Ludwigshafen
Max-Planck-Gymnasium: Rückkehr 60 Jahre nach dem Abitur
Es ist 10.30 Uhr. Gespannt warten die ehemaligen Abiturienten auf Mike Thisling-Pfeifer, den heutigen Schulleiter des naturwissenschaftlichen Gymnasiums. Er hatte seinen Gästen eine Führung durch das Schulhaus zugesagt. Die ehemaligen Schüler waren zum Teil aus weit entfernten Teilen Deutschlands angereist, nur zwei der ehemaligen Friesenheimer wohnen noch in der näheren Umgebung Ludwigshafens.
Mit den elf Besuchern geht Thisling-Pfeifer durchs Gebäude, stellt sie einigen zehnten Klassen vor. In Erdkunde geht es gerade um den Nahostkonflikt. Die Generationen kommen ins Gespräch über die Veränderungen im Lauf der Jahrzehnte, etwa die Mainzer Studienstufe (MSS), die 1974 eingeführt worden ist, oder Whiteboards, die die herkömmlichen Schultafeln ersetzt haben. „Beim Wechsel von der Volksschule ans Gymnasium mussten wir eine Aufnahmeprüfung machen. Ziemlich anspruchsvoll, ich habe regelrecht geschwitzt“, bekennt Hans-Martin Weber, der das Klassentreffen organisiert hat. „Ursprünglich waren 1955 etwa 100 Schüler in die fünfte Stufe aufgenommen worden. Sie wurden in zwei sehr große Klassen aufgeteilt“, berichtet er weiter. „Davon haben letztendlich 28 ihr Abitur gemacht“, resümiert er.
Whiteboard statt Schiefertafel
Äußerlich hat sich die Schule kaum verändert. Nach dem Krieg waren die Gebäude stark beschädigt. Die Fenster waren zur Schulzeit Webers bereits erneuert, Fassaden glatt verputzt. Die Ausstattung sei in gutem Zustand, findet der Dannstadter. Das Gruppenfoto ist in Sekunden auf eine große Bildfläche geworfen, dort wo ehemals die Schultafel hing. Das Whiteboard ermöglicht den Schülern Interaktionen mit dem Internet während des laufenden Unterrichts.
An den Musikraum im oberen Stockwerk haben die ehemaligen Abiturienten lebhafte Erinnerungen. „Auch diese Räume waren nach dem Krieg beschädigt gewesen, eine Abgrenzung der Klassen für Kunst und Musik wurde notdürftig mit Brettern gebaut“, schmunzelt Weber. „Einen speziellen Musikraum mit Instrumenten gab es bei uns noch nicht.“ Die Turnhalle weckt weitere Erinnerungen, verschiedene Räume seien damals angebaut worden. An die Aula erinnert er sich besonders gut. „Sie war zeitweise ein Kino und hieß ,Die Kurbel’“. Welche Filme dort liefen, sei über Schaukästen bekannt gegeben worden. Kurz vorm Abitur wurde das Kino wieder zurückgeführt in eine reine Aula. Davon profitierte die Abschlussklasse 1964, deren „Schulentlassfeier“ wurde dort abgehalten.
Mädchen erst in der Oberstufe
In ihren ersten Schuljahren firmierte die Schule noch als „Naturwissenschaftliches Gymnasium Leuschnerstraße“, ihren heutigen Namen Max-Planck-Gymnasium hat sie 1960/61 erhalten. Gemischtgeschlechtliche Klassen kannte der Jahrgang lange nicht, „erst in der Oberstufe kamen in einem Sonderkurs einzelne Mädchen dazu“, erinnert sich Weber. Die Klassenverbände seien von Stufe fünf an zusammen geblieben, das sorgte für Zusammenhalt der Schüler. „Wir haben beispielsweise die Tanzschule komplett im Klassenverband besucht.“
Der besondere Planck-Abiturjahrgang hat sich nicht zum ersten Mal getroffen. Zum 20. Jubiläum, im Mai 1984, waren noch zahlreiche Lehrer dabei. Mit ihnen haben die ehemaligen Schüler im Lehrerzimmer gesessen, ein Raum, der zu Schulzeiten absolut tabu war. „Der strenge Rektor hätte nie geduldet, dass ein Schüler auch nur einen Fuß in diesen Raum setzt“, blickt Weber zurück. Auch beim 40. Jahrestag durften die ehemaligen Abiturienten ins Gebäude. Ein Lehrer im Ruhestand hatte einen Schlüssel – und jede Menge historisches Wissen dazu. Zum 50. Jubiläum hatte sich bereits Thisling-Pfeifer Zeit für die Gruppe genommen.
Klassenfahrt ins Allgäu
„Meines Wissens sind inzwischen keine Lehrer aus unserer Zeit mehr am Leben“, meint Weber. Er erinnert sich noch genau an die zwei Klassenfahrten während der Schulzeit. „Wir waren im Allgäu Skifahren. Ein teurer Sport, fast alle mussten sich die Ausrüstung besorgen.“ Die zweite war eine Pflichtveranstaltung in der Oberstufe: eine Woche in Berlin mit Besuch einer Senatssitzung. In besonderer Erinnerung bleibt der Besuch im Osten Berlins, der Hauptstadt der damaligen DDR.
Dass es ein Treffen zum 75. Jubiläum gibt, hält der Organisator für nicht sehr wahrscheinlich, so sehr er es sich auch wünscht und zu organisieren bereit wäre. Er vermutet, dass die Klassenkameraden dann schlicht nicht mehr reisefähig sind für eine Rückkehr ans „Planck“.