Ludwigshafen Gigantische Tortenschlacht beim Festival des Stummfilmkonzerts ab 20. September

Pianist Carsten-Stephan Graf von Bothmer haucht in seinen Konzerten auch Filmen des unvergessenen Komikerduos „Dick und Doof“ ne
Pianist Carsten-Stephan Graf von Bothmer haucht in seinen Konzerten auch Filmen des unvergessenen Komikerduos »Dick und Doof« neues Leben ein. Das Prinzregententheater will ohnehin künftig mehr Filme zeigen.

Im nostalgischen Prinzregententheater im Hemshof gibt es einen besonderen Genuss für Aug’ und Ohr. Beim Stummfilm-Konzert-Festival ab 20. September flimmert nicht nur selten Gezeigtes über die Leinwand, sondern auch Witziges - und ein Rekord der Filmgeschichte.

Wer immer noch Vorurteile gegenüber der Stadt hegt, die vor fünf Jahren in einer Satire-Sendung zur „hässlichsten“ Deutschlands gekürt wurde, kommt im nostalgisch ausgestalteten Prinzregenten-Theater vielleicht ebenso ins Zweifeln und Umdenken wie unter den Platanen an der Hannelore-Kohl-Promenade. Nach der Parkinsel mit dem Festival des deutschen Films wird nun auch das Prinzregenten-Theater im Hemshof zum Schauplatz eines Filmfestivals. Hier werden keine neuesten Filme präsentiert, Uraufführungen schon gar nicht, und doch darf man sich ganz besondere Kinoerlebnisse versprechen.

Improvisatorischer Wagemut

Die Filme, mittlerweile nur noch selten zu sehen, stammen aus den Jahren 1919 bis 1929 und damit aus einer Zeit, als sie noch stumm über die Leinwand liefen. Stumm, bis sich Ende der 1920er-Jahre der Tonfilm durchsetzte, waren jedoch nur die Streifen selbst, nicht die Kinovorstellungen. Die Filme wurden live von einem ganzen Orchester, am Piano oder von einem Kinoerzähler begleitet und musikalisch vertont.

Das Prinzregenten-Theater hat für den 20. bis 24. September den Berliner Stummfilmpianisten Carsten-Stephan Graf von Bothmer eingeladen, der am Flügel gleich 26 Kurz- und Langfilmen zu noch mehr Lebendigkeit verhelfen wird. Seine Vertonungen, die zu später Stunde auch Stummfilme auf Arte, 3sat oder im ZDF begleiten, zeichnen sich durch besondere Einfühlung und kompositorischen sowie improvisatorischen Wagemut aus. So souverän sie klassische und moderne Traditionen zusammenführen, lassen sie Film und Musik zu einer neuen, ausdrucksstarken Einheit verschmelzen.

Überraschung mit Stan Laurels Familie

Den Schwerpunkt des Stummfilm-Konzert-Festivals im Prinzregenten-Theater bilden sechs „Stan & Ollie“-Programme, mit jenem unvergessenen Komikerduo, das wahlweise auch „Laurel & Hardy“ oder „Dick und Doof“ genannt wird. Jedes Programm enthält, ohne Überschneidungen, jeweils vier Filme, darunter einzelne ausgewählte Stan-Laurel-Soli aus der Frühzeit sowie große Klassiker des Duos. „Zwei Matrosen“, „Im Strudel der Gosse“ und „Die Schlacht des Jahrhunderts“ sind darunter. Letzterer, der in eine gigantische Tortenschlacht mündet, hält, 1927 gedreht, heute noch den Rekord für die meisten verwendeten Torten der Filmgeschichte. Damals ging mit 3.000 Stück die gesamte Tagesproduktion einer Großbäckerei in Los Angeles drauf.

Einbezogen in die Veranstaltung wird auch ein Mitglied aus der Familie Stan Laurels. Die Bühne kündigt hierzu eine Überraschung an. Es wird „ein sehr abwechslungsreiches Programm“, verspricht Josh Juhn vom Prinzregenten-Theater nicht zuletzt in Hinsicht auf die beiden Langfilme, die, begleitet von Bothmer, ebenfalls zu sehen sein werden. Neben viel Slapstick mit Stan & Ollie präsentiert das Stummfilm-Konzert-Festival den großen Klassiker und Vater aller Vamprifilme „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ von Friedrich Wilhelm Murnau. Bothmers ergreifende Musik zu einem der ersten Horrorfilme überhaupt gilt als die erfolgreichste Vertonung seit der Stummfilmzeit.

Hitchcocks erstes echtes Werk

Nicht zuletzt zeigt das Prinzregenten-Theater, das zukünftig ohnehin vermehrt Filmvorstellungen anbieten möchte, Alfred Hitchcocks Frühwerk „Der Mieter“. Ebenfalls ein großer Klassiker, der als Hitchcocks erster Thriller gilt, und laut Eigenaussage des später ungemein erfolg- und einflussreichen britisch-amerikanischen Regisseurs als „der erste echte Hitchcockfilm“.

Zusätzlich zu den regulären Tickets bietet das Prinzregenten-Theater auch reine Hörplätze ohne Sicht auf die Leinwand und reine Filmplätze ohne Musik an. Nähere Infos und Tickets auf prinzregenten-theater.de.

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