.“ Hermann Speckert von der Neustadter Bücherstube erklärt: „Es gibt nichts Spektakuläres zu berichten. Spürbar war die Zurückhaltung der Kunden angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten und der allgemein schwierigen Situation.“

Die Bestseller-Liste

Bahnhofsbuchhandlung (Neustadt)

1. Asterix – Die weiße Iris

2. Axel Hacke: Über die Heiterkeit in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wichtig uns der Ernst des Lebens sein sollte

3. Joy Fielding: Die Haushälterin

Buchmarkt (Bad Dürkheim)

1. Jon Fosse: Morgen und Abend

2. Eva-Maria Zurhorst: Liebe kann alles – Wie du mit deiner

weiblichen Kraft zur Schöpferin deines Lebens wirst

3. Sabine Kuegler: Ich schwimme nicht mehr da, wo die Krokodile sind

Frank (Bad Dürkheim)

1. Tonio Schachinger: Echtzeitalter

2. Daniel Kehlmann: Lichtspiel

3. Sebastian Fitzek: Die Einladung

Frank (Eisenberg)

1. Nele Neuhaus: Monster

2. Sebastian Fitzek: Die Einladung

3. Mona Kasten: Fallen Princess

Frank (Grünstadt)

1. Otto Waalkes: Ganz große Kunst

2. Florian Illies: Zauber der Stille – Caspar David Friedrichs Reise durch die Zeiten

3. Elif Shafak: Das Flüstern der Feigenbäume

Hofmann (Neustadt)

1. Florian Illies: Zauber der Stille

2. Daniel Kehlmann: Lichtspiel

3. Nele Neuhaus: Monster

Neustadter Bücherstube

1. Dana Vowinckel: Gewässer im Ziplock

2. Martin Suter: Melody

3. Julia Schoch: Das Liebespaar des Jahrhunderts

Osiander (Neustadt)

1. Nele Neuhaus: Monster

2. Ferdinand von Schirach; Nachmittage

3. Mona Kasten: Fallen Princess

Quodlibet (Neustadt)

1. Asterix- Die weiße Iris

2. Iris Wolff: Die Unschärfe der Welt

3. Ludwig Burgdörfer: Funksprüche – frisch + fromm

Buchtipp: Walter Moers entführt in „Die Insel der Tausend Leuchttürme“ erneut in die skurrile Welt Zamoniens

Uli Rieder von der Neustadter Bahnhofsbuchhandlung hat den druckfrischen und mit über 100 Zeichnungen des Autors illustrierten Fantasy-Roman „Die Insel der Tausend Leuchttürme“ (Penguin-Verlag, gebunden, 656 Seiten, 42 Euro) von Walter Moers, der erneut auf dem fiktiven Kontinent Zamonien spielt, mit Begeisterung verschlungen:

„Der Satz ,Für eine Reise muss man nicht das Haus verlassen. Die phantastischsten Reisen sind die im eigenen Kopf’ ist ein Zitat von Gryphius von Odenhobler, einem Protagonisten dieses Romans. Auf eine solche faszinierende Kopfkino-Reise hatte ich mich begeben, als ich vor fast 20 Jahren ,Die Stadt der Träumenden Bücher’ von Walter Moers gelesen habe. Meine Erwartung war dementsprechend groß, ob es dem Autor auch dieses Mal gelänge, mich mit seinem jüngsten Roman aus der Zamonien-Reihe in seinen Bann zu ziehen. Der aus früheren Erzählungen bekannte Protagonist Hildegunst von Mythenmetz, berühmtester Schriftsteller Zamoniens, nimmt uns mit nach Eydernorn, der ,Insel der Tausend Leuchttürme’. Dort will er seine Bücherstaub-Allergie auskurieren und sich der ,Pharologie’, dem Studium der 111 Leuchttürme, widmen, die in der Nacht wie Tausende leuchten.

In 19 Briefen an seinen Freund Hachmed begleiten wir Mythenmetz bei seinen Erkundungen der Insel, bekommen Einblicke in die Besonderheiten des Insellebens mit all seinen Kreaturen und erleben haarsträubende Abenteuer. Ob beim Besuch des alten Dichters Odenhobler in seinem Leuchtturm oder der Besichtigung der Stadt ohne Türen, unfreiwillig schlittert unser Held in Käpt’n Blaubär-Manier von einer bizarren Situation in die nächste. Und über allem schwebt unheilvoll eine monströse Gewitterwolke, die es den Inselbewohnern verwehrt, den Blick nach oben zu richten.

Man muss kein Fantasy-Fan sein, um in Moers’ Fabelwelt voller hypochondrischer Lindwürmer, drahtiger Küstengnomen und hellsichtiger Schrecksen eintauchen zu können, oft ähneln die Charaktere des Romans denen unseres alltäglichen Lebens. ,Die Insel der Tausend Leuchttürme’ zieht hinein in eine Welt voller surrealer Begebenheiten. Aus dem harmlosen Vorhaben eines Kuraufenthaltes ergibt sich für Mythenmetz eine Abfolge von immer spannenderen Erlebnissen, die schließlich auf ein ergreifendes Finale zusteuern. Auch in diesem Roman begeistert der Autor mit seinen skurrilen Zeichnungen, seinem sprühenden Wortwitz und den vielen Anagrammen, hinter denen sich oft berühmte Persönlichkeiten verbergen. In seinem Nachwort kommt Moers zur selbstbewussten Selbsteinschätzung, dass sein neuestes Werk an die anfangs erwähnte ,Stadt der Träumenden Bücher’ heranreiche - und ja, tatsächlich, der Meister wurde wieder vom ,Orm’ geküsst.“

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