Neustadt / Bockenheim
Marie-Luise Dinglers Kinderbuch „Hurra, wir spielen ein Konzert“ gibt’s jetzt auch als Hörbuch
„Du meinst, ein richtiges Konzert? So vor anderen Leuten?“, fragt der Igel mit unsicherer Stimme. „Was ist, wenn ich falsch spiele?“ Der Freund des kleinen Geigers, das Eichhörnchen, winkt ab und verspricht im Falle eines Falles, so lange die Saiten seiner Mandoline zu zupfen und zu schlagen, bis das Stacheltier den musikalischen Faden wieder gefunden hat. Dabei lispelt es putzig. Der Sprachfehler wurde ihm von der Neustadter Schauspielerin Leni Bohrmann verpasst. Schmunzelnd erläutert sie: „Ich dachte an die großen Schneidezähne. So ein Hörnchen kann bestimmt kein S aussprechen.“
Gedacht war zunächst nur an ein Geschenk fürs Patenkind
Mit großem Einfühlungsvermögen und viel Liebe zum Detail hat die Mimin und Podcasterin dieses Hörspiel produziert. Einfach so, als Geschenk für ihr kleines Patenkind. Dafür vertonte sie einfach spontan das Buch „Hurra, wir spielen ein Konzert“. Von dem 36-seitigen Werk erfuhr Bohrmann durch ihren Kontakt mit der Autorin Marie-Luise Dingler und deren jüngerem Bruder Christoph. Sie hatte die beiden in Bockenheim aufgewachsenen und heute in Mannheim wohnenden Violinisten, die als Duo „The Twiolins“ weltweit auf der Bühne stehen, im Mai 2020 für ihren Podcast „Backstage“ interviewt.
Da hatte das Geschwisterpaar bereits rund zwei Monate lang kein Konzert mehr gegeben, und die Corona-Flaute genutzt, um ein schon länger angedachtes Kinderbuch über Musik zu schreiben (wir berichteten hier). Marie-Luise Dingler hat den Text verfasst, der Bruder das Technische drum herum gemacht, etwa das Layout und die Druckdatei erstellt. Ende 2020 erschien das literarische Debüt der beiden. Nach sechs Monaten waren die ersten 1000 Stück verkauft und auch eine englische Version auf dem Markt. „Das Buch hat teilweise staatliche Hilfen verhindert, weil wir durch die Bestellungen gewisse Umsatzgrenzen überschritten“, erzählt die Autorin rückblickend.
Unterschiedliche Stimmen? Für Bohrmann kein Problem
Auch Leni Bohrmann hat es gekauft. „Mir gefallen die wunderschönen Illustrationen von Jessica Marquardt“, schwärmt sie. Dass ihr Patenkind zum vierten Geburtstag nicht nur das Buch bekam, lag am zweiten Shutdown. „Es war eine düstere Zeit, die Kulturschaffenden sind wieder komplett hinten heruntergefallen. Da wollte ich wenigstens meine Kreativität sinnvoll nutzen“, erklärt die Schauspielerin, die auch Theaterstücke schreibt und durch ihren 2019 in Kooperation mit dem Neustadter Stadtverband für Kultur gegründeten Podcast über ausreichend Erfahrung mit Tonaufnahmen verfügt. Ein Studio braucht sie dafür nicht, nur einen Laptop, Software wie einen Audioeditor, ein Mikrofon und einen selbst gebauten Schallabsorber.
„Nachdem ich das Buch einmal gelesen hatte, sprach ich es gleich ein“, erzählt die 33-Jährige. Das habe – bis auf Kleinigkeiten, die im Nachhinein leicht zu verbessern gewesen seien – gleich beim ersten Mal gesessen. Den Figuren unterschiedliche, zum jeweiligen Charakter passende Stimmen zu verleihen, sei ihr nicht schwer gefallen. „Man muss sich halt ganz und gar in die Rolle hineinbegeben“, erläutert sie. Einen nachhaltigen Eindruck bei den kleinen Zuhörern hinterlässt sicherlich die brummige Direktorin Braunbär, die dem Eichhörnchen und dem Igel keine Chance geben will, in ihrem Konzerthaus aufzutreten. Unfreundlich wimmelt sie die zwei ab: „Geige und Mandoline? Von so einem Duo habe ich noch nie gehört. Nein, nein, das wird nichts.“
Das Aufwendigste an ihrem Vorhaben sei das Ausschmücken mit Geräuschen und Musik gewesen, sagt Bohrmann und berichtet von tagelanger Online-Suche in frei zugänglichen Datenbanken. Manchen Laut hat sie aber auch selbst erzeugt. „Für die Szene, als der Igel seinen Kaffee verschüttet, hab ich eine Tasse auf dem Tisch umgekippt.“ Ein anderes Beispiel: Mit einer Lotusflöte begleitete sie das Ein- und Ausfahren von Schneckenfühlern. „Jedes Geräusch hat eine eigene Tonspur. Das Zusammenstellen hat sehr viel Mühe gekostet“, sagt Bohrmann, die aber am Ende „sehr glücklich“ mit dem Ergebnis war. „Allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, dass auch Marie-Luise Dingler total begeistert sein würde.“
Corona und die neue Offenheit
Die Violinistin war sogar so angetan, dass sie das zunächst nur private Projekt kurzerhand auf professionelle Beine stellte. „Ich fand es einfach wunderbar und hatte den spontanen Impuls, es noch anderen Kindern zugänglich zu machen“, erläutert sie. Nach etwa sechs Stunden Überarbeitungszeit sei das Hörspiel dann perfekt gewesen. „Wir haben Musik umgestellt und ausgetauscht, Christoph hat zu einem Mandolinenstück aus dem Internet, für das wir noch die Lizenz erwerben mussten, improvisiert“, berichtet die 37-Jährige. Vor dem Abmischen und Mastering sei noch etwas am Schnitt gefeilt worden. Und nachdem inzwischen die dritte Auflage ihres ersten Buches geordert werden muss, hat Dingler bereits ihr zweites Werk für Kinder in der Mache. „Es kommt voraussichtlich Weihnachten heraus“, kündigt sie schon jetzt an. Ob es ein weiteres Hörspiel geben wird? „Ich weiß es noch nicht“, sagt die Musikerin, schiebt aber nach: „Seit Corona sind wir offen für viele Wege, die sich plötzlich aufzeigen können.“
Info
Marie-Luise Dinglers Kinderbuch „Hurra, wir spielen ein Konzert“ und das von Leni Bohrmann daraus gemachte Hörspiel sind erhältlich im Online-Shop über die Webseite www.thetwiolins.de. Das Hörbuch allein gibt es darüber hinaus auch auf verschiedenen Plattformen wie Audible, Spotify oder Bookbeat.