Neustadt Einfach herzerfrischend

Neustadt. „Was der Stroblwirt in Bayern ist, die Institution zum Aufspielen, das ist das Wespennest für die Pfalz“, so begrüßte Rolf Raule, einer der Macher des Wirtshauses Konfetti in Neustadt, die Gruppe „Opas Diandl“ aus Südtirol.

Dem gab die hohe Besucherzahl recht, waren es doch vor allen Dingen Fans, die vor dreieinhalb Jahren schon einmal in den Genuss eines Konzerts gekommen waren, die sich freuten auf: unbändige Spielwut, aber auch auf melodisch-warme Geigentöne (Veronika Egger, auch Viola de Gamba). Einer Ukulele entflossen die Töne gleich Perlen, der dicke Kontrabass hielt den Takt, gespielt von Daniel Faranna, und die Löffel klapperten so fröhlich einher, dass man sich an einem Bächlein, im Hintergrund die Alpen, fühlte. Jan Langer beherrschte die Percussion-Instrumente in einer Weise, dass sie nicht – wie oft üblich – den Hintergrund bildeten, nein, sie behaupteten ihren Platz. Verträumte Zitherklänge eines „Raffeles“ (Markus Prieth, auch an der Mandoline), schnelle Tonabfolgen entführten ins Land von hohen Bergen und klaren Seen. Thomas Lamprecht an den Gitarren eroberte zusammen mit den anderen das akustische Neuland mit unerwarteten Wendungen, die fast alle der Stücke nehmen. Stimmungsvoll, doch nie kitschig! Intensiv, wahrhaftig und authentisch! Einfach herzerfrischend! Kein Wunder, dass die fünf jungen Musiker schon 2011 den Volksmusikpreis erhielten für das fast schon fahrlässig unbefangene Spiel, für das Quetschen der Saiten, das Reiben mit einer Pfeffermühle. „Opas Diandl“ steht für handgemachte progressive Volksmusik, garniert mit den musikalisch-persönlichen Hintergründen jedes Einzelnen – die von Barock bis Punkrock reichen. So arrangieren die Spielleute alte Weisen und Tänze, schreiben Instrumentalstücke und komponieren eigene Jodler. Ja, jodeln konnten sie, und es klang gar nicht volkstümelnd-tumb, sondern eher archaisch, fast gemahnte es an die Gesänge von Mönchen. Augen schließen und sich ganz der begnadeten Musik überlassen, die Beine in die Hand nehmen und tanzen, tanzen, tanzen. Dieser Groove, diese eingängigen Melodien, dieser saubere Gesang – das war schon etwas ganz Besonderes. Da wurde ein Text des frühen Minnesängers Oswald von Wolkenstein im Dialekt gesungen, Reime in Südtiroler Mundart von Luis Stefan Stecher vertont. Man erfuhr, dass der Mensch zu 80 Prozent aus Knödeln besteht, was in einer verjodelten Version des „rings of fire“ endete. Man hörte von den fahrenden Leute aus dem Vinschgau, und wohnte im Liebeslied-Duell zwischen Bayern und Südtirol bei. Wer gewinnt? Na, klar: „Du flachshaariges Dirndl, ich hab dich so lieb, ich könnt weg’n deinem Flachshaar e Spinnradl wern!“ Was ein Werkzeug auch musikalisch hergeben kann, das zeigte eine Säge, das zeigte eine Maultrommel, von Markus Prieth zum Klingen und Singen gebracht. Viele Zugaben zeugten von Energie, Spiel- und Experimentierfreude einer Truppe, die die Speck- und Rotweinidylle der Südtirolwerbung in den Hintergrund drängten.

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