Interview
Markus Impertro und der FC Arminia
Herr Impertro, die Arminia hat an Qualität verloren, und dies nicht so knapp. Hätte man nicht den einen oder anderen Spieler halten können?
Nein, das war aus unterschiedlichen Gründen schwierig. Es gab keine sportlichen Überlegungen für die Trennungen, die Spieler sind mit dem Wunsch, sich zu verändern, an uns herangetreten. Bei Marcel Bormeth und David Braun zum Beispiel waren es berufliche Gründe, bei Peter Klug private. In den meisten Fällen war es so, dass der Zeitaufwand für Oberligafußball nicht mehr zu stemmen war.
Einige Spieler hatten aber noch Verträge. Die Arminia saß also am längeren Hebel.
Das stimmt, Bormeth und Adragna beispielsweise hatten noch Vertrag. Aber wir legen keinem Spieler, der sich ordentlich verhalten hat, Steine in den Weg. Wir haben auch kein Kapital aus dieser Situation gezogen. Die Ablösesumme war nicht höher, als wenn der Vertrag ausgelaufen wäre. Es ist alles fair und harmonisch abgelaufen. So wie man es von der Arminia kennt.
Was erwarten Sie von den erfahrenen Zugängen Ricardo Antonaci, Steffen Straub und Wal Fall?
Alle drei haben mindestens Regionalliga gespielt. Sie sind quasi der Gegenpart zu den inzwischen neun U23-Spielern, die wir im Kader haben. Sie sollen mit ihrer Erfahrung, Cleverness und Schlitzohrigkeit vorangehen und die Mannschaft führen. Der Kader ist sehr ausgewogen besetzt.
Was versprechen Sie sich vom 36-jährigen Rückkehrer Tim Amberger?
Tim ist längst ein Arminianer geworden. Er unterstützt mich, kümmert sich zum Beispiel um das Thema Sportausrüstung. Aber auch an seiner körperlichen Verfassung hat er gearbeitet, acht Kilo Gewicht verloren und ist aktuell sehr gut unterwegs. Ihn zeichnen Tordrang, Biss und Abschlussstärke aus. Aber Tim bekommt bei uns kein Gnadenbrot.
Der FCA hat wieder ganz junge Spieler verpflichtet. Steckt eine Idee dahinter?
Wir haben gesehen, wie toll das im vergangenen Jahr gelaufen ist. Die Spieler haben in der Regel eine gute Ausbildung, kommen etwa aus der Jugend des LSC, aus Speyer und vom SV Waldhof und sind zwei Jahre gebunden. Ich bin guter Dinge, dass sie bei uns einschlagen werden.
Wie werden diese Akteure, die noch recht unbekannt sind, gescoutet?
Das läuft über mich. Ich habe Tippgeber, die mir empfehlen, einen Spieler anzuschauen. Ich gehe gerne zu A-Junioren-Partien in der Umgebung, versuche in Derbys zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und möglichst viele Aspiranten zu sehen. Bei einer zweiten Beobachtung ist Trainer Andreas Brill dabei. Er sagt, wen er sportlich für interessant hält, und ich prüfe die wirtschaftliche Machbarkeit.
Wer könnte am ehesten den Durchbruch schaffen?
(lacht) Sie werden mich nicht aufs Glatteis führen. Das ist eine Frage, die ausschließlich der Trainer beantworten kann. Wir haben an alle gewisse Erwartungen und jeder hat die Chance, bei uns durchzustarten.
Im Vorjahr kamen Biedermann und Knäblein, als die Runde schon lief. Sind späte Transfers in dieser Runde wieder eine Option?
Nein, gar nicht. Der Kader ist mit 24 Spielern groß genug und gut besetzt. Es wird keine späten Verpflichtungen geben.
Was muss passieren, damit Sie im Juni 2024 von einer guten Saison sprechen?
Unser Ziel, das ist mit Trainerteam und Mannschaft kommuniziert, ist ein Platz zwischen Rang sechs und neun. Wir möchten in der 20 Mannschaften umfassenden Liga, aus der bis zu acht Teams absteigen können, zu keiner Zeit in Schwierigkeiten geraten. Außerdem wollen wir ins Pokalfinale.
Die Arminia bestreitet ihre Heimspiele während des Umbaus der Bezirkssportanlage Rheingönheim im Südweststadion. Ist das ein Vor- oder Nachteil?
Ein Vorteil, weil wir hier auch trainieren. Wenn man auf dem Rasen spielt, auf dem man trainiert, macht das sicher ein paar Prozent aus. Man fühlt sich rasch heimisch.
Seit dem ersten Aufstieg 2011 spielt der FCA in zwölf von 13 Saisons in der Oberliga. Was sagt diese Statistik aus?
Sie spricht für Konstanz und kontinuierliches Arbeiten. Wir sind keine Eintagsfliege und seit Jahren die Nummer eins in der Stadt. Das macht uns stolz, aber nicht überheblich. Wir haben auch ein gutes Miteinander mit der Reserve. Die Arminia legt zudem Wert auf ein intaktes Verhältnis zu den anderen Vereinen.
Gibt es ein Ziel oder gar einen Traum, den Sie mit der Arminia noch verwirklichen wollen?
Ja, klar. Wir wollen irgendwann mal den Verbandspokal gewinnen und in den DFB-Pokal einziehen. Dann den FC Bayern München oder den 1. FC Kaiserslautern zu ziehen wäre wirklich ein Traum.
Zur Person
Markus Impertro, 59 Jahre alte Rheingönheimer, ist seit fast 20 Jahren in der sportlichen Leitung des Fußball-Oberligisten FC Arminia Ludwigshafen tätig. Für seinen Heimatverein, dem er seit 1970 angehört, hat Impertro zwölf Jahre gespielt, davon zehn in der Jugend. Nach eigenen Angaben sind seine Stärken als Funktionär ausgeprägter als die des Fußballers Impertro. Seine größten Erfolge sind die beiden Aufstiege mit der Arminia in die Oberliga 2011 und 2018. Zudem der Einzug ins Verbandspokalfinale 2013, das der FCA gegen die TSG Pfeddersheim im Elfmeterschießen verlor. Impertro ist selbstständiger Versicherungskaufmann und hat großen Anteil daran, dass die Arminia seit vielen Jahren die Nummer eins in der Stadt ist.