Neustadt
„Abitour“ fällt diesmal etwas kürzer aus
Das Gymnasium hat einen weiten Einzugsbereich, viele Schüler reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Auch der 21-jährige Aman Jemane aus Ellerstadt fuhr zunächst mit dem Bus nach Wachenheim und stieg danach in den Zug. Durch die gute Lage des Gymnasiums am Haltepunkt Böbig „war das aber alles kein Problem“.
Vielleicht liegt es auch daran, dass Jemane in seinem Leben schon weitaus länger unterwegs war. Er ist 2014 aus Eritrea geflüchtet und kam 2015 als 15-Jähriger in München an. Dort lebte er zunächst in einem Kinderheim: „Das hat mir geholfen, schnell Deutsch zu lernen.“ Nach mehreren Umzügen landete er schließlich in der Pfalz. Seine Mutter und seine vier Geschwister kamen nach, mit ihnen lebt er jetzt in Ellerstadt.
Heute alles normal
Seinen Realschulabschluss erwarb Jemane an der Integrierten Gesamtschule in Deidesheim. „Den habe ich nur ,knapp’ mit 3,0 bestanden. In Mathe war ich zwar gut, aber mein Deutsch war schlecht“, ärgert er sich noch heute. Doch mittlerweile spricht er akzentfrei. Vieles habe er durch Videos gelernt, sein Freundeskreis bestehe aus Deutschen, er habe sich ja integrieren müssen: „Mittlerweile kommt es mir so vor, als sei ich hier geboren. Auch die Dinge, die mir vorher seltsam erschienen, sind jetzt normal geworden.“
Seit einem Monat arbeitet Jemane als Versandmitarbeiter bei Amazon, um Geld für das Studium zu verdienen. Sein Ziel ist es, Wirtschaftsingenieur werden. Auch wenn er mit seinem Abi-Notenschnitt mit 2,7 nicht ganz zufrieden ist: „Es ist nicht das beste Abitur, aber ich bin auch sehr stolz, es geschafft zu haben.“ Zum Ausgleich für Arbeit und Lernen macht er viel Sport.
Eine von neun
Nur neun junge Frauen sind unter den Absolventen. Die 19-jährige Philine Hofrichter ist eine davon. Sie wohnt in Ruppertsberg und berichtet von dem Abimotto der Stufe, das jetzt durch Corona wohl nicht so leicht zu verwirklichen ist. „Abitour von der Pfalz in die Welt“ – unter diesem Motto planten die Schüler ihren Abschied, der jetzt als Feier im „Grünen Klassenzimmer“ abgespeckt über die Bühne ging. „Viele wollten danach verreisen, etwa nach Australien. Ich selbst wollte mehrere Monate nach Italien“, erzählt Philine. „Jetzt gibt es nur kurze Ferien auf Elba, danach möchte ich Architektur studieren.“
Bis zur Mittleren Reife hatte die junge Frau die Maria-Ward-Schule in Landau besucht. „Eine reine Mädchenschule, daher wollte ich in eine andere Oberstufe. Außerdem war an der BBS als zweite Fremdsprache Spanisch im Angebot.“ Der Übergang sei leicht gewesen, auch wenn sich die Mitschüler noch nicht gekannt hatten. Die elfte Klasse wurde im Klassenverband unterrichtet, erst ab Stufe zwölf folgte der Unterricht in Kursen. „Gut war auch, dass ich mit einer Klassenkameradin aus der alten Schule an die BBS kam und wir gleich zu Anfang eine mehrtägige Kursfahrt hatten“, erzählt Hofrichter.
Schüler und Lehrer zufrieden
Einzig ein größeres Angebot von Arbeitsgemeinschaften habe ihr gefehlt. Aber die Entscheidung für das Technische Gymnasium sei richtig gewesen. Auch den Corona-Lockdown habe ihre Schule gut gemanagt: „Zunächst hatte ich richtige Angst, weil der Lockdown ja in unsere Wiederholungsphase hinein gebrochen ist. Aber wir konnten vieles online klären, die Lehrer waren per Mail immer zu erreichen.“
Oberstufenleiter Axel Erbach gibt das Lob an seine Schüler zurück: „Sie waren gerade in der Corona-Zeit sehr engagiert, nahmen auch die Unterrichtseinheiten an eigentlich schulfreien Brückentagen oder Samstagen wahr. Sie waren zum unkonventionellen Unterricht bereit.“ Ein großer Teil der Stufe hat allerdings die Schule bereits nach der zwölften Klasse mit dem schulischen Teil der Fachhochschulreife verlassen. Das sei ein neuer Trend, beobachtet Erbach. Denn auch diese Schüler müssten noch ein praktisches Jahr dranhängen, könnten dann aber nur auf eine Fachhochschule gehen und hätten nicht das „volle“ Abitur und damit die freie Wahl bei einer Hochschule.
Nicht alles möglich
Zusammen mit seiner Kollegin Annett Steiner ist Erbach immer für die Schüler ansprechbar gewesen: „Sie kamen mit allen Problemen zu uns, auch bei familiären oder privaten Schwierigkeiten.“ Zum Problem der Arbeitsgemeinschaften sagt er: „Wir haben an der BBS keine speziellen AG-Stunden wie andere Schulformen. Die AG finden immer in der Zeit statt, in der kein planmäßiger Unterricht liegt, das ist wegen der Stundenpläne mit den Kursen im Technischen Gymnasium sehr begrenzt. Die Lehrer betreuen diese Stunden außerdem in ihrer Freizeit.“
Geehrt wurden:
Preis des Bildungsministeriums: Rodrigo Joao Baptista Oliveira; Französisch: Moritz Glaser, Chemie: Philine Hofrichter, Noah Albert, Anne Wosien; Informatik: Dominik Weber, Jonas Ullrich; Bautechnik: Erik Polen; Gestaltungsmedientechnik: Dominik Weber.