Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Zwei Überfälle auf Wettbüros: Verdächtiger nur einmal freundlich

Für den Prozess sind bis Ende Februar drei weitere Verhandlungstage geplant.
Für den Prozess sind bis Ende Februar drei weitere Verhandlungstage geplant.

„Ich weiß auch nicht, was in dieser Zeit mit mir los war“, sagte ein 21-Jähriger am Mittwoch vor dem Landgericht. Er soll im Juli innerhalb von vier Tagen zwei Wettbüros überfallen und dabei 1200 Euro erbeutet haben.

„Ich war einfach in einer Ausnahmesituation“, meinte der geständige junge Mann. Seit März war der gelernte Lagerist arbeitslos. Zahlungen vom Amt habe er bis Sommer auf Grund von Verzögerungen nicht erhalten. Daher finanzierte er Miete und seinen Drogenkonsum durch einen Kredit. Sein Ehemann sitze aktuell eine Strafe in der Justizvollzugsanstalt ab, und neben den finanziellen Sorgen sei er einfach damit überfordert gewesen, zum einen die Wohnung der verstorbenen Großmutter auszuräumen und die pflegebedürftige Schwiegermutter zu unterstützen. „Mir wurde einfach alles zu viel.“

Auf der Suche nach „schnellem Geld“ habe er deshalb den Entschluss für die Überfälle gefasst. „Ein Freund hat mir erzählt, dass er dort 500 Euro gewonnen hat. Daran habe ich mich wohl erinnert.“ In Betracht seien dabei für den Neckarstädter nur die beiden Niederlassungen eines großen Anbieters in den Stadtteilen Waldhof und Schönau gekommen. „Die kannte ich beide vom Vorbeifahren.“ Einen Fuß habe er hingegen zuvor noch nie in eines der Wettbüros gesetzt.

So ging der Mann vor

Das Vorgehen sei dabei in beiden Fällen ähnlich gewesen. Mit der Straßenbahn sei er aus der Neckarstadt zu den auserkorenen Zielen gefahren. Dort habe er, maskiert mit medizinischer Maske und einer verspiegelten Sonnenbrille, unter Vorhalten einer Gaspistole von den Angestellten Geld gefordert und war dabei nach seinen eigenen Ausführungen überaus höflich: „Die Dame auf dem Waldhof war gerade im Pausenraum und hat eine Zigarette geraucht. Die habe ich noch zu Ende rauchen lassen.“ Dann aber habe er Geld gefordert. „Ich habe gesagt, dass sie sich auch zehn Euro für einen Kaffee nehmen soll. Fast 800 Euro habe er dabei um die Mittagszeit des 8. Juli erbeutet. „Für vielleicht 100 Euro habe ich Lebensmittel gekauft, für den Rest Drogen“, erzählte der Angeklagte.

Deshalb sei der Vorrat auch vier Tage später schon erschöpft gewesen und der 21-Jährige zog erneut los. Dieses Mal in den Stadtteil Schönau, wo er schon ein wenig unhöflicher war, die Angestellte nach dem Überfall auf der Toilette einschloss und im Anschluss Pfefferspray in den Geschäftsräumen versprühte. „Das habe ich immer dabei.“ Warum er es aber eingesetzt habe, wusste er nicht mehr zu sagen.

War die Waffe geladen?

Nur in einem nicht unwichtigen Punkt wichen die Schilderungen des jungen Mannes von den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft ab: „Die Waffe war zu keinem Zeitpunkt geladen“, versicherte er. Die Staatsanwaltschaft geht hingegen davon aus, dass bei beiden Überfällen eine geladene Waffe zum Einsatz gekommen war. Fest steht aber: „Das war sicher die größte Dummheit meines Lebens“, so der junge Mann, der seinen Schuldenstand aktuell auf „rund 7000 Euro, Tendenz weiter ansteigend“ bezifferte. Und trotzdem sieht er die aktuelle Untersuchungshaft als Chance: „Ich will dort wenigstens von den Drogen loskommen.“

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