Neustadt Pure Lust am Leben

Jeder hat Träume – die Schauspielgruppe der „Lebenshilfe“ bringt sie in ihrer Musikrevue auf die Bühne.
Jeder hat Träume – die Schauspielgruppe der »Lebenshilfe« bringt sie in ihrer Musikrevue auf die Bühne.

«Neustadt». Zum zweiten Mal nach 2018 haben die „Puzzle-Band“ und die Theatergruppe der „Lebenshilfe“ unter der bewährten Leitung von Dominique Christine Fürst und Hedda Brockmeyer am Samstag das Gemeinschaftsprojekt der inklusiven Musikrevue „Wir träumen“ mit großem Engagement auf die Bühne gebracht: diesmal in der ausverkauften Aula des Leibniz-Gymnasiums in noch professionellerer Form als bei der Premiere und zusätzlich begleitet von Schülern der IGS Deidesheim-Wachenheim.

Erste Kusshände fliegen von der Bühne in die Menge. Die Schauspieler der „Lebenshilfe“ mit Wohnheimleiter Andreas Repp und IGS-Schüler Felix Kempter als Praktikant warten mit ihren Regisseurinnen Brockmeyer und Fürst auf ihren Einsatz. Jazzsängerin Nicole Metzger und ihr musikalischer Partner, Pianist Daniel Prandl, helfen mit einem gefühlvollen „Somewhere over the rainbow“ über die erste Nervosität der Darsteller weg, die kurz darauf zu einem rockigen „Aber bitte mit Sahne“ von Udo Jürgens der inklusiven „Puzzle-Band“ in ihre Traumabenteuer starten. Eine „Kochshow“ mit tickenden und tackenden Küchenmaschinen fordert zwei Kochteams heraus. Italienischen Genüssen stehen „Pälzer Lewwerknedel“ gegenüber. Angefeuert werden die Köche von Motivator Abdul Özer. Der Mann im Rollstuhl lässt seine Begeisterungsrufe unter Sonderapplaus erschallen. Für ihre traumhaften Genüsse erhalten beide Mannschaften ein Unentschieden, was Repp nicht passt, der unter dem Gelächter der Zuschauer für sein „Gemecker“ einen „Pudding“ übergestülpt bekommt. In der Musikrevue werden die „Wunschträume“ der behinderten und nicht behinderten Mitspieler erfragt. Reisen wollen alle, und zwar nach Afrika, um sich am Strand zu sonnen. Ein imaginärer Flieger wird bestiegen. Nach rasantem Flug mit Kapitän und Casanova Thorsten Schrenk wird notgewassert und nach einem Abstecher zum Meerkönig zur Strandanimation geschwommen. Unter viel Gelächter wird die stressige Animateurin Hedda Brockmeyer dann aber zum Teufel gejagt, heißt hier, mit Bällen beworfen. Die Darsteller sind konzentriert bei der Sache und spielen so temperamentvoll wie im letzten Jahr, doch insgesamt wirkt die Handlung optimiert und die Darstellung routinierter. Immer wieder bieten die „Puzzle-Band “mit Metzger und Prandl mitreißende musikalische Momente, darunter auch einige Songs wie „Illusionen“ aus Metzgers aktuellem Hildegard-Knef-Programm. Prandl, der Meister am Piano, und Metzger, die jazzige Samtstimme mit der expressiven Ausdruckskraft einer Rocklady, reißen die Zuhörer ebenso mit wie die beachtlichen Stimmen der „Puzzle-Band“ zu Songs wie „Ich will keine Schokolade“, „Halleluja“, „Pure Lust am Leben“ oder „We will rock you“. Gitarrist Tim Schneider darf den „Traum vom Rockstar“ leben. Doch dieses Jahr kommt ein weiterer musikalischer Höhepunkt dazu. Der Chor der IGS Deidesheim-Wachenheim hat Mark Forsters Song „Wir sind groß“ arrangiert. Außerdem singen die Jugendlichen, auch hier mit Begleitung einiger Musiker von IGS-Schulband und Bandklasse, „Say something“ von Justin Timberlake. Ein weiterer Traum besteht darin, die große Liebe zu finden. So wird auf der Bühne mit Maria Karbach am Klavier nach geradlinigem „Willste mich“ stimmungsvoll geheiratet. Begeisterten Applaus erhält auch Eugen Wesner, der bei zwei Songs mit Metzger und Prandl die stimmliche Rhythmusmaschine abgibt. Nur mit Zugabe dürfen die Schauspieler und Musiker nach einem „tollen Job“ von der Bühne. Und aus anfangs oft „chaotischen Proben“, so O-Ton Repp und Kempter, ist erneut ein rundes Ganzes mit „Pälzer Herz“ geworden.

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