Neustadt Mehr Kirchenhüter bitte

Hinter den Malereien in der Stiftskirche – hier bei der Eröffnung der Friedensdekade – stecken faszinierende Geschichten.
Hinter den Malereien in der Stiftskirche – hier bei der Eröffnung der Friedensdekade – stecken faszinierende Geschichten.

Katholische Kirchen geöffnet, protestantische Kirchen geschlossen – so war es früher auch in Neustadt. Wer nicht in den Gottesdienst ging, kannte die evangelischen Kirchen nicht von Innen. Das ist in der Stiftskirche anders.

Von 2011 bis 20013 wurde die Stiftskirche renoviert. Seitdem gilt ein offenes Konzept. Die Stiftskirche soll für alle zugänglich sein, vom Marktplatz und vom Kartoffelmarkt aus. Sie ist ein Gotteshaus und ein Zentrum der Kultur. In ihr spiegelt sich die Geschichte Neustadts und der Pfalz seit dem Mittelalter. Die offene Kirche ist nur möglich, weil es Menschen gibt, die die Kirche offen halten.

Die Stiftskirchengemeinde organisiert einen Hütedienst. Man versucht, die Kirche von 11 Uhr bis 17 Uhr offen zu halten. Die Kirchenhüter verpflichten sich zu einem Dienst von jeweils zwei Stunden. Das wird von Monat zu Monat organisiert. Die Kirchenhüter nehmen ihre Aufgabe mit Freuden an, aber es sind zu wenige, um die Öffnungszeiten durchgängig zu garantieren. Es wäre sehr willkommen, wenn mehr Menschen sich dieser Aufgabe widmen würden. Es ist nämlich eine schöne Aufgabe. Man muss auch kein Glaubensbekenntnis abgeben, auch kein Zeugnis kunsthistorischer Kenntnisse.

Halten als Hüter die Stiftskirche offen (von links nach rechts): Sigrid Kern, Inge Kirsch, John Hutchison, Edwin Sturm.
Halten als Hüter die Stiftskirche offen (von links nach rechts): Sigrid Kern, Inge Kirsch, John Hutchison, Edwin Sturm.

Allerdings, wenn man Zeit in der Ruhe der Kirche verbringt, hat man Muße, die dort ausliegenden Broschüren zu lesen, die viele Aspekte der Stiftskirche erklären. Um so mehr spürt man eine Faszination, die nur aus Unkenntnis bisher unterblieben war. Das Gebäude selbst, die Malereien, die Grabmäler, der Altarraum und vieles mehr haben eine Bedeutung, die über die oberflächliche Betrachtung hinausgeht. Es transportiert die Gedanken weg von der Hektik der aktuellen Ereignisse zur besinnlichen Betrachtung der Formen und Farben, der verschiedenen Lichtverhältnisse, der Erzählungen der Malereien, des Mosaiks, der Glocken und der Fenster. Oft entdeckt man Einzelheiten, die man noch nie bemerkt hatte. Manchmal kann man auch einem Orgelkonzert lauschen, wenn Simon Reichert oder Orgelschüler üben.

Die Trennmauer interessiert viele Besucher

Und die Besucher? Manche, ob Einheimische oder Touristen, kommen rein, gucken mal kurz und gehen gleich wieder weg. Andere aber schauen sich um, fotografieren, zeigen einander Einzelheiten. Diese offenbar interessierten Menschen sprechen die Hüter oft an. „Kann ich Ihnen erzählen, was Sie dort sehen?“ Das wird oft sehr dankbar aufgenommen.

Wieso ist die Kirche innen viel kleiner, als man sie eingeschätzt hatte von außen? Die Trennmauer interessiert viele Menschen. Wie ist es dazu gekommen, wieso ist das eine Simultankirche, wo ist der katholische Teil? Das riesige Glasmosaik auf der Trennwand: Aus welcher Zeit stammt es, was ist dargestellt, welche Verbindung hat es zur Geschichte der Kirche? Es ergeben sich interessante Gespräche mit den Besuchern. Sie erzählen auch von sich, wo es noch Simultankirchen gibt, wo man noch nie von dergleichen gehört hat. Es ist auf jeden Fall nicht langweilig, für zwei Stunden dort zu sitzen – weder wenn viele Menschen kommen, noch wenn man die meiste Zeit für sich ist.

Info

Die Kirchenhüter, ein Kreis verschiedenster Menschen, treffen sich einmal im Monat. Interessierte sind herzlich willkommen und können sich unter www.stiftskirche-neustadt.de oder beim Protestantischen Pfarramt Neustadt, Schütt 9, unter Telefon 06321 398921melden.

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