interview RHEINPFALZ Plus Artikel Zwei Basketballer und der krönende Abschluss daheim

Martin Langenfeld erzielte in der Meisterschaft 341 Punkte.
Martin Langenfeld erzielte in der Meisterschaft 341 Punkte.

Der TV Bad Bergzabern richtet das rheinland-pfälzische Basketball-Pokalfinale aus und ist am Sonntag zweimal vertreten. Zwei Förderschullehrer sind die Spielmacher der Teams. Was erwarten Sandra Weis (28) aus Billigheim-Ingenheim und Martin Langenfeld (29) aus Rülzheim?

Frau Weis, Sie sind treibende Kraft im Landesliga-Team, mit knapp 100 Treffern in der abgeschlossenen Runde am Teamerfolg beteiligt ...
... danke. Aber so im Mittelpunkt stehen, mag ich eigentlich gar nicht. In die Spielmacherrolle wurde ich quasi gedrängt, weil sie unbesetzt war. Dennoch macht die Position mir großen Spaß. Und es klappt auch ganz gut. An unserem Erfolg ist aber das ganze Team beteiligt. Wir haben eine gute Mischung aus vielen erfahrenen Kräften wie Anna Rapp und Sabine Stadler, die beide schon sehr hoch und bei anderen Clubs spielten. Und vielen eigenen jungen Spielerinnen. Außerdem sind wir auf allen Positionen gut besetzt.

Anna Rapp hält mit 255 Treffern die Korbjäger-Krone in der Landesliga. Sie sind erfolgreichste TVB-Dreierschützin und drittbeste Weitwerferin der Liga. Warum ist die Mannschaft nicht Meister?
Wir freuen uns sehr über die Vizemeisterschaft. Wir haben in 14 Spielen elfmal gewonnen. Neben unserer Topscorerin Anna Rapp erzielten Suzan Koltan, Lisa Dettmer und Sabine Stadler durchschnittlich rund zehn Punkte pro Match. Insgesamt waren sogar sieben der zwölf eingesetzten Spielerinnen entscheidend an der Punktausbeute beteiligt. Hätten wir jedes Match in Bestbesetzung antreten können, wäre der Titel drin gewesen. Doch oft konnten wir nur mit sechs Spielerinnen antreten. Wegen Corona oder verletzungsbedingt.

Sie haben von der Pike auf Basketball beim TV Bad Bergzabern gespielt. Wie fühlt sich der Saisonhöhepunkt an?
Richtig gut. Wir freuen uns alle auf das Pokalfinale. Ich weiß nicht einmal ganz genau, wie lange ich dabei bin. Ich kam jedenfalls ganz schön früh durch meine Mutter (Ruth Weis, A. d. Red.) zum Verein, die selbst leidenschaftliche Basketballerin ist. Ich war schon als Kind in der Halle und erinnere mich noch gut an die Minis und vielen Jugendmannschaften. Eine schöne und intensive Zeit.

Ist ein Coup im Cup gegen ein Oberligateam möglich?
Wir geben jedenfalls alles dafür. Wir können nicht in Bestbesetzung auflaufen und sind sicher auch in der Außenseiterrolle. Immerhin spielt der 1. FCK eine Liga höher und ist souverän mit großem Vorsprung Oberliga-Meister geworden. Lautern hat eine junge, motivierte Mannschaft. Das wird schwer. Dennoch wollen wir unsere kleine Chance nutzen.

„Ich wusste, dass es auf mich ankommt“

Herr Langenfeld, mit 341 Treffern erzielten Sie gemeinsam mit Phil Behrendt (331) und Jan Wroblewski (320) fast 1000 Punkte in der abgelaufenen Saison. Wie schafft es der Kleinste, so viele Körbe zu erzielen?
Es geht nicht um den einzelnen. Alle sind wichtig und alle punkten für den Erfolg. Ich passe mich immer dem Team und den Möglichkeiten an. Diese Runde mit vielen Ausfällen wusste ich, dass es auf mich als Aufbauspieler im Korbabschluss ankommen wird. Zu Hause im Keller habe ich mir einen Kraftraum eingerichtet. Da bin ich wöchentlich mindestens zweimal. Ich arbeite viel an meiner Sprungkraft und Grundschnelligkeit. Auch wenn man das selbst nicht gut beurteilen kann, zähle ich sicherlich zu den schnellsten Aufbauspielern der Liga. Auch das hilft, um Körbe zu erzielen.

Lange hatte die Mannschaft das Abstiegsgespenst im Nacken. Am Ende Tabellenfünfter ...
.. ist megacool. Echt Wahnsinn, das Abschlussergebnis. Es war wirklich lange eine enge Kiste. Und dann die katastrophalen Rahmenbedingungen. Corona, Verletzungen und vieles mehr. Gefühlt stand immer nur die halbe Mannschaft zur Verfügung. Gemeinsam mit Jan Wroblewski machte ich mir den Spaß, mal auf die einzelnen Aufstellungen zu schauen. Das Ergebnis: Kein einziges Spiel gab es die gleiche Mannschaft. Hätten wir häufiger in Bestbesetzung auflaufen können, wäre ein dritter Platz locker drin gewesen. Denn schlechter als der Dritte TV Langen sind wir nicht. Doch so, wie es gelaufen ist, ist alles okay.

Und jetzt ein Pokalfinale aus dem Nichts? Jedenfalls liegen Achtelfinale und Viertelfinale des Wettbewerbs schon lange Zeit zurück.
Stimmt. Jetzt wird das Finale nachgeholt. Das ist besonders schön, da wir die Ausrichtung schon 2020 zugesprochen bekamen. Wir sind heiß auf diesen Event. Bestbesetzung wird zwar nicht klappen. Wir alle haben aber ein großes Ziel: den Landes-Pott nach Bad Bergzabern holen!

Wie stehen die Chancen?
Wir haben Heimrecht und spielen gegen den Ligarivalen DJK Nieder-Olm, den wir diese Runde zweimal knapp besiegten, oder gegen den Oberligisten TuS Treis-Karden. Wir sind auch selbstbewusst und wissen, dass wir eine gute Chance haben. Phil Behrendt meinte, er hätte schon viermal im Pokalfinale gestanden und immer verloren. Das soll sich dieses Mal ändern. Die Jungs haben megaviel Bock. Schließlich standen wir schon im vergangenen Endspiel vor drei Jahren, führten lange und verloren am Ende knapp gegen den Lokalrivalen SG TV Dürkheim/BI Speyer. Dieses Mal wollen wir jubeln.

Ist es ein Handicap, statt in der VG-Halle in der kleinen Kreishalle zu spielen?
Quatsch. Wir spielten in den letzten Jahren bereits oft in dieser Halle. Auch die Kreishalle ist unsere Heimhalle. Wir hoffen auf viele Fans und eine lautstarke Unterstützung. Wir brauchen den sechsten Mann. Schon oft gab uns gerade diese besondere Atmosphäre in der kleinen Halle den besonderen Push.

Zur Sache: Die Pokalendrunde

In der Saison 2019/2020 qualifizierte sich Basketball-Regionalligist TV Bad Bergzabern mit Siegen bei den unterklassigen TVG Baskets Trier und TSG Heidesheim für das Top-Four-Finale der Männer um den Rheinland-Pfalz-Pokal. Corona stoppte die Austragung im Frühjahr 2020. Nach zwei Spielrunden ohne Pokalwettbewerbe wird das Endturnier nun zwei Jahre später in der Kreishalle Bad Bergzabern ausgetragen. Das Halbfinale der Männer bestreiten am Sonntag um 12.30 Uhr TuS Treis-Karden (Oberliga) und DJK Nieder-Olm (Regionalliga). Da die SG Lützel-Post Koblenz verzichtet, steht der TV Bad Bergzabern direkt im Endspiel (Sonntag, 17.30 Uhr). Das Finale der Frauen bestreiten am Sonntag um 15 Uhr die Pfalzrivalen TV Bad Bergzabern (Landesliga) und 1. FC Kaiserslautern (Oberliga).

Sandra Weis
Sandra Weis
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