Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Dokumentation über den Künstler André Butzer in der Kunsthalle

„Ich hab' überhaupt keinen Stil, ich hab' nie einen gehabt“, sagt André Butzer über sich selbst.
»Ich hab' überhaupt keinen Stil, ich hab' nie einen gehabt«, sagt André Butzer über sich selbst.

Bereits im Oktober wurde die neue Künstler-Doku des Mannheimer Filmemachers Rudij Bergmann in Madrid uraufgeführt. Nun war „André Butzer, seine Kunst und seine Zeit“ erstmals auch in Mannheim zu sehen.

„Ich bin Munch“, hieß 1999 André Butzers allererste Einzelausstellung. Er sei Hölderlin, hören wir nun, im Film, direkt aus seinem Mund. Er schreibt die Namen Heinrich Himmlers oder Johann Wolfgang von Goethes auf seine Bilder, aber wir wissen nicht, ob sich darin tatsächlich der Nazi und der große Dichter erkennen lassen. Rudij Bergmann jedoch bringt uns wirklich den Menschen und Maler André Butzer näher. Wir lernen ihn durch seinen Film kennen.

André Butzer, vor etwas mehr als 50 Jahren in Stuttgart geboren, ist ein erfolgreicher Kunstmaler, der in der Dokumentation von sich selbst sagt: „Ich hab' überhaupt keinen Stil, ich hab' nie einen gehabt.“ In seinen oft großformatigen Gemälden lassen sich dabei deutliche Einflüsse von Munch bis Disney, Ernst Ludwig Kirchner, Henri Matisse oder Emil Nolde erkennen. Im Wesentlichen der europäische Expressionismus also, „allerdings so einfach ist es halt nicht“, wie der Kunsthistoriker Christian Malycha im Film anmerkt. Malycha verweist auf die abstrakten Ausläufer des Expressionismus in den USA, auf die Pop-Art und selbst die Konzeptkunst. Es handle sich schließlich nicht um eine Wiederauflage der alten und herkömmlichen Stilrichtung, „sondern dieser Expressionismus kennt halt auch sein Gegenteil, weiß um die Abgründe in der Geschichte und weiß eben auch um andere Kunstpraxen, und die sind mit das Werk hineingegangen“.

Die Bürde der Mutter

Ebenso Butzers Mutter im heimischen Stuttgart kommt in Bergmanns Film zu Wort, und wir erfahren, dass sie ihrem Sohn eine nicht geringe Bürde mitgegeben hat, indem sie ihn nach seinem älteren, in jungen Jahren verstorbenen Bruder benannte. In der Hauptsache ist es jedoch der Maler selbst, der in der Doku seine Sicht der Dinge beschreibt: sein Leben, sein Denken, seine Einflüsse, seine Kunst. In ausführlichen Interviews mit Bergmann gibt er sich zu erkennen als jemand, der gerne über sein Werk spricht, der auch gut darüber zu reden und es einzuordnen vermag und der zuweilen, wie mit Bildern, auch mit Worten irritiert.

Von 2007 an, als er schon einmal eine kürzere Doku über den Künstler realisierte, und intensiver in den Jahren 2017 bis 2019 hat Rudij Bergmann Butzer an weit verstreute Orte begleitet. In Museumsräume, Galerien und Gemäldedepots, nach Rangsdorf bei Berlin, auf die winterkalten Straßen von Manhattan, ins geschichtsträchtige Pariser Marais, ins Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid oder nach Altadena in der Nähe von Ludwigshafens kalifornischer Partnerstadt Pasadena, wo er ihn unter sonnigem Himmel bei der Arbeit beobachtete. Die bewegliche Kamera, die Bergmann zu kleineren Teilen selbst führte, ist dabei nicht auf den Helden fixiert, sondern bereit, auch Hintergründiges und scheinbar Nebensächliches einzufangen.

Sammlerehepaar gewidmet

Der nunmehr 80-jährige und jüngst mit dem Rudi-Baerwind-Preis ausgezeichnete Mannheimer Autor und Regisseur ist im Film zu sehen wie ohnehin durch seine markante Stimme präsent. Die Filmmusik steuerte der Bellheimer Komponist und Gitarrist Claus Boesser-Ferrari bei. Mehr als zwei Stunden lang und damit in den letzten 30 Minuten doch etwas redundant, ist Bergmanns „Director's Cut“, den er als „zeitloses Dokument“ jenseits vergänglicher Aktualität beschreibt. Ihn zu realisieren, ermöglichte ihm das mittlerweile verstorbene Sammlerehepaar Rudolf und Ute Scharpff, dem er „André Butzer, seine Kunst und seine Zeit“ widmet.

Am 14. Juni wird „André Butzer, seine Kunst und seine Zeit“ auch im Mannheimer Cinema Quadrat zu sehen sein. Claus Boesser-Ferrari möchte zu diesem Anlass ein neues Stück, das er Rudij Bergmann gewidmet hat, zur Uraufführung bringen.

x