Lokalsport Südpfalz Mekka für Zeitenjäger

Kandel. Beim Zieleinlauf gab’s mächtig was auf die Ohren: Der stramme Hard-Rock der australischen Band AC/DC dröhnte im Bienwaldstadion die meiste Zeit aus den Boxen – die Läufer dürften das aber kaum registriert haben, denn angesichts der Ausschüttung von Glückshormonen waren die „Finisher“ des 40. Bienwald-Marathons ohnehin in einer Art Trance.

1778 Läuferinnen und Läufer hatten die Marathondistanz oder den Halbmarathon in Angriff genommen und nicht wenige von ihnen wurden von regelrechten Fangruppen erwartet. Posieren fürs „Finisher“-Foto per Smartphone ist für die meisten „Marathonis“ mittlerweile eine liebe Pflicht. „Schnell – familiär – naturverbunden“, so bezeichnet der veranstaltende TSV Kandel selbst seinen Marathon. Familiär ist die Veranstaltung unter anderem deshalb, weil die rund 180 Helfer, die gestern im Einsatz waren, den Startern das Gefühl gaben, dass sie und ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen. Andererseits sind auch viele Starter mit Familienmitgliedern angereist, die am Streckenrand oder im Ziel anfeuern und jubeln. Schnell ist die Strecke, weil sie durchgehend asphaltiert ist, was sie vor allem bei Zeitenjägern sehr beliebt macht. Zu ihnen gehörte auch Eva Skalsky vom LuT Aschaffenburg, die nach 3:23:06 Stunden ins Ziel kam und damit in der Gesamtwertung der Frauen Rang vier belegte. „Ich wollte Bestzeit laufen und das hat auch gut geklappt“, freute sich die 33-Jährige. Sie freute sich wie alle Teilnehmer über einen „schönen“ Lauf und „super“ Wetter. „Es war alles gut“, betonte sie. „Die Strecke ist wirklich sehr gut zum Trainieren“, konstatierte die Aschaffenburgerin, die sich in diesem Jahr aber nur noch kürzeren Strecken widmen wird – Halbmarathon und „einige Zehner“ stehen auf dem Programm. Wer eine bestimmte Zeit laufen wollte, der konnte sich an die Fersen eines der Pacemaker oder Ballonläufer heften. Die Zielzeit steht dabei jeweils auf dem Rücken des Laufshirts sowie auf zwei Ballons, die den „Hasen“ in der Läuferschar kenntlich machen. Einer von ihnen war Andy Dyrtz. „Ich bin den Marathon schon sechsmal gelaufen und bin eingesprungen, weil jemand ausgefallen ist“, berichtete der 44-Jährige, der eine Zeit von 3:15 Stunden angepeilt hatte – was der Läufer vom LT Hemsbach mit 3:13:46 Stunden ja auch fast erreichte. „Wir waren eine schöne Gruppe, allerdings sind einige abgefallen, weil sie zu wenig getrunken hatten“, schilderte Dyrtz, der auf seinem Weg in Richtung Bienwaldhalle jeden Läufer anfeuerte, der an ihm vorbeitrabte. Während die Läufer dem Ziel zustrebten, war in der Bienwaldhalle die Siegerehrung der Sieger und Platzierten in den Altersklassen des Halbmarathons in vollem Gange. Organisator Roland Schmidt, der den Marathon 1976 erstmals federführend veranstaltet hatte – damals noch mit 77 Teilnehmern – ist mehr als zufrieden mit der Entwicklung des „Frühjahrsklassikers“, der sich im Gegensatz zu anderen Marathons in der Südpfalz behauptet hat und jetzt stolz seinen 40. Geburtstag feiert. „Ich war selbst Marathonläufer und das war für mich und mein Team auch immer vorherrschend, dass hier Läufer für Läufer agieren“, nannte der 72-Jährige das Erfolgsrezept des Bienwald-Marathons. 180 Helfer waren am Sonntag im Einsatz, darunter auch 40 Jugendliche aus den Reihen des TSV, dessen Jugendabteilung der finanzielle Überschuss des Marathons zugute kommen wird. Einziger Wermutstopfen: Wegen der Grippewelle hatten rund 250 Teilnehmer noch absagen müssen.

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