Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Preis für Schülerkampagne: „Die Politiker wurden gegrillt“

Schülerin Theresa Reindl verrät, wie ihr politisches Interesse geweckt wurde.
Schülerin Theresa Reindl verrät, wie ihr politisches Interesse geweckt wurde.

Die Bürger haben ihren Beitrag geleistet, jetzt sind die Parteien gefragt, eine Regierung zu bilden. Eine Schülerinitiative hat sich im Vorfeld des Urnengangs mit einer besonderen Kampagne für die Demokratie engagiert. Dafür gab es einen Preis.

Ein Geißbock auf einem Wal, versehen mit dem Wortspiel „Bock auf Wahl“ und Slogans wie „Sunday For Future“ oder „Zutritt ab 18“: Die bunten Plakate waren in Mannheim vor der Bundestagswahl kaum zu übersehen. Die Schüler-Kampagne „Bock auf Wahl“ wollte damit junge Menschen zum Urnengang motivieren. Nun geriet die Initiative bei einer Preisverleihung selbst in die engere Auswahl – und wurde mit dem Mannheimer Demokratiepreis ausgezeichnet.

Das Kooperationsprojekt der Carl-Benz-Schule, des Stadtjugendrings und des Johann-Sebastian-Bach-Gymnasiums möchte mit der Kampagne jungen Menschen Spaß an Politik vermitteln und nachhaltig für politische Teilhabe begeistern. Mit selbst gestalteten Plakaten, einer U18-Wahl oder Debatten mit Parteivorständen. Schülerin Theresa Reindl saß 2016 selbst im Veranstaltungshaus Capitol, als ihre älteren Mitschüler sie bei einer Diskussion mit Landtagsabgeordneten beeindruckten. „Das hat mein politisches Interesse geweckt“, verrät die Gymnasiastin. Fünf Jahre später führt sie als Elftklässlerin selbst Interviews mit Mannheimer Bundestagskandidaten.

Weitere Preisträger

„Die Politiker wurden gegrillt“, sagt Fachlehrer Martin Keller über die Erklärvideos zur Bundestagswahl, die Erstwähler dazu animieren sollte, von ihrem demokratischen Recht Gebrauch zu machen. „Zur Wahl gehen zu können, ist ein einfaches, aber vielleicht auch das stärkste Prinzip der Demokratie – und in vielen Teilen der Welt nicht selbstverständlich“, sagt Zahra Alibabanezhad Salem, die Vorsitzende des Migrationsbeirats bei ihrer Laudatio in der jüdischen Gemeinde.

Genau aus diesem Grund, um die meist im Verborgenen agierenden Vorbilder des alltäglichen Lebens sichtbar werden zu lassen, wurde der Demokratiepreis initiiert. Einmal im Jahr sollen die Symbolträger von gelebten Werten wie Respekt, Toleranz, Mut oder Solidarität mit einer Auszeichnung ins Rampenlicht gerückt werden. So wie der junge Musiker Rouven Gruber, der sich seit seinem 14. Lebensjahr aktiv für Kinder und Jugendliche in Notlagen einsetzt. Mit Spendenkonzerten für die Kinderkrebsstation oder einer Unterstützung der kostenlosen Essensausgabe für Straßenkinder am Alten Messplatz.

Warnung vor Antisemitismus

Dass die zweite Auflage der 2020 ins Leben gerufenen Demokratie-Würdigung im Samuel-Adler-Saal der jüdischen Gemeinde abgehalten wird, ist kein Zufall. Der Anschlag auf die Synagoge in Halle, ein weiterer Verdachtsfall in Hagen, antisemitische Äußerungen und Hasskommentare in den sozialen Medien sind ein trauriger Beleg: „Wir leben in einer Zeit, in der Antisemitismus wieder präsenter wird. Aber Demokratie ist mehr als eine Abstimmung und ein Ringen um Mehrheiten. Es ist eine Haltung gegen Hass, Diskriminierung und Ausgrenzung“, sagt Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD).

Eine Kultur des Erinnerns an die grausamen Verbrechen der Nationalsozialisten hält der KZ-Gedenkstätten-Verein in Sandhofen seit 30 Jahren aufrecht. Nicht nur Erwachsene und ältere Schüler bekommen dort einen Einblick in das Hungerlager für polnische Häftlinge im Jahre 1944. Mit dem Schul-AG-Projekt „Was hat ein Kaninchen mit unserer Geschichte zu tun?“ wird die NS-Zeit altersgerecht für Sechs- bis Zehnjährige behandelt. Nicht die Vermittlung von Faktenwissen, sondern ein sensibles Lernen, dass um Schwerpunkte wie Ausgrenzung, Verfolgung und Menschenrechte kreist, ist das pädagogische Ziel. Ein Engagement des Vereins, der nun mit dem zweiten Platz des Demokratiepreises gewürdigt wurde.

Ein Sonderpreis für besondere sprachliche Leistungen wird jedes Jahr vom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache verliehen: „An deiner Stelle“ lautet der Filmtitel, der der Diversitätsbeauftragten Heidrun Deborah Kämper am meisten imponierte. Die Jugendgruppe des Interkulturellen Hauses setzte eine Klasse mit hell- und dunkelhäutigen Schülern in Szene und ließ Alltagsrassismus sichtbar werden. In einer Traumsequenz vertauschen sich die Rollen, erfährt eine weiße Schülern, die gerne mal austeilt, wie sich Mobbing und Fremdenfeindlichkeit anfühlen.

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