Handball
Eulen wollen Punkte statt Komplimente
Michel Abt ist ein akribischer Arbeiter, der in der Spielvorbereitung keine Möglichkeit auslässt. Schon Tage vor dem heutigen Gastspiel beim ambitionierten Aufsteiger VfL Potsdam (19 Uhr, MBS Arena Potsdam) hatte der Cheftrainer des Handball-Zweitligisten Eulen Ludwigshafen nach intensivem Videostudium den Matchplan für die dritte Partie in dieser Saison ausgearbeitet. Noch ehe er gestern Vormittag nach dem Abschlusstraining in den Bus stieg, besuchte er am Donnerstagabend mit Geschäftsführerin Lisa Heßler die Partie der Rhein-Neckar Löwen gegen den SC DHfK Leipzig in der SAP Arena in Mannheim.
Das hatte auch einen dienstlichen Grund. Julius Meyer-Siebert, der ein Zweitspielrecht für die Sachsen besitzt, musste dort ran, da Oskar Sunnefeldt, der Neuzugang vom THW Kiel den Leipzigern verletzungsbedingt nicht zur Verfügung stand. Da konnte sich Abt nochmals ein Bild „seines“ Rückraumspielers im Spiel machen. Zudem nutzte er den Besuch zu Gesprächen mit seinem DHfK-Kollegen Andre Haber und Manager Karsten Günther. „Wir sind stets in einem guten Austausch hinsichtlich des Spielrechts von Jule und wir finden auch gemeinsam Lösungen“, sagte Abt. So befand sich Nothelfer Meyer-Siebert seit Montag in Leipzig und bereitete sich mit dem Team auf das Spiel gegen die Löwen vor.
Partien von Potsdam intensiv studiert
Heute Abend wird der gebürtige Bayreuther wieder im Eulen-Trikot auflaufen, wenn die Pfälzer beim bisher ungeschlagenen Tabellenführer zu Gast sind. „Es wird ein ganz schweres Auswärtsspiel. Da wird es wichtig sein, dass wir sofort unseren Rhythmus finden und ins Spiel kommen“, so Abt. So hat der neue Cheftrainer auch intensiv die Partien der Potsdamer gegen die SG BBM Bietigheim und gegen die HSG Konstanz umfassend angesehen. Dreh- und Angelpunkt des heutigen Gegners dürfte Spielmacher Maxim Orlov sein, der aus der Jugend der Füchse Berlin stammt. Zudem überraschte der Aufsteiger auch mit einer offensiven Deckungsreihe.
Dass seine Mannschaft auf den ersten Punkt brennt, daraus macht Abt kein Geheimnis. „Wir brauchen keine Komplimente für unser Spielweise, sondern einfach Punkte. Und das ist das, worum es am Ende geht“, sagte Abt. In welcher Besetzung die Eulen in der Landeshauptstadt von Brandenburg auflaufen werden, da hält sich der 32-Jährige verständlicherweise bedeckt. Bisher war nach den Spielen gegen Balingen und in Eisenach noch keine Stamm-Formation erkennbar.
Das hat aber nichts damit zu tun, dass Abt gemeinsam mit seinem Co-Trainer Andrej Kogut seine „Aufstellung“ nicht gefunden hätte. „Meine Aufgabe ist es, diejenigen Spieler auflaufen zu lassen, wo ich glaube, dass diese der Spielweise des Gegners gerecht werden“, so Abt. Zudem machte er deutlich: „Wir haben einen Kader, der von seiner Breite lebt und keinesfalls von der individuellen Klasse.“ Deshalb hält es der Pädagoge nicht für ausgeschlossen, dass es immer zu unterschiedlichen Besetzungen kommen kann.
Lob für Jannek Klein
Dass zuletzt Stefan Salger nicht zum Einsatz kam, begründete Abt damit, dass Jannek Klein in den bisherigen Spielen die Erwartungen erfüllt habe. „Jannek hat das bisher gut gemacht. Man muss auch sehen, dass Stefan in der Vorbereitung teilweise verletzt war und weiter an seiner Form arbeitet.“ Auch Marc-Robin Eisel, einer der „Überflieger“ der letzten Spielzeit, erhielt bisher (noch) nicht die erhoffte Spielzeit. Ob Jan Remmlinger und Christian Klimek, die in den beiden Ligaspielen bisher wegen Verletzungen nicht zum Einsatz kamen, in Potsdam dabei sein werden, bleibt ebenso abzuwarten.
Trotzdem gehen die Eulen auch nach den beiden Niederlagen in den ersten beiden Begegnungen mit einer positiven Einstellung in die Partie gegen den Aufsteiger, an dessen Seitenlinie kein Geringer als Bob Hanning, der Manager der Füchse Berlin, das Sagen hat. „Unser Trainer hat wieder einen Plan erarbeitet. Wenn wir diesen auch so umsetzen, dann bin ich mir sicher, dass wir auch in Potsdam nicht chancenlos sein werden“, sagte Sebastian Trost. Der Rechtshänder im linken Rückraum dürfte auch diesmal wieder erste Wahl sein, da Meyer-Siebert in den letzten Tagen eben beim SC DHfK Leipzig weilte und nur eine Trainingseinheit vor der Abfahrt nach Potsdam mit den Eulen absolviert hatte.