Mannheim
Thomas Ganters Werkschau in der Galerie Zimmermann
„Man with a Plaid Blanket“ (Mann mit karierter Decke) war das Preisbild beim BP Portait Award, das sich heute im Historischen Museum Frankfurt befindet. Dargestellt ist der auf einem Stuhl sitzende Frankfurter Obdachlose Karel. Bemerkenswert ist nicht nur die respektvolle Darstellung des Mannes, sondern der von mittelalterlichen Heiligenbildern bekannte Goldgrund, auf dem er gemalt wurde. Die Art der Darstellung erinnert zudem an Rembrandt, der malend aus Bettlern Könige und Propheten machte. Mehr oder weniger deutliche Rückbesinnungen auf die Kunstgeschichte sind typisch für den 1974 in Limburg an der Lahn geborenen Frankfurter, der erst nach einem Studium des Grafikdesigns und Arbeit als Illustrator für eine Agentur in die freie Malerei wechselte. Das Handwerk dazu hatte er sich selbst erarbeitet.
Ganter ist ein penibler Maler. Gemalt wird auf Holz, meist mit Ölfarben aber auch in Mischtechnik mit Tusche, Acryl und Öl auf Leinwand in vielen Schichten und nach langer Vorbereitung. Spontaneität scheint ausgeschlossen, nicht nur die auf kostbar wirkenden monochromen Bildgründen exponierten Motive stehen dafür. Sie verleihen der Malerei trotz der strategisch eingesetzten Mischungen aus Malerei und Zeichnung und des meisterhaft beherrschten non finito etwas Definitives und damit im Kontext der aktuellen Kunst bewusst Randständiges. Porträts sind nur im Kleinformat als anonymisierte zu sehen: „Junge mit Stofftier“, „Frau mit schwarzen Locken“, „Lesende Frau“, alle auf 2019 datiert.
Kompliziert ineinander verknäueltes Paar
Die als „Werkschau“ angekündigte Auswahl in der Galerie Zimmermann umfasst Arbeiten aus den vergangenen fünf Jahren: Darunter Miniaturen ebenfalls von 2019, auf denen Sonnenblume, Distel und Ahornblatt solistische Auftritte haben, Apfelstillleben von altniederländischem Charme (2021) und von 2023 ein „Selbst“, Tusche auf Holz, weiß gehöht, das die Pose von Rodins „Denker“ im kleinen Format rekapituliert. Die spektakulärsten Ausstellungsstücke sind ein auf einem Stuhl sitzendes, kompliziert ineinander verknäueltes Paar („Umarmung“, 2023), die wie flüchtig skizzierte Raumsituation erinnert etwas überraschend an den einstigen französischen Star- und Modemaler Bernard Buffet.
Scheinbarer Tumult
Mit der höchste Ansprüche stellenden „Hommage à Rembrandt“ aus diesem Jahr endet die Ausstellung. Thomas Ganter wohnt in Frankfurt-Sachsenhausen und da hat er es nicht weit bis zum Städel. Dort hängt mit Rembrandts monumentaler „Blendung des Simsons“ das Referenzbild, das Ganter auf kommoden 90 auf 70 Zentimetern reflektiert, paraphrasiert und ins Eigene umdeutet in einem scheinbaren Tumult von einem hellen Zentrum zustrebenden dunkeltoniger Farbigkeit, aus denen sich allmählich Figuren und die brutale Aktion hervorschälen. Tollkühn oder selbstbewusst? Was hier vor allem frappiert, ist die Eigenständigkeit eines Malers, der sich an der feinen Verwandtschaft abarbeitet, ohne ins Banale auszuglitschen. Kunst kommt bekanntlich von Kunst und muss nicht in jeden Fall den großen Lärm auf der Gasse machen. Thomas Ganter, soviel ist auch wahr, bedient als Maler eine Nische. Dass sie eine durchaus komfortable ist, darf angenommen werden.
Termin
Werke von Thomas Ganter in der Mannheimer Galerie Peter Zimmermann, Leibnizstraße 20 sind zu sehen bis 9. März, Donnerstag und Freitag, 13 bis 18 Uhr, Samstag 11 bis 14 Uhr.