Neustadt
Grüne sauer wegen gefällter Eiche am Bahnhof
Über 40 Jahre alt war die Eiche vor der Bahnhofstraße 14 laut Elke Kimmle. Am Mittwoch wurde sie dann im Zuge des Umbaus des Bahnhofsvorplatzes gefällt. Für die grüne Stadträtin ein Unding: „Es ist geradezu unverantwortlich, dass in Zeiten des Klimawandels gesunde alte Bäume aufgrund von Planungsfehlern gefällt werden.“ Die Fehlplanung sieht sie darin, dass eine Veränderung der Bauabschnitte die Umpflanzung des Baumes möglich gemacht hätte. Für eine Verpflanzung der Eiche habe Umweltdezernentin Waltraud Blarr auch schon Angebote eingeholt. Vor der Umsetzung hätte der Baum allerdings bis Herbst dieses Jahres an seinem bisherigen Standort verbleiben müssen. Denn zuvor hätten die Wurzeln gekappt und das Ausbilden von Feinwurzeln abgewartet werden müssen.
Baudezernent Bernhard Adams teilt auf Anfrage mit, dass sich die Verwaltung mit der Frage beschäftigt habe, ob der Baum wirklich gefällt werden müsse. Aber der Standort der Eiche liege im ersten Bauabschnitt, und eine Umstellung der Planung „hätte einen enormen Aufwand bedeutet“. Die Tiefbauabteilung habe das Tauschen von Bauabschnitten geprüft, aber die vereinbarten Bauabläufe und Zeitpläne hätten dann nicht eingehalten werden können. Zudem ist laut Adams unsicher, ob der Baum an anderer Stelle wieder angewachsen wäre.
Adams spricht von Polemik
Auch ein generelles Umplanen zugunsten des Baumes war nach Ansicht des Baudezernenten nicht möglich. Dort seien wichtige Fahrbahnen (Kreuzungsbereich zwischen der nach Westen abknickenden Bahnhofstraße und dem Abzweig Richtung Park+Ride-Plätze hinter der Bundespolizei) sowie zwingend notwendige Taxistände vorgesehen. Eine Umplanung hätte zu einem Nadelöhr zwischen P+R-Zufahrt und dem ersten nutzbaren Bussteig geführt, wenn dort ein Bus stehe. „Dieses Nadelöhr wäre nicht tolerabel“, meint Adams.
Kimmle wiederum bezeichnet es als „extrem frustrierend, wenn ein von der Stadt beauftragtes Planungsbüro nicht vor Ort geht oder sich aktuelle Luftbildaufnahmen anschaut, um existierende Bäume in ihre Planung mit einzubeziehen, sondern ganz offensichtlich nur aufgrund von Katasterplänen arbeitet“. Sie fordert, es bei künftigen Ausschreibungen allen Planungsbüros zur Auflage zu machen, baumerhaltend zu planen.
Wie gesund war die Eiche?
Die Grünen-Stadträtin verweist auch auf die drei Platanen, die dem Hotelneubau weichen müssen, und kritisiert: „Die Stadtplanung hat die Zeichen der Zeit anscheinend immer noch nicht verstanden. Das ist tief beschämend für Neustadt.“ Adams weist dies als Polemik zurück. Schließlich hätten die Grünen im Stadtrat das Projekt mitgetragen. Außerdem betont er, dass am Bahnhofsvorplatz elf neue Bäume gepflanzt würden.
Uneins sind sich Adams und Kimmle auch beim Zustand der am Mittwoch gefällten Eiche: Kimmle bezeichnet sie als kerngesunden, vitalen Baum. Laut Adams ist die Fachabteilung aber zu dem Ergebnis gekommen, „dass die Vitalität der Eiche als nicht hoch zu bewerten war“. So seien Trockenäste sichtbar gewesen, ein Feinastbereich fehlte. Vermutlich liege das am verdichteten Boden. „Der Baum stand vermutlich auf Bauschutt“, so Adams.