Ludwigshafen „Die Ansprüche an meine Fotos steigen“

«Limburgerhof.»Bizarre Wesen wie aus einer anderen Welt – die einen in leuchtenden Farben, die anderen verschwinden in ihrer Umgebung. Bei seinen Unterwasserfotos beweist der Sporttaucher und Hobby-Fotograf Sascha Caballero aus Limburgerhof viel Gespür für Farben, Strukturen und den richtigen Augenblick. Heute, 19 Uhr, wird seine erste Ausstellung in der Limburgerhofer Gemeindeverwaltung, Burgunder Platz 2, eröffnet. Im Gespräch erzählt der 45-Jährige, wie seine Begeisterung für Unterwasser-Fotografie geweckt wurde und sich sein Umweltbewusstsein geschärft hat.

Herr Caballero, Sie reisen mehrmals im Jahr in die schönsten Küstengebiete der Welt zum Tauchen. Machen Sie auch „Landgänge“? Nur, wenn ich muss. (lacht) Klar, machen meine Frau und ich auch mal Urlaub zum Ausspannen. Aber ohne Tauchausrüstung verreisen wir fast nie. Meine Frau taucht ebenfalls. Nur am Strand liegen, das mag ich nicht. Sind Sie ein Taucher, der fotografiert, oder ein Fotograf, der taucht? Also, ich tauche schon länger als ich fotografiere. Mit zehn Jahren bin ich das erste Mal getaucht, mein Vater hat mich mitgenommen. Ich war hier in der Region schon in fast allen Gewässern. Für meine Tauchreise auf die Philippinen habe ich mir 2006 eine Sony-Kompakt-Kamera und ein Unterwasser-Gehäuse gekauft. So fing es an. Und? Wie waren die ersten Bilder? Furchtbar. Eine Taucherin, die selbst fotografierte, hat mir dann ein paar Tipps gegeben. Ich sollte mich zum Beispiel besser stabilisieren, langsamer den Auslöser drücken und nicht den Automatik- oder Unterwasser-Modus einstellen. Da wurden die Aufnahmen schon besser. Und dann hat mich der Ehrgeiz gepackt. Haben Sie dann einen Fotokurs belegt? Nein. Vielleicht sollte ich das mal (lacht). Das habe ich mir selbst beigebracht. Nach und nach habe ich die Ausrüstung erweitert. Ich bin dann auf eine Spiegelreflex-Kamera umgestiegen und habe mit Makro-Fotografie begonnen. Die Kleinstlebewesen waren zu Anfang dankbare Motive, da sie nicht so schnell wegschwimmen. Mit was für einer Kamera fotografieren Sie heute ? Mittlerweile eine System-Kamera von Olympus OMD 5 mit passendem Unterwassergehäuse aus Alu sowie diversen Objektiven und externen Unterwasserblitzen. Die digitale Fotografie hat sich in den vergangenen 15 Jahren rasant verändert. Jeder kann heute sogar mit dem Handy unter Wasser fotografieren. Ärgert Sie diese Entwicklung? Nein, solang die Leute Spaß daran haben, ist das in Ordnung. Aber der Respekt vor dem, was fotografiert wird, sollte da sein. Ärgerlich ist, wenn Leute zum Beispiel die Unterwasserlandschaft zerstören, nur um ein gutes Bild zu machen. Auch wenn es Unerfahrenheit ist. Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes, ausstellungswürdiges Bild? Sehr genau, es ist eine Makro-Aufnahme eines Zwerg-Seepferdchens, ein Pygmy-Seahorse, das ich in Zentral-Sulawesi (Indonesien) fotografiert habe. Das Bild wird auch in der Ausstellung zu sehen sein. Wie kam es eigentlich zur ersten Ausstellung? Aus dem gleichen Grund, warum ich eine Homepage habe. Freunde fragten mich nach den Unterwasserfotos. Also stellte ich sie ins Netz. Die Reaktionen waren sehr positiv. Es freut mich immer wieder, wenn ich die Emotionen der Leute beim Betrachten der Fotos sehe. Viele sagten auch, Du musst die Bilder ausstellen. Das und dieser Wow-Effekt bei den Menschen sind die Gründe, warum ich die Fotos ausstelle. Welche Bilder sind zu sehen? Es war schwer für mich, aus allen meinen Fotos die richtigen auszuwählen. Ich habe mich für 22 Fotos entschieden. Sie zeigen die ganze Bandbreite – von Makro- bis Fish-eye-Fotografie. Sind Sie mittlerweile Experte für die Unterwasserflora- und -fauna? Experte nicht. Ich kenne die Fische, weiß auch, welcher selten ist. Aber ich kenne nicht die lateinischen Namen oder Unterarten. Ich finde beim Fotografieren immer noch Lebewesen, die ich noch nicht kannte. Lassen Sie uns mal neidisch werden. Wo waren Sie denn schon überall? Oh, wo fange ich an? Thailand, Malediven, Rotes Meer, Indonesien, Karibik, die Pazifik-Seite von Mexiko, aber auch auf den Azoren. Sehr oft war ich auf den Philippinen mit ihren 7120 Inseln. Aber nicht nur wegen der Tauchgebiete, sondern wegen der Mentalität. Die Leute sind sehr offen und die Landschaft ist sehr ursprünglich. Warum bevorzugen Sie den asiatischen und pazifischen Raum? Weil dort die Natur und Artenvielfalt unter Wasser weitestgehend erhalten ist. Das Mittelmeer ist leider total überfischt. Es ist erschreckend, wie der Mensch die Unterwasserwelt empfindlich stören kann. Bestes Beispiel ist das Tubbataha-Riff auf den Philippinen nahe der Insel Palawan. Seit den 1980er Jahren wurde dieses naturbelassen und 1993 wurde der Nationalpark von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt. Es ist fantastisch, zu sehen, was sich entwickelt, wenn der Mensch nicht eingreift. Sie waren schon in vielen bekannten Tauchgebieten. Wie finden Sie noch Reiseziele, die Sie reizen? Ich habe eine Bekannte, die sich auf Tauch-Reisen spezialisiert hat. Mittlerweile suche ich mir aber zum Teil meine Ziele selbst, ich bekomme auch Tipps von Tauchern oder Einheimischen. So konnte ich meiner Bekannten auch schon selbst einige Resorts empfehlen. Gibt es noch eine Sache, die Sie unbedingt fotografieren möchten? Einiges. Wunschziele sind zum Beispiel noch die Galapagos-Inseln oder die Kokos-Insel vor Costa Rica. Dort würde ich gern mit Großfischen wie Hammer- oder Tigerhaien tauchen. Auch einen Wal würde ich gerne mal vor die Linse bekommen. Wird man mit der Zeit verbissener bei der Suche nach dem perfekten Bild? Ich habe mittlerweile schon höhere Ansprüche an meine Fotos. Wo andere sagen „Tolles Bild“ stören mich Details: zum Beispiel Luftblasen von andern Tauchern oder der Blickwinkel auf dem Bild stimmt nicht. Es ist ein tolles Gefühl, wenn ich ein gutes Bild gemacht habe, wie zum Beispiel vom Tauchgang mit den riesigen Pazifischen Manta-Rochen. Sie hatten eine Spannweite von bis zu acht Metern. Doch viel wichtiger ist das Erlebnis mit den Tieren. Das lasse ich mir nicht dadurch verderben, weil ich es nicht perfekt fotografiert habe. Oder die Speicherkarte nicht im Fotoapparat war. Ist auch schon vorgekommen. Eine letzte Frage: Was würden Sie sagen, wenn morgen ein renommiertes Tauch-Magazin Sie für einen Foto-Auftrag buchen möchte? Ich würde wohl erstmal gar nichts herausbekommen. Mich hat es schon völlig überrascht, dass die BASF-Mitarbeiter-Zeitung einen Bericht über mich geschrieben hat – und nun hat auch noch die RHEINPFALZ angerufen. Ich habe jetzt nicht das Ziel, professioneller Unterwasser-Fotograf zu werden. Dazu kenne ich mich auch zu wenig im Medien-Bereich aus. Mal schauen, was sich ergibt. Obwohl, eine gesponserte Reise wäre natürlich schon nicht schlecht. (lacht) Zur Person Sascha Caballero ist ein „echtes Limburgerhofer Kind“, wie er sagt, gelernter Kfz-Mechaniker und arbeitet als Industriemeister Chemie in der BASF. Er ist 45 Jahre alt und verheiratet. 2006 hat er mit der Unterwasser-Fotografie begonnen und auch schon bei Fotowettbewerben vordere Plätze belegt. An Land hält er sich mit „Crossfit“ fit. Außerdem organisiert er Tauchreisen für Bekannte und kocht und grillt sehr gerne. Weitere Infos und Fotos auf www.sea-pics.de. | Interview: Doreen Reber