Adventskalender
Von Mäusen in Geschenkkartons und fragwürdigen Treppen
Das Rathaus-Center – es begleitete den Ur-Ludwigshafener Werner Appel in vielerlei Hinsicht. Der 56-Jährige war nicht erst seit Antritt seines Arbeitsplatzes im Rathaus-Center Dauergast in dem markanten Gebäude. „Mich hat man häufig bei der Phora-Filiale im Center angetroffen“, sagt er und lacht. Wer in Ludwigshafen auf der Suche nach einer bestimmten Schallplatte war oder Kassetten kaufen wollte, der ging seinerzeit zu Phora oder Schallplatten Hambel in der Ludwigstraße 12. Die älteren RHEINPFALZ-Leser werden sich erinnern. „Genesis, Frank Zappa, Pink Floyd und Jethro Tull“, antwortet Appel auf die Frage, nach was er denn bevorzugt dort gesucht habe.
Als stellvertretender Leiter des Bereichs Stadtentwicklung arbeitete Appel lange Jahre im Rathaus-Center. Mittlerweile ist er ins Gebäude gegenüber umgezogen, kann zukünftig von dort 1:1 den Abriss des Ludwigshafener Wahrzeichens tagtäglich verfolgen, falls ihn das coronabedingte mobile Arbeiten nicht daran hindert. Die Wahlpartys in der Mall – ganz besonders jene im Jahr 1999 – haben sich in sein Gedächtnis eingebrannt. Als junger Mitarbeiter wurde er „ausgewählt“ und durfte dem damaligen Oberbürgermeister Wolfgang Schulte das schlechteste Ergebnis der SPD in Ludwigshafen seit 1945 überbringen – was der OB aber ganz fair entgegengenommen habe, erklärt der Diplom-Geograph augenzwinkernd. Geschmeckt haben wird Schulte das Ergebnis allerdings nicht.
Mäuse im Geschenkkarton
Über die Mäuse im dritten Stock des Rathausturms hatten wir am 14. Dezember bereits berichtet. Appel hat hierzu eine amüsante Ergänzung. „Mir ist seinerzeit als junger Mitarbeiter noch eine Schlussepisode zu den Mäusen zu Ohren gekommen, allerdings kann ich nicht mehr genau sagen, von wem die Erzählung stammt, aber ihr Kern soll wahr sein“, berichtet er schmunzelnd. Den Mäusen sollte es bekanntlich mithilfe von Ködern an den Kragen gehen. „Die erste tote Maus hat jemand aus dem dritten Stockwerk in einen kleinen Karton verpackt“, schildert der Friesenheimer. So weit, so gut. Den Karton habe man anschließend mit Geschenkpapier und Schleifchen versehen und dem damaligen Baudezernenten als „Geschenk“ vor die Tür gelegt. „Was danach geschah, ist mir nicht erzählt worden oder ich habe es vergessen“, meint Appel und lacht.
14 Kilometer Akten
Ein ums andere Mal brachte ihn das Rathaus-Center aber auch ins Grübeln. Die drei Treppenstufen, die nach der Rolltreppe zum Bahnsteig führten und dafür sorgten, dass es für Rollstuhlfahrer und Personen mit einem Kinderwagen oder Rollator nahezu unmöglich war, an der Haltestelle Rathaus-Center einzusteigen, die nach Auskunft von Appel ursprünglich mal „Turmstation“ hieß – was hatte es damit auf sich? Die Frage trieb den 56-Jährigen lange um, ehe ein Arbeitskollege vor Jahren die Antwort lieferte. Weil die Straßenbahnhaltestelle ursprünglich als U-Bahn-Station geplant war und die U-Bahn einen höheren Unterbau als die Tram hat, musste der Bahnsteig nach dem Aufgeben der U-Bahn-Pläne abgesenkt werden, was die drei Treppenstufen nachträglich nötig machte. Das weiße U auf blauem Untergrund an der Hausfassade erinnert bis heute an die früheren Planungen.
Wenn es rumpelte und ein dumpfer Ton zu hören war, ja, dann war der DB-Regionalzug wieder unterirdisch vom Hauptbahnhof unterm Rathaus-Center hindurch bis zur BASF oder retour unterwegs. Appel hat ihn öfters in der Mall gehört. Seit der Elektrifizierung 2018 wurde es allerdings deutlich leiser. Überhaupt hat es ihm der Untergrund angetan. Besonders der Keller unterm Rathaus übt mit seinen vielen Gängen und Zwischentüren eine große Faszination auf ihn aus. „14 Kilometer Akten sind dort gelagert“, verrät er. Ober- und unterirdisch war das Rathaus-Center immer für eine Überraschung gut.