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Kein Derby wie jedes andere: Bellheim gegen Knittelsheim
Über 1000 Zuschauer werden erwartet. Die Gästefans planen einen Marsch „vun Knillse uff Bellem“, die 200 Motto-Shirts waren im Nu vergriffen. Bellheims Spielertrainer Maurice Hafner: „Als Zeiskamer weiß ich um die besondere Bedeutung für die Menschen, es ist kein Derby wie jedes andere.“ Es gibt viele Querverbindungen. Bei einem der Aufeinandertreffen, im Mai 2016 siegte Bellheim mit 5:4, kam es nach der Partie zu Tumulten und Schlägereien. „Ich denke und hoffe, dass beide Seiten aus diesen Vorfällen gelernt haben. Für Gewalt ist auf dem Sportplatz kein Platz“, mahnt Bellheims Präsident Thomas Hofmann.
Der Knittelsheimer Mittelstürmer Peter Kellerhals war damals Spielertrainer in Bellheim und erzielte zwei Treffer. Der leidenschaftliche Fan von Galopprennen appelliert an alle Anhänger, „ihrer Verantwortung und Vorbildfunktion gerecht zu werden, weil viele Kinder und Jugendliche da sein werden“.
Klara bringt ihren Vater ins Spiel
Der 35-Jährige ist ein echter „Bellemer“, beim Phönix durchlief er alle Jugendteams. Nach einem Jahr beim Oberligisten SC Hauenstein wechselte er für sechs Jahre zum Verbandsligisten FV Dudenhofen, wurde unter Trainer Christian Schulz Stammspieler. 2013 ereilte ihn der Ruf von Trainer Helmut Behr, er kehrte zu seinem Heimatverein zurück. Gleich im ersten Jahr gelang der Aufstieg in die A-Klasse. 2017 wurde er für drei Jahre Spielertrainer.
Im vergangenen Winter schloss er sich den Schwarz-Gelben an. Schuld war seine fünfjährige Tochter Klara. Kellerhals erzählt: „Sie wollte unbedingt mit ihren Freunden gemeinsam kicken, da habe ich sie bei den Bambini angemeldet. So entstand der Kontakt zu den Verantwortlichen, und ich bekam selbst wieder Lust.“
„Zeit für einen Tapetenwechsel“
Sein Comeback hat er noch nicht bereut, er schätzt Trainer Simon Hartenstein sehr: „Er geht für jeden seiner Spieler durchs Feuer.“ Kellerhals wohnt in Bellheim und arbeitet als gelernter Maler in einem örtlichen Betrieb. Neben ihm trugen auch seine Mitspieler Julian Braband, Sven Matic und Daniel Heiter das Phönix-Trikot.
Die Gastgeber sorgten mit der Verpflichtung von Stürmer Julian Scharfenberger für viel Aufsehen. Der 30-Jährige aus Lachen-Speyerdorf kam nach acht Jahren beim Oberligisten FV Dudenhofen. Zuvor spielte er in der U19 der TSG Hoffenheim in der Bundesliga, beim SC Hauenstein und TuS Mechtersheim. In 314 Partien der Ober- und Verbandsliga erzielte er 134 Treffer. Warum nun vier Klassen tiefer? „Nach einer tollen Zeit war es Zeit für einen Tapetenwechsel. Zudem bin ich beruflich stark eingespannt.“
Neuartiger Schienbeinschoner
In seinem erlernten Beruf als Technischer Produktdesigner hat Scharfenberger nur ein Jahr gearbeitet. Er verkauft Produkte der Ludwigshafener Dampfnudelmanufaktur „Wolke7“ auf Wochenmärkten und Festen. Mit den Dudenhofener Fußballern Marco Golombek und Mehmet Kus hat er einen neuartigen Schienbeinschoner entwickelt. Mit speziellen Haken an der Vorderseite wird er an den Stutzen befestigt, das verhindert das lästige Rutschen. Der flexible Kunststoff ist recycelbar und passt sich dem Fuß an. Die ersten 1500 Stück waren per Direktvertrieb vergriffen. Spieler aus Dudenhofen, Zeiskam, Rülzheim oder Rheinzabern nutzen das Produkt, ebenso Profis wie Dominique Heintz (Union Berlin) und Jonas Hofmann (Borussia Mönchengladbach). Die nächsten 4000 Schoner mit verbessertem Design sind in Produktion.
Bundesweit bekannt ist Scharfenberger seit der Nominierung für das „Tor des Monats“, das mehrmals in der ARD-Sportschau gezeigt worden ist. Die Juni-Wahl endet an diesem Samstag. Freunde hatten ihn animiert, ein Video von seinem Treffer zum 2:2-Endstand am 1. Juni gegen die TuS Koblenz der ARD zu schicken. „Freunde haben mich informiert, als sie mich im Fernsehen sahen“, erzählt Scharfenberger. Für die Wahl hat sein Bekanntenkreis mobil gemacht.