Deidesheim Tourismus: Die Akzeptanz lässt nach – doch es gibt Lösungsansätze

Die Geißbockversteigerung gehört zu den großen Attraktionen der Stadt Deidesheim.
Die Geißbockversteigerung gehört zu den großen Attraktionen der Stadt Deidesheim.

Der Tourismus ist in der Region eine wichtige Säule der Wirtschaft. Doch was bedeutet es für die Bevölkerung, wenn immer mehr Gäste kommen? Die Tourismusforscherin Sabrina Seeler hat dazu in Deidesheim eine neue Strategie vorgeschlagen.

Wie viel ist zuviel im Tourismus? Beispiele wie Venedig oder Amsterdam zeigen, dass etliche Städte für ihre Beliebtheit einen hohen Preis zahlen. Dass sie quasi Opfer ihres eigenen Erfolgs werden, wie Tourismusforscherin Sabrina Seeler es ausdrückt. Seeler ist am Institut für Tourismusforschung an der Fachhochschule Westküste in Heide an einer Studie zur Tourismusakzeptanz beteiligt, und sie hat Ergebnisse daraus jetzt auch bei den Deidesheimer Gesprächen zur Tourismuswissenschaft vorgestellt. Eines davon: Die Tourismusakzeptanz sinkt – wobei sie in Rheinland-Pfalz noch besser ist als im Durchschnitt Deutschlands.

„Der Tourismus wird als Wirtschaftsfaktor wahrgenommen, nicht aber als Treiber von Lebensqualität“, erklärt Seeler. Damit stelle sich die Frage, welche Faktoren überhaupt auf die Lebensqualität Einfluss haben, und welchen Einfluss die Verbundenheit der Einwohner mit ihrem Wohnort auf die Lebensqualität hat. Mit anderen Worten: Wenn Fremde den eigenen Ort toll finden, kann das nicht auch zu einem positiven Gefühl fühlen? Und könnte der Stolz auf den eigenen Ort nicht die Lebensqualität erhöhen?

Deidesheim auf gutem Weg

Die Studie zeige, dass die Tourismus-Verantwortlichen nicht allein die Zufriedenheit des Gastes in den Blick nehmen müssen, sondern auch die der Einheimischen, so Seeler. Denn die Einwohner und deren Verbundenheit mit ihrem Ort seien elementar für den Tourismus. „Das schafft Besuchsqualität“, so Seeler. Wenn das Fass einmal übergelaufen sei, also der negative Blick auf die Touristen überwiege, sei es schwer, das wieder umzukehren.

Deidesheim scheint davon jedoch weit entfernt zu sein. Mehrere Teilnehmer der Diskussionsrunde attestierten der Stadt, in puncto Beachtung der Interessen der Einheimischen auf einem guten Weg zu sein. Dazu beigetragen habe sicher die langjährige Zugehörigkeit zum Netzwerk Cittàslow, einem internationalen Netzwerk, das sich für Lebensqualität und Nachhaltigkeit sowie der Förderung von regionalen Traditionen und regionalen Wirtschaftskreisläufen einsetzt, sagte Stefan Wemhoener, Geschäftsführer der Tourist Service GmbH. Eine Studie habe gezeigt, dass das Engagement bei Cittàslow von den Einheimischen positiv gesehen werde. Deidesheim ist seit 2009 Teil dieser Bewegung, die 1999 in Italien entstand, und Deidesheims Bürgermeister Manfred Dörr ist seit 2015 Präsident von Cittàslow Deutschland.

Verbesserungspotential bei Verkehr

Dörr selbst machte jedoch auch deutlich, wo Deidesheim noch besser werden muss. Ganz oben auf der Liste: der Verkehr. Wenn zu schnell gefahren oder verkehrsbehindernd geparkt werde, dann führe das zu Unmut. Allerdings werde es nicht gelingen, die Durchgangsstraße in Deidesheim komplett zu beruhigen, schränkte Dörr ein. Einsetzen wolle sich die Stadt auch für mehr Grün in der Stadt.

Wemhoener erinnerte daran, dass die Deutsche Weinstraße die erste Region in Rheinland-Pfalz gewesen sei, die sich als nachhaltiges Reiseziel zertifizieren ließ. Die Partnerbetriebe, darunter auch etliche Unterkunftsbetriebe, verpflichteten sich in vielen Bereichen zur Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte. Das gehe von der Nutzung biologisch abbaubarer Reinigungsmittel bis zum Fahrradverleih.

Zur Sache: Kooperation mit Tourismusinstitut

Die Stadt Deidesheim kooperiert seit 2013 mit dem Institut für Tourismusforschung der Fachhochschule Westküste. Diese Zusammenarbeit ist jetzt, nach zehn Jahren, verlängert worden. Ziel ist der Austausch von Wissenschaft und Praxis, von dem beide Seiten sich Vorteile versprechen. Um das zu erreichen, werden unter anderem im Zwei-Jahres-Rhythmus die Deidesheimer Gespräche zur Tourismuswissenschaft organisiert. Der Kontakt zur Fachhochschule geht auf den Leiter der Einrichtung, Bernd Eisenstein, zurück. Dieser stammt aus Deidesheim und ist heute Direktor des Instituts und Professor an der Fachhochschule Westküste.

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