Ludwigshafen
„Tag der Logistik“ ermöglicht ungewöhnliche Einblicke: Warum Contargo aufs Schiff setzt
Zu einer Besichtigungstour am „Tag der Logistik“ hat das Logistikunternehmen Contargo am Donnerstag Besucher ins Terminal im Mundenheimer Kaiserwörthhafen eingeladen. Das Terminal ermöglicht den Umschlag und die nahtlose Transportkette von Containern zwischen Rheinschiffen, Güterzügen und Lastkraftwagen. Trimodal ist der Fachbegriff für solche Umschlagplätze. Der Standort Ludwigshafen ist Teil eines Netzwerks von 24 Containerterminals in sechs Ländern.
Auf einer 80.000 Quadratmeter großen, asphaltierten Fläche lagern aktuell um die 1400 Stahlcontainer, die auf ihren Weitertransport warten, heißt es. Um Platz zu sparen, sind überall mehrere Container zu haushohen Türmen übereinander gestapelt. Wie riesige Spinnen wirken die drei Portalkräne auf Schienen, die mit ihren hohen Beinen auch über hohe Containerstapel hinwegfahren können. Mit einer Tragkraft von über 50 Tonnen haben die Kräne keine Mühe, die angelieferten Stahlkisten hochzuheben und auf die im Hafenbecken wartenden Frachtschiffe zu verladen oder von Schiffen zu heben.
Riesige Kräne heben Kisten wie Legosteine um
„Das Terminal hier in Ludwigshafen bildet gemeinsam mit dem Terminal in Mannheim den Standort Contargo Rhein-Neckar“, erläutert Terminal-Manager Thomas Weppler bei der Begrüßung. Bei einer Präsentation am Großbildschirm im Hauptgebäude sprudeln die Zahlen und Fakten aus ihm heraus.
Mit seinen 24 Container-Terminals in sechs Ländern und 1280 Beschäftigten gehöre Contargo zu den Großen der Branche. In Ludwigshafen sind laut Weppler 120 bis 130 Mitarbeiter beschäftigt, Tendenz steigend. Der wichtigste Verkehrsträger für Contargo sei mit 66 Prozent das Binnenschiff. Der Anteil der Züge liege bei 26 Prozent, der von Lastwagen bei acht Prozent.
Mit nur einem Schiff könnten 180 Lkw-Ladungen und 300 bis 400 Container transportiert werden, sagt Weppler. Wobei er statt von Containern lieber von „TEU“ spricht. Die englische Abkürzung für „Twenty Feet Equivalent Unit“ meint den rund sechs Meter langen Standardcontainer. Sie sind die Maßeinheit für den Umschlag in Häfen geworden. Doch auch 40-Fuß-Container und andere Formate sind gängig.
Drei Elektrolastwagen im Einsatz
Das Schiff sei die preisgünstigste und nachhaltigste Art des Transports, betont Weppler und verweist auf das Ziel von Contargo, bis 2045 im Betrieb komplett CO2-neutral zu sein. Am Terminal Ludwigshafen seien schon drei Elektrolastwagen im Einsatz. Auch die Hauptverwaltung des Standorts Rhein-Neckar mit dem Schwerpunkt auf Binnenschifffahrt, vor allem zu den Seehäfen Antwerpen und Rotterdam, sei in Ludwigshafen ansässig.
„Wir haben hier in Ludwigshafen alles vor Ort“, sagt er. Vom großen Depot für lagernde Container, dem Service für Kühl-Container und Gefahrgut für chemische Produkte bis hin zur Behälter-Reinigung und Container-Reparaturwerkstatt. Transportiert werde von Contargo alles, von der Tiefkühlpizza über Metallschrott bis hin zu Chemikalien.
Dass sich die Flaute für Wirtschaft und Transportgeschäft – ausgehend von Corona, dem Ukraine-Krieg und den Unruhen am Persischen Golf – auch auf den Contargo-Standort Ludwigshafen auswirkt, räumt Weppler offen ein. So sei die Lagerfläche für Container derzeit nur zu 50 Prozent ausgelastet. Um unabhängiger auf Ereignisse reagieren zu können, werde die eigene Contargo-Flotte von Schiffen und Lkw weiter ausgebaut, teilt er mit. „Wir wollen unser eigenes Netzwerk stärken“, nennt er die Strategie. Auch bei Niedrigwasser im Rhein sollen damit künftig bessere Lösungen gefunden werden.