Landau
Boxer Dabschah erzählt, warum er Salafist Pierre Vogel nach Landau geholt hat
Die Stadtverwaltung Landau prüft, was es mit jenem Keller in der Maximilianstraße 9 in Landau auf sich hat, in dem der deutsche Salafist Pierre Vogel aufgetreten ist. Denn dass es dort eine Moschee gibt, war nicht bekannt. Die Stadtverwaltung wusste bisher lediglich von der Moschee der türkisch-islamischen Gemeinde in der Queichheimer Hauptstraße und den Räumen des islamisch-multikulturellen Vereins am Danziger Platz. Eine Anmeldepflicht für solche Einrichtungen gibt es nicht, macht Ricarda Bodenseh klar, Pressesprecherin der Stadtverwaltung, doch für eine Nutzung als Versammlungsstätte – darum handelt es sich baurechtlich – müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Laut Bodenseh sind Beleuchtung und Belüftung wichtig, vor allem aber Fragen wie Brandschutz und Fluchtwege. Einen Antrag und eine Genehmigung der Nutzungsänderung vom Keller zur Versammlungsstätte, was einer Baugenehmigung entsprechen würde, liege jedenfalls nicht vor. Die Bauordnungsabteilung werde sich nun zügig um einen Ortstermin kümmern, um offene Fragen abzuklären. Schlimmstenfalls könne am Ende eine Nutzungsuntersagung stehen, wenn beispielsweise Fluchtwege nicht herstellbar sein sollten.
„Wir sind kein Geheimbund“
Zu finden ist die Moschee dennoch leicht: Sie wird von Google angezeigt, wenn auch nur mit einem arabischen Schriftzug und ohne weitere Angaben. Sie ist aber auch rasch im Netz zu finden: Der Deutsche Informationsdienst über den Islam (DIDI), ein in Heidelberg eingetragener Verein, nennt sie auf seiner Homepage und weist darauf hin, dass es dort fünf Mal am Tag ein Gemeinschaftsgebet und regelmäßig auch das Freitagsgebet auf Deutsch und Arabisch gebe.
Kein Geheimnis macht auch Diyab Simon Dabschah aus der Einrichtung: Der Landauer Profiboxer predigt dort regelmäßig selbst, wie er der RHEINPFALZ bestätigt – und in weiteren Moscheen in der Südpfalz, die er allerdings jetzt nicht nennen mag. „Das ist kein mysteriöser Ort und wir sind kein Geheimbund“, sagt der 32-jährige Halbschwergewichtler, der nach eigenen Angaben einen Masterabschluss in Islamwissenschaften hat und derzeit an seiner Promotion über die Scharia im Westen arbeitet, also das islamische Rechtssystem, das auf Koran und Sunna (prophetische Traditionen) basiert, im Verständnis des Islam also auf einer von Gott gesetzten unabänderlichen Ordnung. Dabschah sagt, er promoviere an der renommierten Al Azhar(Die Leuchtende)-Hochschule im ägyptischen Kairo, lasse sich wegen seines Berufs als Boxer und Manager aber Zeit.
Pierre Vogel als Boxtrainer engagiert
Dabschah sagt, dass er Pierre Vogel schon länger kennt. Er habe ihn ursprünglich nach Landau geholt, weil er Vogel für einen der besten Boxtrainer halte –„den besten in Deutschland“. Pierre Vogel habe ihn zwei Jahre lang trainiert und auf zwei wichtige Meisterschaften vorbereitet, die WBC (World Boxing Council) Asien-Meisterschaft 2022 und die WBO (World Boxing Organisation) 2023. Daran, dass er nun auf Platz elf der Weltrangliste stehe, habe Vogel großen Anteil.
Wenn Vogel schon mal da sei, könne er auch in seiner 2020 gegründeten Moschee predigen, so wie er „schon viele Prediger nach Landau geholt“ habe. So schildert Dabschah, wie es zu der Einladung gekommen sei. Den Vorwurf, Vogel sei Salafist, will er aus mehreren Gründen so nicht stehenlassen. Das sei nur ein politischer Begriff. Vogel hole Jugendliche von der Straße – so wie auch seine Moschee neben Vorträgen und dem künftig verstärkt geplanten Koranunterricht Jugendarbeit anbiete. Zudem, so Dabschah, gehöre seine Moschee keiner bestimmten Richtung an, sondern werde von Muslimen aus sehr vielen verschiedenen Nationen besucht. Deshalb werde auch auf Deutsch gepredigt. Das könne sich jeder jederzeit anhören, beispielsweise beim Freitagsgebet, zu dem zwischen 70 und 100 Teilnehmer kämen, man habe nichts zu verbergen.
„Scharia gilt nur für Muslime“
Es müsse sich auch niemand Sorgen machen. Jeder Muslim müsse davon überzeugt sein, dass Allahs Wille das Beste sei. Doch die Bedingung dafür, dass Muslime in Deutschland leben dürften, sei, keinen Gottesstaat einführen zu wollen. „Wir gehen darüber einen islamischen Vertrag ein“, so Dabschah. Selbst wenn in vielleicht 50 Jahren die Muslime einmal die Mehrheit stellen sollten, würde die Scharia ohnehin nicht für Nicht-Muslime gelten. Wie berichtet, zeichnet den Salafismus aus, dass er den Gottesstaat anstrebt und er damit im Widerspruch zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung steht. Dabschah sagt auf Nachfrage, dass er der Meinung sei, dass Muslime nicht zu Wahlen gehen sollten, aber „ich werde niemanden verurteilen, der wählt“.