FUSSBALL RHEINPFALZ Plus Artikel Aufstieg und Fall des Ludwigshafener Fußballs

Rudi „Hutzel“ Kraft sorgte einst als Rechtsaußen oder Halbstürmer bei Tura Ludwigshafen für Furore.
Rudi »Hutzel« Kraft sorgte einst als Rechtsaußen oder Halbstürmer bei Tura Ludwigshafen für Furore.

Ein großzügiges Clubhaus an der Mundenheimer Straße. Spieler in Auswahlmannschaften. Danach die Fusion von Phönix und Tura zum SV Südwest Ludwigshafen, die den Weg in die Bundesliga ebnen sollte. Große Pläne gab es vor 50 Jahren in der Stadt. Was ist aus ihnen geworden?

Dem Ludwigshafener Fußball den Weg in die Bundesliga ebnen – mit diesem Ziel wurde 1964 die Fusion der beiden Regionalligavereine Phönix und Tura zum SV Südwest Ludwigshafen initiiert. Geschafft haben sie es nicht.

Zunächst sah es für den Zusammenschluss gar nicht schlecht aus. In der folgenden Saison 1964/65 belegte der SV Südwest in der damaligen Regionalliga Südwest immerhin Rang fünf. Als „Einzelkämpfer“ in dieser Liga war Phönix vor der Fusion Neunter, Tura gar nur Zwölfter gewesen. Ursprünglich sollten auch der Ludwigshafener SC als Regionalliga-Zehnter und der BSC Oppau (16.) in die Fusion einsteigen – doch die beiden Vorortclubs lehnten ab.

Dem SV Südwest wäre in den Folgejahren zweimal fast der Coup gelungen. 1969/70 (nur wegen eines einzigen Tores) und ein Jahr später belegte er jeweils den dritten Platz und verfehlte nur um Haaresbreite die Bundesliga-Aufstiegsrunde.

Arminia spielt am höchsten

Knapp 60 Jahre später ist von derlei kühnen Hoffnungen im Ludwigshafener Fußball nichts mehr zu spüren. Der damals noch völlig unbedeutende Rheingönheimer Dorfclub FC Arminia 03 spielt heute in der fünftklassigen Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar noch am höchsten.

Der bisher siebtklassige SV Ruchheim ist gerade aus der Landesliga abgestiegen. Und von den Bezirksligisten Ludwigshafener SC, BSC Oppau, ESV 1927 und SG Edigheim spielte lediglich der LSC eine weitgehend sorgenfreie Saison. Das kurze Gastspiel der SG Edigheim hat bereits wieder ein Ende.

SV Südwest in der A-Klasse angekommen

Aus der achtklassigen Bezirksliga Vorderpfalz wird der einst so hoffnungsvoll gestartete SV Südwest verschwinden: Der ehemals bedeutendste Ludwigshafener Fußballclub ist als abgeschlagener Tabellenletzter abgestiegen und muss in der kommenden Saison in der neuntklassigen A-Klasse Rhein-Pfalz antreten – welch ein Absturz. Zumal sich beim SVS rund um die Demission von Trainer Demir Hotic gerade wieder ein neues Drama abspielt.

Dabei gehörte der Ludwigshafener Fußball zwischen dem Neustart nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 und den 1970er-Jahren stets mit wenigstens einem seiner Vereine zur ersten Klasse. Zudem entsandte er mehrmals Fußballtalente in deutsche Auswahlmannschaften. Zwar schaffte es keiner mehr wie der einstige Phönix-Abwehrspieler Josef Müller (geboren am 6. Mai 1893) zwischen 1921 und 1928 zu zwölf Länderspielen in der Nationalmannschaft. Aber fünf Spieler, die bei Phönix oder Tura aufgefallen waren, erhielten zumindest Berufungen.

Mit Uwe Seeler im Team

So stand der damals 21-jährige Mittelfeldspieler Horst Amann am 25. September 1955 im slowenischen Laibach im deutschen B-Team im Länderspiel gegen Jugoslawien (0:8), in das auch die späteren berühmten Profis Klaus Stürmer und Uwe Seeler (beide Hamburger SV) berufen wurden. Amann, Spitzname „Schepper“, beendete 1965 nach mehr als 600 Spielen für Phönix und den SV Südwest seine Karriere.

Der zuletzt in Ellerstadt wohnende Rudi Kraft, genannt „Hutzel“, wurde am 14. April 1939 geboren und sorgte nach seiner fußballerischen Ausbildung beim VfR Friesenheim als Rechtsaußen oder Halbstürmer bei Tura Ludwigshafen für Furore. Mit Alfred Greiner, Albert Adlfinger, Heinz Lieb und Friedel Trapp (der 1957/58 mit 29 Treffern deutscher Torschützenkönig wurde) bildete er einen glanzvollen Sturm und wurde wohl auch deshalb 1957 zweimal für Amateur-Länderspiele gegen England in Offenburg (1:1) und Illford (3:2) nominiert. Als Offensivspieler stand er auch in den Aufgeboten der Proficlubs 1. FC Kaiserslautern, SV Waldhof, FSV Frankfurt und Wormatia Worms, ehe er seine Laufbahn beim SV Südwest beschloss.

Rückkehr in die vorderpfälzische Heimat

Ein dynamischer Stürmer war auch Walter Dächer, geboren am 4. Januar 1939, aus Limburgerhof, der sich durch zehn Nominierungen für die Südwestdeutsche Fußballauswahl für höhere Aufgaben empfahl. Deshalb wurde der pfeilschnelle und torgefährliche Rechtsaußen des SV Phönix in den deutschen Nachwuchskader U23 der Junioren berufen, in dem er am 25. Juni 1955 zusammen mit Abwehrspieler und Mannschaftskamerad Gerhard Faller (geboren am 1. März 1935) in Frankfurt gegen Jugoslawien (3:3) und am 26. Mai 1957 mit Mittelfeld-Ass Heinz „Bensel“ Kempf (geboren am 2. Januar 1937) in Bayreuth gegen die Tschechoslowakei (1:1) zwei Länderspiele absolvierte. Mit einem Treffer gegen die Tschechen sorgte er für den 1:1-Endstand. Dächert wechselte von 1960 bis 1963 zu Wormatia Worms, kehrte aber wieder nach Ludwigshafen zurück. Kempf spielte eine Saison für den 1. FC Nürnberg und sieben Jahre lang für Saar 05 Saarbrücken, ehe es auch ihn wieder in die vorderpfälzische Heimat zurückzog.

Einst hoffnungsvolle Zukunft

An die Bundesliga dachte man damals noch nicht – aber den Blick in eine hoffnungsvolle Zukunft für den damals führenden Ludwigshafener Fußballclub SV Phönix richteten schon im WM-Jahr 1954 maßgebliche Wirtschafts- und Vereinsführer. Am 29. Oktober 1954 wurde der Grundstein für das großzügige „Phönix“-Clubhaus an der Mundenheimer Straße gelegt, das heute zum größten Teil als chinesisches Restaurant und nur noch zum kleinen Teil für die Bedürfnisse des SV Südwest dient. „Der Sportverein Phönix und die Betriebssport-Gemeinschaft Giulini GmbH haben diesen Gemeinschaftsbau freiwillig errichtet“, heißt es in der Urkunde, die unter anderem vom damaligen Giulini-Chef und Mäzen Dr. Franz Bauer, dem städtischen Baudirektor Walter Cammissar und Bauunternehmer Christoph Grüsser unterzeichnet wurde.

Für den SV Phönix unterschrieben die Vorstandsmitglieder Dr. Adolf Heim, Dr. Robert Eicher und Rudi Fritz. „Das Werk soll in erster Linie das sportliche Leben unserer Vaterstadt Ludwigshafen fördern“, wird das Projekt in der Urkunde zur Grundsteinlegung beschrieben. „Es sei der Jugend stets ein Zeuge gemeinsamer Leistung in schwerer Zeit, den Alten eine Stätte kameradschaftlicher Geselligkeit und Freude.“

Horst „Schepper“ Amann absolvierte mehr als 600 Spiele für Phönix und den späteren SV Südwest Ludwigshafen.
Horst »Schepper« Amann absolvierte mehr als 600 Spiele für Phönix und den späteren SV Südwest Ludwigshafen.
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