Mannheim
Störche in Gefahr: Plastik kann den Tod bringen
Plastikmüll ist ein zunehmendes Problem für die Vogel- beziehungsweise gesamte Tierwelt, auch in Mannheim. Darauf haben die Surfrider Baden-Pfalz, die ansonsten eher für ihre Müllsammel-Tage bekannt sind, vor wenigen Tagen mit ihrer „Rettet die Störche“ betitelten Aktion aufmerksam gemacht. In 17 Mannheimer Stadtteilen hat die Organisation dafür 17 Holzstörche aufgestellt – mit einem QR-Code darauf, der zu weiteren Informationen zur Müll-Problematik und der Aktion leitet.
Wissenschaftlich unterstützt wurden die Surfrider von der Diplom-Biologin und Stadtpark-Umweltpädagogin Ursula Jünger. Sie betreut die Storchenkolonien in Mannheim und hatte jede Menge ekliger Fundstücke mit im Gepäck, die in und unter Mannheimer Storchennestern entdeckt wurden. „Wir wissen nicht, ob das aus illegaler Müllentsorgung stammt oder einfach das Ergebnis achtlosen Verhaltens ist“, sagt sie und blickt auf einen unappetitlichen Haufen von Gummi- und Silikonteilchen. Offensichtlich verwechseln die Störche sie mit Würmern oder anderer Nahrung, fressen sie und würgen das Unverdauliche als Gewölle aus oder verfüttern es an ihren Nachwuchs. Mit fatalen Folgen, so Jünger. „Der Müll kann sich im Darm zu einem Ball verklumpen. Es geht nichts mehr rein und nichts mehr raus, und die Tiere verhungern sozusagen bei vollem Magen.“
2022 besonders schlimm
Besonders vergangenes Jahr, so die Biologin weiter, habe man vermehrt Müllreste unter den Mannheimer Storchennestern, aber auch in ganz Deutschland, gefunden. Unter den Fundstücken in der Quadratestadt befanden sich zudem viele weiße, weiche Silikonteile. „Wir konnten bis jetzt noch nicht herausfinden, was das ist und woher die Teile stammen“, sagte Ursula Jünger. Eher bekannt ist: Die Störche suchen meist in einem Umkreis von zehn bis 20 Kilometern um Mannheim herum nach Nahrung. Warum gerade 2022 so viel Müll in und unter den Storchennestern gefunden wurde, ist noch nicht ganz geklärt. „Es wird vermutet, dass das mit der geringeren Regenmenge zu tun hat. Dadurch finden die Störche weniger Würmer und verwechseln diese mit weichen Silikon- und Gummiteilen“, so Jünger.
„Da Störche auch Nahrung an Uferrändern suchen, hat sich schnell ein Berührungspunkt zwischen den Surfridern und den Beobachtungen von Ursula Jünger ergeben“, erklärt Uwe Franken von den Surfridern Baden-Pfalz. Die Surfrider machten sich morgens um 5 Uhr auf den Weg, um die Holzfiguren an markanten und gut besuchten Stellen zu platzieren. Die Holzstörche, betont Franken, seien nachhaltig hergestellt. Das Holz, aus dem sie gemacht sind, war eine Spende des Nationaltheaters. Ein Schreiner hat aus alten Bühnenbildern Storchensilhouetten gesägt, die Surfrider haben diese angemalt und mit Stickern versehen. Sie standen bis am Abend – nun sollen sie als mahnendes Symbol beispielsweise in nachhaltigen Läden aufgestellt werden.
„Für mich sind die Störche ein Indiz, wie es unserer Umwelt geht“, sagt Ursula Jünger. Haargummis, Haushaltshandschuhe, sogar Haarbürsten und Teile von Plastikplanen, zählt sie weiter auf, gehörten ebenfalls zu den todbringenden Fundstücken in Storchennestern. Als Nistmaterial verwendet, bieten sie bei Regen oder feuchtem Wetter keinen wärmenden Schutz, sondern sorgen unter Umständen sogar dafür, dass die Storchenjungen auskühlen und verenden. Jünger befürchtet, dass sich das Müllproblem noch deutlich verschlimmern wird, da Plastik sehr lange braucht, bis es verrottet.
Noch Fragen?
Die Surfrider Foundation ist nach eigenen Angaben eine weltweit aktive, gemeinnützige Organisation, die sich dem Schutz von Seen, Flüssen, Ozeanen, Wellen und Küsten verschrieben hat. Das nächste „Cleanup“ der Surfrider Baden-Pfalz findet am Samstag, 25. März, ab 14 Uhr am Verbindungskanal im Mannheimer Jungbusch statt. Treffpunkt ist hinter der Popakademie. Weitere Infos: www.surfriderbadenpfalz.de.