Amateursport
Um was es eigentlich geht
Montag, 15 Uhr. Michael Übel ist stimmlich angeschlagen. „Ich bin eh schnell heiser“, sagt der 32-Jährige, der am Sonntag sein letztes Spiel als Trainer des Handball-Oberligisten TV Offenbach hatte. Seit er vier ist, ist er beim TVO. Vier Jahre coachte er die Oberliga-Mannschaft. Seine letzte Saison ist seine beste Saison: Platz drei mit 24 Siegen in 30 Spielen. Zu Ende ging sie mit einem 32:29-Erfolg gegen die HSG Rhein-Nahe Bingen. „Schon ein gutes Spiel“, sagt Übel. „Nicht hitzig. Beide wollten gewinnen.“ Die Führung wechselte: 6:5 vorne, 7:8 hinten, 15:11 vorne, 20:22 hinten, 30:27 vorne. „Das Schönste: das letzte Spiel zu gewinnen, die geile Stimmung in der Kabine“ nach den Toren von Niklas Klein zum 31:29 und 32:29.
„Danach war jeder ein bisschen k. o.“
Mit Kind und Kegel ging es zum gemeinsamen Essen. „Wir hatten reserviert“, erzählt Übel. Nach dem Essen in der Schwimmbadgaststätte zog die Gruppe weiter in ein, zwei Landauer Kneipen. „Danach war jeder ein bisschen k. o.“ Um 1 Uhr war der Trainer zu Hause. „Ich war clever und habe mir den nächsten Tag freigenommen.“ Die Geschenke, die es zur feierlichen Verabschiedung vor 320 Zuschauern gab, lagen gestern noch im Auto.
Übel wird jetzt alles sacken lassen. Er, seine Mannschaft und die anderen Beteiligten haben sportlich das Maximale herausgeholt. Darum geht es. Der Aufwand ist beachtlich: drei Trainingseinheiten in der Woche, einmal Athletiktraining (Übel ist „nur“ dabei), die Videosichtung von Spielen des Gegners und die Spielvorbereitung. Dazu die Spiele und die Fahrten zu Auswärtsspielen. Mal kurz nach Mundenheim, mal lang nach Daun. Im Schnitt 90 Minuten einfach sei die Mannschaft unterwegs, überschlägt Übel. Wenn ein Auswärtsspiel anstand, kam er in der Woche schon mal auf 20 Stunden Einsatz für den Erfolg.
Energie positiv entladen
Und jetzt? „Ich kann es nicht einschätzen. Ich denke, die Zeit am Abend ist schneller weg, als man denkt.“ Er mag Badminton und Squash. „Ich hab’ auch noch einen Hund“, sagt Übel. Die vierjährige Mali ist ein Australian Shepherd. Er schätzt, dass irgendwann Anfragen kommen, ob er eine Mannschaft als Trainer übernimmt.
Offenbach spielt in der nächsten Runde gegen den Lokalrivalen Südpfalz-Tiger. Die Mannschaft der SG Ottersheim/Bellheim/Kuhardt/Zeiskam feierte den Aufstieg nach dem 40:30-Sieg gegen Saarbrücken am Sonntagabend in einer Bellheimer Kneipe. „Nach einer Runde, die gefühlt drei Jahre gedauert hat. Was da geleistet worden ist, ist sehr energieaufreibend“, sagt Trainer Christian Job. Die Energie habe sich nach dem Sieg bei toller Stimmung der Fans im positiven Sinne entladen.
Job hatte seine beiden Töchter dabei, die 19-jährige Alicia fuhr das Auto. Job: „Da trinkt man schon mal. Da sind ein paar in der Mannschaft, die tolle Mischungen anrühren.“
Drittes Spiel ganz normal im Plan
Der Trainer denkt noch an ein lockeres Training vor dem letzten Spiel der Saison am Montag um 18 Uhr in der IGS-Sporthalle in Rülzheim. Die Spiegelbachhalle in Bellheim sei gesperrt, die Halle in Kuhardt sei für den Abschluss nicht geeignet, da sei Rülzheim die beste Alternative gewesen. Das dritte Aufstiegsspiel gegen die HSG Nahe-Glan sei in der Planung ganz normal drin, sagt Job zur Andeutung, die beiden Aufsteiger könnten es auch gut sein lassen.
Danach sieht er die Herausforderung, eine vernünftige Vorbereitung zu planen. Er wolle Rücksicht nehmen, die Spieler bräuchten erst mal eine Pause, um auch mental herunterzukommen. In der Oberliga zu spielen, freue ihn für die Mannschaft, für die Fans. Job: „Jetzt müssen wir uns mal wieder an Niederlagen gewöhnen.“
Auch ohne großen Erfolg alles in Butter
Ein Spiel zu verlieren, dieses Gefühl bekam Fußball-Verbandsligist TB Jahn Zeiskam in der Gruppenphase nicht: 16 Spiele, elf Siege, fünf Unentschieden, 26:6 Tore, der erste Platz in Gruppe zwei. In der Aufstiegsrunde verspielte die Mannschaft die Aufstiegschance. Seit April hat sie kein Spiel gewonnen. Weil kein Störungsrauschen von der Sauheide zu vernehmen ist, scheint auch so alles in Butter zu sein. Wer will schon in die Oberliga? Der TSV Fortuna Billigheim-Ingenheim ließ derweil die Gelegenheit verstreichen, in die Verbandsliga aufzusteigen. Er schloss die Gruppenphase in der Landesliga als Tabellenerster ab und brach in der Aufstiegsrunde böse ein: sechs Niederlagen vor dem Abschluss am Sonntag gegen RWO Alzey.
Eine einzige Enttäuschung
Urplötzlich scheint bei der Mehrzahl der Fußballclubs einer auf die Bremse zu treten und den Leistungsgedanken auszuknipsen. Lieber Landesliga, in der es noch mehr südpfälzische Mannschaften geben wird, als Verbandsliga? Auch beim TSV Billigheim ist in der Phase des ausbleibenden Erfolges nichts passiert. Mit wenig zufrieden zu sein, kein Risiko zu wagen, kann aber keine Lösung sein in einer Region mit tollen Plätzen, der höherklassiger Fußball guttun würde.
Der FC Bienwald Kandel hat den Erfolg im Abstiegskampf der Verbandsliga wiedergefunden. Den Verbleib hat er selbst in der Hand im letzten Spiel am Sonntag um 15.30 Uhr gegen Bad Kreuznach. Wenn er denn will. Einer will nicht und wechselt freiwillig zum Absteiger SV Rülzheim. Eine Klasse tiefer, aber mehr Geld? Der SV Rülzheim ist eine einzige Enttäuschung. Er holt nun Spieler um Spieler von anderen und kriegt selbst gar nichts auf die Reihe. Um was geht es eigentlich?