Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Hohe Energiepreise: Traditionsmetzgerei Steinmann schlägt Alarm

Schlagen Alarm: Gerd Steinmann und sein Personal.
Schlagen Alarm: Gerd Steinmann und sein Personal.

Erst Corona, jetzt die steigenden Energiepreise. Kleinen und mittelständischen Unternehmen geht langsam, aber sicher die Luft aus. „Kein Betrieb kann das länger durchhalten“, sagt Gerd Steinmann, Inhaber der gleichnamigen Traditionsmetzgerei in Edigheim und Oppau.

„Das System kollabiert durch die hohen Energiepreise. Es droht ein Metzgerei-Sterben in diesem Winter“, macht er deutlich. Steinmann, der die 1919 gegründete Metzgerei bereits in der vierten Generation führt, geht es wie all den wenigen noch verbliebenen Handwerksbäckereien und -metzgereien in Ludwigshafen. „Wenn sich nicht schnellstens was seitens unserer Regierung tut, gehen hier ganz schnell die Lichter aus. Nicht jedem politischen Entscheidungsträger ist offenbar klar, was die aktuelle Situation für uns und unsere Traditionsbranche bedeutet. Hilfe muss jetzt her, und zwar schnell!“, fordert Steinmann.

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

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„Ohne Unterstützung geht bei uns das Licht aus“. Etliche der rund 11.000 inhabergeführten Fleischereien in Deutschland haben sich dem Appell des Deutschen Fleischer-Verbandes angeschlossen und weisen mit Plakaten und Schildern auf die existenzbedrohende Situation hin. Die Strompreise sind in den letzten Jahren exorbitant gestiegen. Steinmann rechnet vor: „2020 waren es sieben Cent pro Kilowattstunde, 2021 zehn Cent und 2022 48 Cent.“ Der Anstieg um das Drei- bis Fünffache bei Strom und Gas, wer könne sich das noch leisten, fragt der Edigheimer.

Belastungsgrenze erreicht

Viel Einsparpotenzial sieht er weder im Haupthaus und der Produktionsstätte in der Edigheimer Bürgermeister-Fries-Straße noch in der Oppauer Filiale in der Karolinenstraße. „Wir haben eine Verbundkälteanlage mit einem Kälteschutzvorhang dran, eine moderne Klimaanlage, eine Ladenbeleuchtung mit LEDs und und und. Ich kann nicht einfach die Temperatur in der Kälteanlage reduzieren. Da geht mir doch die Ware kaputt“, sagt er. Die steigenden Kosten könne er nicht einfach auf seine Kunden umlegen. Die Belastungsgrenze für die Bürger sei erreicht. Nicht nur die ansteigenden Energiekosten, sondern auch die zusätzlichen Ausgaben in anderen Bereichen seien sprunghaft angestiegen, sagt Steinmann, der 20 Mitarbeiter in Produktion und Verkauf beschäftigt.

Schon sein Urgroßvater war Metzger und diese Tradition soll fortgesetzt werden: „2019 haben wir Jubiläum gefeiert: unseren 100. Geburtstag. Ich hoffe, dass wir auch nächstes Jahr noch da sind“, sagt der Vater zweier Töchter. Bereits die Corona-Pandemie habe für ordentlich Zusatzausgaben gesorgt. „Die Masken und Tests, das waren mehrere Tausend Euro“, sagt er.

„Jeder in der Branche hat Angst“

Auch Steinmanns Kollege Mark Micol, Inhaber der gleichnamigen Bio-Metzgerei in der Edigheimer Straße in Oppau, unterstreicht in einem Facebook-Post: „Wenn die Leute langsam nicht aufwachen und vielleicht ab und an zu ihren lokalen Händlern gehen, dann gibt es die bald nicht mehr. Und einfach mal aufhören zu produzieren, funktioniert – glaube ich – nicht so ganz“, spielt Micol in den sozialen Medien auf die Aussagen von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) in der ARD-Polit-Talkshow „Maischberger“ an. „Wir haben auch schon Angst vor dem, was noch kommt“, schreibt Micol an anderer Stelle. Durchhalten, das wollen sie. Ob sie es auch schaffen?

„Ich bin grundsätzlich ein positiv gestimmter Mensch“, sagt Steinmann und hofft, die anstehenden, schwierigen Monate – ebenso wie seine verbliebenen Kollegen im Bäcker- und Fleischerhandwerk – meistern zu können. „Die Situation ist ernster denn je, und jeder in der Branche hat Angst“, unterstreicht der Edigheimer Traditionsmetzger.

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