Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel „Sister Act“ vom Jungen Musical am Pfalzbau ist ganz großes Kino

Ein Herz aus Gold hat die Sängerin Deloris Van Cartier (rechts), gespielt von Emma Fähndrich.
Ein Herz aus Gold hat die Sängerin Deloris Van Cartier (rechts), gespielt von Emma Fähndrich.

Eine Nachtclubsängerin findet im Kloster wahre Schwestern. Das Broadway-Stück „Sister Act“, das vom Jungen Musical auf die große Bühne des Pfalzbaus gebracht wird, ist ein riesiger Spaß. Und was die Zuschauer im ausverkauften Haus zu sehen und zu hören bekamen, war ganz großes Kino.

Am Anfang der Geschichte erklingt ein Gebet. Gesprochen von der Mutter Oberin (Nathalie Schadt) eines Klosters in den USA, das den Namen der Heiligen Jungfrau trägt, und dem es gar nicht gut geht. Es droht der Verkauf und den Schwestern der Verlust ihrer spirituellen und materiellen Heimat. Wo bleibt nur die Rettung? Die Äbtissin ahnt in ihrer dunkelsten Stunde nicht, dass die ersehnte Hilfe bereits unterwegs ist. Wenn auch ein wenig anders als sich die fromme Frau das vorgestellt hat. Und zwar in Gestalt von Deloris Van Cartier (Emma Fähndrich). Einer talentierten Nachtclubsängerin vor dem Herrn. Und einer Menge Problemen.

Mit dieser Szene hob sich am Samstag der erste Vorhang auf der Großen Bühne im Pfalzbau vor restlos ausverkauftem Publikum in die Höhe. Das Ensemble des Jungen Musicals – einstudiert von 27 Darstellerinnen und Darstellern unter der Regie von Iris Limbarth, nahm das Publikum in den nächsten mehr als zwei Stunden mit auf eine Reise in die Welt des Broadway-Musicals. „Sister Act“ – geschrieben von Alan Menken und Glenn Slater – basiert auf der preisgekrönten Kino-Komödie mit Whoopi Goldberg in der Hauptrolle, allerdings mit anderen Songs.

Das Wunder nimmt seinen Lauf

Die Nachtclubsängerin Deloris Van Cartier muss sich in einem Kloster verstecken, nachdem sie sah wie ihr Liebhaber, der Gangster Curtis Shank (Philipp Frey) einen lästigen Zeugen eliminiert hat. Von nun an befindet sie sich in einem Zeugenschutz-Programm und muss die Zeit bis zum Gerichtsprozess irgendwie überleben. Mit falscher Identität, die sie als die neue Nonne im Kloster zur Heiligen Jungfrau ausweist.

Dass die Story für die Diva und die Mutter Oberin voller Herausforderungen steckt, versteht sich nun von selbst. Weil den Vorurteilen auf beiden Seiten der ersehnten Erlösung vorerst Tür und Tor geöffnet werden. Ganz zu schweigen von der Wirkung, die der ungebetene Gast auf die anderen Schwestern der Heiligen Jungfrau hat. Genau das ist aber auch der Moment, in dem das Wunder seinen Lauf nimmt.

Melodien und menschliche Moral

Mit „Sister Act“ haben die Darstellerinnen und Darsteller des Jungen Musicals ein Stück voller Melodien, dynamischem Tanz, Witz und einer Moral auf die Bühne gebracht, die zutiefst menschlich ist. Letztendlich geht es darum, an seine Träume zu glauben, die, sobald man den Mut fasst, sie zu leben, das Gute in einem zum Vorschein bringen mögen. Und es geht darum, all jenes zu hinterfragen, das einem beim Erleben dieses Wunders im Weg stehen kann. Vor allem Vorurteile, die uns den Blick in die Herzen unserer Mitmenschen verstellen. Am Ende findet Deloris sogar die wahre Liebe bei einem unmöglichen Mann an einem unmöglichen Ort.

Bis es jedoch dazu kommt, muss die Heldin noch so manch ein Abenteuer überstehen. Angefangen damit, dass sie von der Mutter Oberin aus purer Verzweiflung als neue Leiterin des Kloster-Chors vorgestellt wird. Dessen Gesang klingt, um es mit den Worten der Äbtissin zu sagen, einfach „unbeschreiblich“. Unter den Fittichen der Nachtclubsängerin wandelt sich der chaotische Haufen zu einem wahren Chor, der mit seinem himmlischen Gesang bald die Herzen von Menschen überall im Land erreicht. Nachdem die Medien das Phänomen entdeckt haben. Unter anderem Die Rheinpfalz im Übrigen, um einen netten Twist vorwegzunehmen.

Magische Fensterbrett-Szene

Und die Nonnen werden Deloris wahrlich zu Schwestern, auf die sie sich verlassen kann. Sogar die Mutter Oberin, die anfänglich noch den Charme von gefrorenem Weihwasser verbreitet, taut auf. Allein die Szene, als Deloris auf dem Fensterbrett ihrer Klosterzelle sitzt und von der Erkenntnis überwältigt wird, dass sie bei ihren Schwestern bei sich angekommen ist, hat etwas Magisches an sich. Das dramatische Finale auch. Denn die mediale Berühmtheit ihres Chors entblößt auch ihre Tarnung, so dass die Gangster von ihrem Aufenthalt erfahren.

Was sich daraufhin entspinnt, ist ein Happy End, das mit allem in Szene gesetzt wird, was das Musical an künstlerischen Mitteln zu bieten hat. Dabei beschlich das Publikum nicht zum ersten Mal auch das Gefühl, in der Geschichte mitten drin zu sein. Die Besucher durften – als Gemeinde in der Gospel-Messe – selbst die Stimme erheben, den Rhythmus mitklatschen und – als sich das Ensemble vor ihnen verneigte – begeistert Beifall spenden. Und das noch lange und gerne.

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