Handball
Mini-WM in Bornheim mit etwas anderen Regeln und viel Musik
„Griechischer Wein und die altvertrauten Lieder, Schenk' noch mal ein ...“ Die Melodie von Udo Jürgens sorgt für den ersten Gänsehautmoment vor dem „Finale“. Das letzte Gruppenspiel der Mini-Handball-WM steht in der Bornheimer Sporthalle an. Die Gastgeberinnen, im blauen Trikot für Griechenland, und Saudi-Arabien (die TSG Friesenheim spielt in Grün) machen sich warm. Es wird noch emotionaler werden und mit einem Erfolg der Bornheimerinnen enden. Beide U11-Mannschaften haben die Zwischenrunde schon sicher erreicht.
Was ist mit Sarah? Die „Griechin“ mit der Vier auf dem Trikot geht hinaus zur Cotrainerin, muss behandelt werden. Sarah habe sich unter der Woche verletzt, klärt Cotrainerin Sarah Brunner später auf. Die torgefährlichste Spielerin wird zwei weitere Male im Mittelpunkt stehen.
Steckbrief über Kuba
Dass in der Bornheimer Sporthalle was Großes läuft, wird schon bei der Anfahrt klar. Alle Parkplätze sind belegt. Platz ist nur noch auf Seitenstreifen oder auf der anderen Straßenseite bei Hornbach, dem Unternehmen, das der 21-jährigen Brunner aus Göcklingen das Duale BWL-Studium Digital Commerce Management anbietet. Im Foyer fallen zwei Plakate auf: das offizielle Mini-Handball-Weltmeisterschaftsplakat und ein Steckbrief über Kuba. Die weibliche E-Jugend der SG Bellheim ist Kuba, sie hat sich mit dem Staat befasst und stellt Persönlichkeiten, Strände, Pflanzen, Speisen, Zigarren und berühmte Handballer vor. Die Gruppengegner, die HSG Dudenhofen repräsentiert Ägypten, haben da wohl geschludert. Der Betrachter erfährt nur, wie groß die Länder sind, wie viele Einwohner sie haben, wie die Hauptstädte heißen. Griechenland und Kuba sind mit Abstand die Kleinsten.
Die Gruppenspiele in Bornheim orientieren sich an der nächsten U21-WM. Ägypten, Griechenland, Kuba und Saudi-Arabien treten in Athen an. Parallel werden am Samstag in der Pfalz sieben andere Turniere gespielt. Jeweils die beiden Bestplatzierten erreichen die Hauptrunde (am 7. Mai), weiter geht es mit dem Viertelfinale, Halbfinale und Finale am 18. Juni in Haßloch in der Pfalzhalle.
Mädchen unter sich
In Bornheim und beim Turnier in Kirrweiler (Slowenien beziehungsweise Kandel/Hagenbach und Schweden alias TV Kirrweiler qualifizieren sich) sind Mädchen unter sich. Andernorts spielen meist Jungs.
Die Griechinnen lockern sich immer noch auf. Sie hüpfen im Takt zur Musik, schwingen die Arme, machen, als „Der Zug hat keine Bremse“ läuft, eine Choreografie nach. Auch Trainerin Rebecca Gatting swingt mit. Sie muss nicht eingreifen. Ihre Spielerinnen spulen das Programm selbstständig ab. Es endet mit Wurftraining auf das Tor von Linn und Nela.
Bei der Jugend ist einiges anders
Ansage des Hallensprechers: Gleich geht es los. Griechenland und Saudi-Arabien sind ungeschlagen. Der Sirtaki wird eingespielt. Links steht die eine Mannschaft, rechts die andere. Die Spielerinnen legen ihre Arme über die Schultern der Nachbarinnen, schwingen die Beine im schneller werdenden Takt. An der Seite ziehen die Kubanerinnen mit. Das Publikum, elektrisiert, klatscht. Tharu pfeift an.
Was ist nach wenigen Minuten mit der Nummer vier? Sarah muss erneut raus. Sie hat Nasenbluten. Johanna ersetzt sie.
Wer das erste Mal ein E-Jugendspiel sieht, die Kinder sind neun, zehn Jahre alt, vergisst am besten alles, was er von Länderspielen der Großen kennt. Fachleute reden vom freien, altersgerechten Spiel. Beim Anspiel stehen sich die Mannschaften wie beim American Football gegenüber. Manndeckung auf dem gesamten Spielfeld. Wer den Ball hat, versucht, bis vor den gegnerischen Torraum zu prellen. Kommt ein Kind nicht weiter, spielt es ab. Die Schrittregel, maximal drei Schritte mit Ball, der maximal drei Sekunden ohne zu prellen gehalten werden darf, beherrschen die Kinder schon recht gut. Schiedsrichter Tharu passt auf. Der Nußdorfer, der in der D-Jugend der HSG Landau/Land spielt, ist zwölf Jahre alt. Er kann noch nicht alles richtig einschätzen, macht seine Sache aber souverän, pfeift laut. Die Mädchen akzeptieren ihn. Auch zum Penalty, den er für Saudi-Arabien pfeift, gibt es keinen Einwand. So wird ein Siebenmeter in der E-Jugend ausgeführt: Anlauf nehmen, prellen, Kernwurf in der Zone zwischen Torraum und Freiwurflinie.
Abfeiern am Mikrofon
3:4 liegt Griechenland hinten (4.). In der 13. Minute reißt Trainerin Gatting die Arme hoch: die nächste Parade, das nächste Tor von Luisa. Griechenland führt mit 11:6. Sarah wird gefoult. Behandlungsunterbrechung. Nach zwei Minuten steht das Mädchen wieder, es wirft das 12:7. Die Griechinnen gewinnen mit 17:11 zum dritten Mal. Sarahs Mannschaft tanzt, sie nimmt das Mikro und lässt jeden abfeiern, der eine große Rolle übernommen hat, unter anderem Spielerinnenmutter Tatjana Roth und den als Moderator ins kalte Wasser geworfenen Verbandstrainer Mirko Schwarz.
Tolle Eltern
Sie habe nur keinen Spaß, wenn ein Mädchen weine, sagt Gatting (23), die in der BG-Klinik in Ludwigshafen in der Ausbildung zur Physiotherapeutin ist. Die beiden Trainerinnen stellen ihre Mannschaft vor. Wenn sie Jüngere hochziehen, haben sie in der E-Jugend 27 Spielerinnen aus Essingen, Bornheim, Hochstadt, Offenbach, Dammheim. „Ich lebe die Leidenschaft mit den Mädchen mit“, sagt die Essingerin Gatting. „Die Mädchen geben mir schon sehr viel zurück.“ Dahinter stünden tolle Eltern. „Auswärts haben wir manchmal mehr Zuschauer als die Heimmannschaft“, sagt Brunner.
Im nächsten Training soll es wieder Kuchen geben, gebacken von Eltern. Ob ihre Mannschaft in der Zwischenrunde mithalten kann, wenn sie auf Jungen treffen? Körperlich werde es schwierig, sagt Gatting. „Ich hoffe, dass wir durch Schnelligkeit schöne Spiele zeigen können.“ In Offenbach haben sich Frankreich (TVO) und Kroatien (SG Ottersheim) durchgesetzt.