Ludwigshafen
Die Sprache der Tiere: Ausstellung in der Rudolf-Scharpf-Galerie
Ein Vorspiel auf die Ausstellung hat es vor ein paar Tagen schon einmal mit der Performance für Hunde von Kroot Juurak und Alex Bailey gegeben (wir berichteten). Sie ist jetzt in der Ausstellung auf Video zu sehen. Wie die Show bei den Hunden angekommen ist, lässt sich nur erahnen. Aber auch Tiere hätten eine Sprache, ist Julia Thiemann, die Kuratorin der Ausstellung, überzeugt. Nach allem, was der Mensch der Natur angetan hat, meint sie, dass ein anderes Verhältnis von Mensch und Tier angebracht wäre.
Die Arbeiten internationaler Künstler unterstützen ein solches Umdenken. Gleich im Foyer empfängt den Besucher ein Videofilm von Annika Kahrs, der die Legende von dem mit Tieren sprechenden Heiligen Franz von Assisi aufgreift. Vögel zwitschern und flattern in Käfigen, während ein Pianist Franz Liszts „Vogelpredigt des Franz von Assisi“ spielt. Im ersten Stock dann hat Klara Hobza ihren faszinierenden „Animaloculomat“ nach Art eines Lichtbildautomaten aufgebaut. Der Besucher kann sich hier ein Bild davon machen, wie einige Tiere ihn wahrnehmen: ein Pferd , eine Schlange, eine Springspinne, eine Fledermaus, ein Drachenfisch und ein Tintenfisch.
Die Tintenfische Petra und Alfredo
Das Tier, das im Titel der Ausstellung genannt ist, taucht hier zum ersten Mal auf. Außerdem hat Andreas Greiner zwei Oktopusse fotografisch porträtiert und ihnen Namen gegeben, als wären sie Menschen oder diesem nahestehende Haustiere: Petra und Alfredo. Oktopusse sind, wie man herausgefunden hat, sehr intelligent, nehmen aber völlig anders wahr als der Mensch. So erkennen sie die Zusammensetzung von Wasser, so wie wir Töne hören, sagte die Kuratorin. Von Monira Al Quadiri aus Kuwait stammt ein Film, der aus wunderschönen Farbbildern von Kraken besteht. Begleitend wird auf Arabisch ein Gedicht rezitiert, das die Schönheit der Natur feiert (dazu deutsche Untertitel). Und der Portugiese Paulo Arraiano fragt sich, wiederum in einem Video, wie es wäre, wenn wir einen Tentakel als Armprothese benutzen würden.
Quallen haben es der in München lebenden Australierin Gretta Louw angetan. Sie bedruckt und bestickt Stoffbahnen mit den Nesseltieren. Außerdem bürstet sie in Erzählungen, die über Kopfhörer zu empfangen sind, Geschichten gegen den Strich und fragt, für welche Tiere Umweltverschmutzung und Erderwärmung förderlich sind. Der Schwede Erik Bünger analysiert ein Video, in dem die Affendame Koko mit Gebärden darum bittet, der Umweltzerstörung Einhalt zu gebieten. Zweifel an der Übersetzung, wie sie der Künstler anmeldet, sind tatsächlich angebracht.
Die Uhrzeit an den Augen einer Katze ablesen
Der Amerikaner David Horwitz ermuntert mit Aufforderungssätzen dazu, mit einer Krähe Kontakt aufzunehmen oder die Uhrzeit an den Augen einer Katze abzulesen. Die gebürtige Spanierin Eli Cortiñas macht auf fragmentierte Wahrnehmung und gestörte Kommunikation aufmerksam, indem sie das Foto eines Papageien in viele einzelne Teile auflöst. Und die Irin Sarah Browne zieht Parallelen zwischen der Abgrenzung des Menschen zum Tier und ihrer Beobachtung, dass Frauen in Männerdomänen wie der Universität wenig gehört werden.
Gestörte Kommunikation und die Harmonie störende Missverständnisse gibt es also nicht nur zwischen Mensch und Tier, sondern auch und sogar unter Menschen, die dieselbe Sprache sprechen. Einen nicht zu unterschätzenden Unterschied gibt es aber doch. Bei der Begegnung des Menschen mit gewissen Tierarten kann ein Missverständnis für den Menschen tödlich ausgehen.
Öffnungszeiten
Bis 9. Januar in der Rudolf-Scharpf-Galerie in Ludwigshafen, Hemshofstraße 54. Geöffnet freitags bis sonntags 11 bis 18 Uhr. Eröffnung am Samstag, 25. September, um 17 Uhr. Schon um 14 Uhr führt die Kuratorin durch die Ausstellung; von 11 bis 18 Uhr gibt es ein Kinderprogramm mit Schminkstation für Tiergesichter, um 12, 14 und 16 Uhr Erzählungen von Tierfabeln.