Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Zwei Säcke Marihuana: 23-Jähriger zu mehrjähriger Haft verurteilt

Der jetzt Verurteilte war einer zivilen Polizeistreife am Rheinufer aufgefallen.
Der jetzt Verurteilte war einer zivilen Polizeistreife am Rheinufer aufgefallen.

Was mit Marihuana-Geruch am Rheinufer begonnen hatte, endete am Montag vor dem Landgericht Frankenthal mit einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten wegen des bewaffneten Handels mit Betäubungsmitteln. Verurteilt wurde ein 23-Jähriger, der zuletzt in Ludwigshafen wohnte.

Im Juni war der junge Mann einer Zivilstreife am Rheinufer aufgefallen. „Der Geruch nach Marihuana war markant“, erinnerte sich einer der beiden Polizeibeamten. Der anschließenden Kontrolle habe sich der 23-Jährige zunächst widersetzt, sodass die Beamten ihn mit „kontrollierter Gewalt“ zu Boden brachten und fesselten. Weil er sich lediglich durch einen Führerschein als albanischer Staatsbürger ausweisen konnte, zogen die beiden Polizeibeamten die Ermittlungsgruppe Südosteuropa hinzu, die gezielt gegen unberechtigten Aufenthalt in der Bundesrepublik vorgeht.

Gemeinsam war man daher zur Wohnung der Verlobten des Mannes in Oppau gefahren, wo der Reisepass des 23-Jährigen lagern sollte. Weil die Beamten bei der Suche nach dem Ausweisdokument auch kleine Mengen an Drogen entdeckt hatten, beantragten sie einen amtlichen Durchsuchungsbefehl und wurden fündig.

Drogen im Schlafzimmer

„Ich habe im Schlafzimmer zwei Säcke mit Marihuana gefunden“, erinnerte sich der Streifenbeamte, der auch für die Durchsuchung herangezogen worden war. Rund sechs Kilogramm Marihuana lagerten demzufolge in einem Schrank und seien für die Weiterveräußerung gedacht gewesen. Pro Kilogramm hatte sich der 23-Jährige einen Erlös von rund 2000 Euro erhofft.

Weil bei der Durchsuchung auch ein gefährliches Klappmesser und ein nicht genehmigter Teleskop-Schlagstock gefunden wurden, ging die Staatsanwaltschaft vom schwerwiegenden Vorwurf des „bewaffneten Handeltreibens“ aus. Ein Tatvorwurf, der eine Mindeststrafe von fünf Jahren vorsieht. Entsprechend plädierte die Vertreterin des Staates auch auf eine Haftstrafe von fünf Jahren und drei Monaten. Schließlich könne man schon allein aufgrund der Menge der gefundenen Drogen nicht von einem minderschweren Fall ausgehen, bei dem sich die Haftdauer entsprechend verkürzen würde.

An genau dieser Einschätzung war ein vorhergehendes Rechtsgespräch aller Parteien gescheitert, denn sowohl der Vorsitzende Richter Carsten Sauermilch als auch die Verteidigung waren genau von dieser strafmildernden Einschätzung des umfassend geständigen Mannes ausgegangen.

„Die laut Gesetz zulässige ,Mindermenge’ wurde um das Hundertfache überstiegen“, räumte zwar auch die Verteidigung ein, setzte die gefundenen sechs Kilogramm jedoch ins Verhältnis zu den aktuell im Umlauf befindlichen Mengen und Prozessen gegen organisierte Kriminalität, bei denen das Gewicht in Tonnen angegeben wird, „und für die dieser Paragraf ursprünglich einmal gedacht war“. Verteidigerin Brigitte Bertsch hielt daher eine Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten für angemessen.

Geständnis beeinflusst Urteil

Die Richter gingen in ihrem Urteil von drei Jahren und drei Monaten ein halbes Jahr darüber hinaus. „Ohne das Geständnis wäre es mindestens ein Jahr mehr gewesen“, hob Richter Sauermilch in seiner Urteilsbegründung die Bedeutung der Erklärung hervor, die der Angeklagte gleich zu Prozessbeginn über seine Anwältin verlesen ließ. Immerhin wurden den Prozessbeteiligten so zwei weitere Verhandlungstage erspart, der Mann sei zuvor noch nie straffällig geworden, und beim aufgefundenen Marihuana handele es sich um eine sogenannte „weiche Droge“, die zudem gar nicht erst in Umlauf gelangt sei, zählte Sauermilch weitere Pluspunkte für den 23-Jährigen hervor.

„Jeder bekommt hier eine Chance. Aber wir bekommen ein Problem, wenn wir uns hier ein zweites Mal sehen“, sagte der Richter zum Abschluss an den 23-Jährigen gewandt.

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