Landau RHEINPFALZ Plus Artikel „Landau XXL“: Wie weit ist das neue Stadtviertel?

Ein ökologisches und soziales, kleinteiliges Vorzeigeviertel soll auf der Wollmesheimer Höhe geschaffen werden.
Ein ökologisches und soziales, kleinteiliges Vorzeigeviertel soll auf der Wollmesheimer Höhe geschaffen werden.

Um das anfänglich als Landau XXL geschmähte Quartier südlich der Wollmesheimer Straße ist es ruhig geworden. Das Bauamt betont, dass es mit Hochdruck an der Planung arbeitet. Das ist der Stand der Dinge.

Der Verein Stadtbildpflege wirft der Verwaltung erhebliche Schwachpunkte beim aktuellen Planungsstand für das neue Stadtviertel südlich der Wollmesheimer Straße vor, beispielsweise eine fehlende Durchmischung der Funktionen Arbeiten, Wohnen und Einkaufen. Er empfiehlt abermals jene „Alternativplanung“ des Büros Patzschke aus Berlin, das auf Bitten des Vereins Entwürfe für eine historisierende Bebauung entworfen hatte. Der Verein spricht von einer Zeitreise, die helfen könne, die „Rückständigkeit in der fragmentarischen Planung“ zu überwinden.

Das Ansinnen des Vereins sei aller Ehren wert, sagt Oberbürgermeister Dominik Geißler (CDU), doch er halte nicht viel von Fakes und pseudohistorisierenden Bauten wie dem Berliner Stadtschloss. „Draußen auf dem Acker“ schon mal gar nicht. Er selbst würde sich echte architektonische Highlights wünschen, aber es gehe nicht um seinen persönlichen Geschmack.

Nachhaltige Baumaterialien nötig

Wichtig sei, ein ökologisches und soziales, kleinteiliges Vorzeigeviertel zu schaffen, in dem Baugemeinschaften und Baugenossenschaften zum Zuge kämen, das Kfz-frei sei, aber in dem möglichst autonom fahrende Shuttle verkehren sollten und wo unter anderem mit Holz gebaut und viel begrünt werde. Denn die Stadt muss sich nicht nur mit Energieeffizienz befassen, sondern erstmals auch mit der Nachhaltigkeit von Baumaterialien. Auch dafür werde ein Gutachten benötigt.

„Wir sind noch gar nicht an dem Punkt, über Architektur zu reden“, sagt Bauamtsleiter Christoph Kamplade. Über Fassaden könne man in zwei bis drei Jahren diskutieren. Jetzt gehe es um städtebauliche Grundprinzipien und darum, Lebensräume zu entwickeln und eine gute Heimat zu ermöglichen. Dazu bedürfe es keiner historisierenden Bebauung. Kamplade teilt auch die Pauschalkritik des Vereins am Wohnpark am Ebenberg nicht: „Die Menschen fühlen sich dort sehr wohl.“ Der öffentliche Raum als Gerüst sei sehr gut gelungen.

Befürchtete Probleme sind abgeräumt

Es sei noch viel Detailarbeit nötig, aber „die Kernfragen sind alle geklärt und alles funktioniert“, sagt Kamplade zum neuen Viertel. „Nichts spricht gegen die Entwicklung.“ Das sei eine gute Nachricht für den Kämmerer, denn immerhin ist die Stadt mit zweistelligen Millionenbeträgen für den Grunderwerb in Vorlage getreten.

Nach Angaben von Tobias Joa, der sich im Bauamt um das neue Stadtviertel kümmert, ist der Flächenankauf abgeschlossen bis auf einen Getränkemarkt und einen Schießstand. Doch das sei für die weitere Planung kein Problem. Abgeklärt sei bereits, dass es keine Probleme mit dem Artenschutz gebe. Wie erwartet, müsse an der L509/Wollmesheimer Straße das Thema Verkehrslärm beachtet werden. Daher soll die Bebauung entlang der Straße als Riegel ausgeführt werden, sagt Kamplade, „aber das muss nicht monoton sein“. Verglaste Loggien und Schlafräume auf straßenabgewandten Gebäudeseite könnten nötig werden.

Kreuzungen können Verkehr bewältigen

Der Verkehr selbst sei, anders als zunächst befürchtet, laut Gutachten kein Problem. Die geplanten 850 Wohneinheiten würden 1900 zusätzliche Autos in 24 Stunden bedeuten. Das könnten alle Verkehrsknoten stadteinwärts auch zu Stoßzeiten bewältigen. Kreisel seien nicht erforderlich, so Kamplade, lediglich eine Ampelanlage in Höhe der Berwartsteinstraße, wo eine der beiden Erschließungsstraßen ins neue Viertel abzweigt. Wie die L509 ausgebaut werden soll, stellt die Verwaltung im nächsten Bauausschuss vor. Im Viertel sind Parkdecks in zwei Gebäuden vorgesehen, die auch weitere Nutzungen enthalten, damit die Straßen selbst möglichst autoarm bleiben.

Das ist wichtig bei einem vergleichsweise dicht bebauten Quartier: Bei überwiegend viergeschossiger Bebauung – Einfamilienhäuser wird es nicht geben – käme man auf 70 Wohneinheiten pro Hektar. Im Wohnpark sind es 40. „Wir halten das für richtig“, betont Kamplade, auch wenn die Regionalplanung von weniger ausgehe. „Verdichtete Bebauung bedeutet keinen Qualitätsverlust“, meint Joa. Im neuen Gewerbegebiet D12 an der Autobahn könnte es über 4000 Arbeitsplätze geben. „Wir wollen diese Menschen in Landau haben“, sagt Geißler.

Bürger werden bald auf neuen Stand gebracht

Bei der Freiraumplanung werde das Bauamt den Bewohnern keine Grünflächen und keinen Sportplatz hinsetzen und sagen: „So, benutzte das jetzt“, unterstreicht Joa, sondern alles mit den Bewohnern umsetzen. Das Bauamt arbeite auch noch an den Grundzügen der Entwässerungsplanung. Niederschläge aus dem Viertel sollen über offene Mulden in den Grünzug vor Lazarettgarten und Burgenviertel geleitet werden. Die Detailplanung muss im kommenden Jahr europaweit ausgeschrieben werden.

Der Bebauungsplan für das neue Viertel soll noch in diesem Jahr in die frühzeitige Beteiligung gehen. Im November soll es dazu eine Bürgerinformationsveranstaltung geben. Daran schließt sich die erste Mitsprachemöglichkeit der Öffentlichkeit an.

Viele weitere Fragen will die Stadt mit einem Fachbeirat klären, dem Ratsmitglieder und Experten angehören. Der soll den Rahmen für eine gute Gestaltung abstecken und über die Auswahl jener Bewerber entscheiden, die sich mit guten Konzepten um die Baugrundstücke bewerben sollen. Dieser Beirat könnte ein Vorläufer jenes Gestaltungsbeirats werden, der künftig auch dabei helfen soll, für gute Architektur zu sorgen und Konflikte mit der Nachbarschaft zu verhindern.

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