Ludwigshafen Mit viel Hoffnung ins neue Jahr

Domnik Lieboner aus Rödersheim-Gronau kämpft immer noch mit den Folgen einer Gewaltat.
Domnik Lieboner aus Rödersheim-Gronau kämpft immer noch mit den Folgen einer Gewaltat.
Die Autorin Petra E. Jörns in ihrem Bauchtanz-Kostüm.
Die Autorin Petra E. Jörns in ihrem Bauchtanz-Kostüm.
Die Segelfliegerin Stefanie Stirbu vor der Brandruine des Vereinsheims ihrer Segelfluggruppe Giulini. Nicht nur das Haus, sonder
Die Segelfliegerin Stefanie Stirbu vor der Brandruine des Vereinsheims ihrer Segelfluggruppe Giulini. Nicht nur das Haus, sondern auch die Bordbücher sind verbrannt. Derzeit ist kein Flugbetrieb möglich.
Der Unterwasserfotograf Sascha Caballero bei einem Auftrag auf den Philippinen.
Der Unterwasserfotograf Sascha Caballero bei einem Auftrag auf den Philippinen.
Sarah Innetsberger mit einem ihrer Kinderchöre.
Sarah Innetsberger mit einem ihrer Kinderchöre.
Neues, aber auch Rückschläge erlebte Dominik Lieboner Wie ein Gewaltverbrechen die Psyche des Opfers für lange Zeit belasten kann, das erzählte Dominik Lieboner aus Rödersheim-Gronau im Spätjahr in „Marktplatz regional“. Dem 33-Jährigen wurde im März 2015 in der Diskothek Musikpark in Ludwigshafen eine Flasche ins Gesicht geschlagen. Die körperlichen Wunden waren schnell verheilt, an den seelischen Folgen leidet er noch heute – die Diagnose: Posttraumatische Belastungsstörung. Dabei erlebte er in den vergangenen zwei Jahren heftige Angstzustände, die sich nach der Tat ganz langsam einschlichen und schon bald ein normales Leben kaum mehr möglich machten. Nach zwei Reha-Aufenthalten und vielen Therapie-Stunden fühlte sich der Webseiten-Programmierer im Herbst gut, konnte sogar seine Tabletten absetzen. „Leider geht es mir derzeit wieder schlecht“, erzählt er heute. Zwei unschöne Begegnungen mit pöbelnden Jugendlichen haben wieder Angstzustände ausgelöst. So heftig, dass er sich derzeit nicht aus dem Haus traut. Dennoch blickt er positiv auf das vergangene Jahr zurück. Durch den Artikel im „Marktplatz regional“ ist das SWR-Fernsehen auf ihn aufmerksam geworden, der Sender berichtete ebenfalls über sein Schicksal. Und die Jugendstrafanstalt Schifferstadt meldete sich. „Ich habe daraufhin bei einem Anti-Aggressions-Training vor jugendlichen Straftätern gesprochen und die Sicht des Opfers geschildert“, berichtet er. Eine tolle Erfahrung, obwohl er anfänglich Angst davor hatte. „Ich wusste ja nicht, ob die Jugendlichen mich als Mensch oder als Opfer sehen“, sagt er. Schon kurz nach der Tat hatte Dominik Lieboner auch damit begonnen, ein Buch über seine Erfahrungen zu schreiben. „Da es mir aber im Moment nicht so gut geht, habe ich dafür zurzeit keinen Kopf.“ Über den TV-Beitrag habe er aber eine Co-Autorin gefunden, mit ihr zusammen sucht er derzeit einen Verlag. Für dieses Jahr wünscht er sich nur eines, schnell wieder aus seinem Tief herauszukommen und einen Weg zu finden, dauerhaft mit den Angstzuständen besser umgehen zu können. Sascha Caballero vermarktet mittlerweile seine Fotografien Die erste eigene Ausstellung, ein Fernseh-Auftritt und eine zum Teil gesponserte Tauchreise – die Bilanz des Hobby-Tauchers und Unterwasserfotografen Sascha Caballero für das Jahr 2017 kann sich sehen lassen. Anfang September zeigte der Limburgerhofer im Rathaus seiner Heimatgemeinde das erste Mal seine Unterwasserfotografien. Es sind beeindruckende Bilder von unzähligen Meeresbewohnern, die er in Küstengebieten – meist im asiatischen und pazifischen Raum – fotografiert hat. Manche sind bloß ein paar Millimeter groß, wie die Seepferdchen, andere wiederum messen bis zu sieben Metern Länge, wie die Manta-Rochen. Nachdem in „Marktplatz regional“ ein Interview zur Ausstellung erschienen war, meldete sich das SWR-Fernsehen bei ihm. „Das hat mich völlig überrascht“, erzählt der 45-Jährige. Kurz darauf hatte er auch schon einen Live-Auftritt in der SWR-Landesschau. Und ein paar Wochen später kam ein Angebot für eine teilweise gesponserte Reise auf die Philippinen – Kosten und Logis frei für Unterwasserfotografien. Zudem hat Sascha Caballero begonnen, seine Fotografien über Agenturen zu verkaufen, und er hat einen Kalender aufgelegt. Und wie geht es weiter? „Ich lasse das auf mich zukommen“, sagt er, denn trotz seiner Ambitionen soll das Tauchen und Fotografieren sein Hobby bleiben. Hauptberuflich ist der Limburgerhofer Industriemeister in der BASF. In diesem Jahr möchten er und seine Frau Nicole, die ebenfalls taucht, nach Raja Ampat, ein Archipel in Indonesien, westlich von Papua-Neuguinea. Der Reiz dabei: „Neue Eindrücke gewinnen. Wo geht das besser als in dem artenreichsten Gewässer in der Welt“, schwärmt er. Sarah Innetsberger führt zu ihren Chören noch eine Chor-AG „Es muss mehr in der Schule gesungen werden“ – mit dieser Ansage hat sich die 21-jährige Sarah Innetsberger aus Limburgerhof im Januar den „Marktplatz regional“-Lesern vorgestellt. In ihrem jungen Alter leitet die Lehramtsstudentin bereits drei Kinderchöre. Neben der musikalischen Früherziehung in Limburgerhof gründete sie in ihrem Heimatort den Chor „Viva la Musica“ für Kinder ab vier Jahren. In der Ludwigshafener Gartenstadt leitet sie zudem den Projekt-Chor „One Voices“ für Kindergartenkinder und den Chor des Kindergartens St. Hedwig. Selbstredend, dass sie musikalisch ist. Die angehende Musikpädagogin singt im Speyerer Domchor Sopran, spielt Klavier und nimmt Gesangsunterricht. „Das Studium läuft gut“, erzählt sie heute. Sie hatte sogar noch Zeit, in der Limburgerhofer Domholz-Grundschule eine Chor-AG mit 15 Schulkindern ins Leben zu rufen. Mit ihren Chören habe sie einige Auftritte absolviert, „auch fürs kommenden Jahr sind schon einige geplant“, verrät sie. Nur der Auftritt im Limburgerhofer Schlösschen – eines ihrer Ziele – wurde noch zurückgestellt. „Wir müssen noch üben“, gibt sie ganz offen zu. Dafür wird sich ein anderer Wunsch erfüllen: die Chorfreizeit. Mit den Kindern von „Viva la Musica“ und „One Voices“ geht es im April nach Steinbach im Donnersbergkreis. Für dieses Jahr wünscht sie sich, „dass meine Chöre weiter wachsen und noch besser werden “. Die Autorin Petra E. Jörns wird eine neue Buchreihe schreiben Die Publizistin Petra E. Jörns aus Gronau wurde ebenfalls im Januar vorgestellt. Die studierte Biologin hat bereits zahlreiche Bücher in den Genres Science-Fiction, Fantasy und historische Liebesromane geschrieben. So sind mehrere Teile der Science-Fiction-Reihe „Space Troopers“ unter ihrem Pseudonym P. E. Jones erschienen. Am liebsten schreibt die Autorin im Winter, erzählte sie vor fast einem Jahr. Ob diese Zeit auch in den kommenden drei Jahren ausreicht? „Wahrscheinlich nicht“, denn Petra E. Jörns wird für den E-Book-Verlag „Digital Publishers“ eine neue Buchreihe schreiben. Diese spielt im 17. Jahrhundert in Schottland. Es geht um den Kampf der König Jakob treuen Anhänger gegen König William, genauer um das Massaker von Glen Coe 1692, bei dem an einem rebellierenden Clan ein grausiges Exempel statuiert wurde. „Fünf Bücher á 250 Seiten sollen in drei Jahren erscheinen.“ Der Auftrag sei für sie ein Erfolg. Sie sei aber auch hin- und hergerissen, denn: „Der Zeitplan ist eng geschnitten.“ Für andere Projekte bleibe wahrscheinlich wenig Zeit. Ein weiterer Höhepunkt war ihre Urlaubsreise nach Irland. „Es zieht mich immer wieder in die nordischen Länder“, sagt Petra E. Jörns, auch darum habe sie sich über den neuen Auftrag so gefreut. Doch leider brachte 2017 nicht nur Gutes: „Mein Vater ist plötzlich gestorben, das war eine schwere Zeit.“ Ein Feuer hat das Heim von Stefanie Stirbus Verein zerstört 2017 wird Stefanie Stirbu wohl ewig in Erinnerung bleiben. Nicht etwa, weil die Fluglehrerin die RHEINPFALZ-Redakteurin Doreen Reber für die „Marktplatz regional“-Sommerserie bei einem ihrer Segelflüge mitgenommen hat. Sie musste zusammen mit ihren Vereinskollegen von der Segelfluggruppe Giulini miterleben, wie das Vereinsheim am 14. November abbrannte. „Wir alle waren geschockt“, erzählt sie, denn es wurde gerade an dem Gebäude renoviert. Die 52-Jährige fliegt seit ihrem 19. Lebensjahr, und auch ihre Kinder haben die meiste Zeit ihrer Kindheit auf dem Flugplatz verbracht. Als Familie Stirbu – ihr Mann Norman ist ebenfalls Segelflieger – vor der Brandruine stand, hatten alle Tränen in den Augen. Das Feuer hatte nicht nur das Gebäude vernichtet, sondern auch alle Bordbücher. „Damit ist derzeit kein Flugbetrieb mehr möglich“, sagt Stefanie Stirbu. Jetzt, im Winter, wo kaum geflogen wird, sei das nicht so dramatisch. Aber es sei ein enormer Aufwand, alle Dokumente und das vernichtete Zubehör wieder zu beschaffen. Nach dem Schock kam aber die Zuversicht. „Die Stimmung ist positiv“ sagt sie. Und auch wenn noch nicht klar sei, wie der Verein den Wiederaufbau finanziell stemmen werde, ist sie sich sicher, dass sie das gemeinsam schaffen werden. „Der Zusammenhalt und die Unterstützung ist überwältigend. Wir bekamen sogar Spenden von Segelfliegerfreunden aus dem Ausland“, erzählt Stefanie Stirbu. Was sie sich für dieses Jahr wünscht, ist klar: dass pünktlich zum Saisonbeginn wieder geflogen werden und der Wiederaufbau beginnen kann. „Persönlich möchte ich im kommenden Jahr mehr Motorflüge machen, die sind 2017 zu kurz gekommen“, verrät sie, „und mit meinem Mann ans Meer fliegen“.