Interview
Axel Roos über die Bedeutung von Sport im Jugendstrafvollzug
Herr Roos, wie lange besuchen Sie bereits die Jugendstrafanstalt Schifferstadt (JSA)?
Das sind mindestens schon fünf, sechs Jahre. In der Regel komme ich zwei- bis dreimal pro Jahr nach Schifferstadt. Aufgrund von Corona war das allerdings zuletzt nicht möglich. Im Frühsommer 2019 war ich das letzte Mal mit Horst Eckel hier. Ich habe ihn damals noch nach Hause gefahren. Ich bin stolz, dass ich ihn jetzt beerben darf.
Die jungen Strafgefangenen sind teilweise nicht mal halb so alt wie Sie. Für meine Generation sind Sie eine Fußball-Legende. Aber ist der Name Axel Roos auch den Jüngeren noch ein Begriff?
Der eine oder andere kennt mich noch. Und dann gibt es Google und andere Informationsquellen. Die Jungs wissen ja Bescheid, dass ich komme und informieren sich vorab.
Mit welchen Fragen werden Sie konfrontiert? Was wollen die jugendlichen Häftlinge von Ihnen in allererster Linie wissen?
Das sind ganz klassische Fragen, beispielsweise wie ich zum Fußball gekommen bin, wie ich Profi wurde, welche Verletzungen ich während meiner Karriere hatte. Dabei kommt man dann immer wieder ins Gespräch – und es ist nicht selten, dass die jungen Strafgefangenen schließlich auch beginnen, von sich selbst zu erzählen.
Wie kam es zu Ihrem Engagement für die Resozialisierungsinitiative „Anstoß für ein neues Leben“ der Sepp-Herberger-Stiftung?
Norbert Thines (
Sie setzen sich ja nicht nur für junge Strafgefangene ein, sondern auch für behinderte Menschen…
Ja, genau. Ich musiziere in einer inklusiven Band mit Namen „Carpe Diem Unerhört“. Gemeinsam proben wir – behinderte und nichtbehinderte Menschen – meist in einer Garage und treten auch vor Publikum auf. Das gibt einem einfach ein gutes Gefühl.
Welche Bedeutung hat aus Ihrer Sicht der Sport, insbesondere der Fußball, für die jungen Menschen hier in der JSA Schifferstadt?
Nirgendwo kann man besser Disziplin lernen, und das ist ganz wichtig für die Resozialisierung. Man muss akzeptieren und damit umgehen, dass andere Fehler machen, aber eben man selbst auch. Es ist normal, dass es immer wieder Rückschläge geben wird, die man dann auch verkraften muss. Nicht aufgeben, sondern aufstehen und weitermachen: Das versuche ich zu vermitteln.
Warum ist es so wichtig, dass schon hinter den Gefängnismauern ein erster Kontakt zu den Sportvereinen „draußen“ aufgebaut wird?
Leider ist es so, dass mitunter bis zu 70 Prozent der jungen Strafgefangenen wieder rückfällig werden. Und hier ist es wichtig, dass jemand da ist, der sie auffängt, wenn sie draußen sind. Das kann durchaus der Sportverein sein. Hier in der Jugendstrafanstalt Schifferstadt gibt es ja Turniere mit Mannschaften, die von außerhalb kommen. Über diese Schiene können erste Kontakte zu Vereinen geknüpft werden.
Was geben Sie den jungen Menschen, die offensichtlich irgendwann einmal falsch abgebogen sind, mit auf den Weg?
Dass es ein mitunter beschwerlicher Weg ist, ein normales Leben ohne Kriminalität zu führen, den es aber unbedingt lohnt zu gehen. Mit Ehrgeiz und Willen lässt sich viel erreichen – im Fußball wie auch im richtigen Leben.
Interview: Saskia Helfenfinger-Jeck
Zur Person: Axel Roos
Axel Roos bestritt 387 Spiele für den 1. FC Kaiserslautern, gewann zwei deutsche Meistertitel, holte zwei DFB-Pokalsiege, einen Supercup-Sieg, bestritt 19 Uefa-Cup- und Champions-League-Spiele. Nach seiner aktiven Karriere war der heute 57-Jährige zunächst als Sportlicher Leiter und dann als Trainer beim FK Pirmasens tätig, ehe er neben Cheftrainer und FCK-Legende Hans-Peter Briegel Assistenztrainer der Fußballnationalmannschaften von Albanien und Bahrain wurde. Roos hat die DFB-Fußballlehrer-Lizenz (Uefa Pro Licence), führt die Axel-Roos-Fußballschule in Kaiserslautern, ist verheiratet, hat zwei Söhne und lebt in Otterberg.