Radsport RHEINPFALZ Plus Artikel Der Beste der Südpfalz sagt Tschüss

Im Sprint kaum zu schlagen, hier im September 2019 in Dierbach: Simon Nuber.
Im Sprint kaum zu schlagen, hier im September 2019 in Dierbach: Simon Nuber.

Eine Größe des Südpfälzer Radsports nimmt Abschied. Simon Nuber vom RV Roschbach zieht es berufsbedingt an den Bodensee. Er will keine Rennen mehr fahren. Mit Wehmut und Erleichterung blickt der 30-Jährige auf 20 Jahre Radsport zurück und freut sich auf freie Wochenenden.

72 Siege, 40-mal Zweiter, 35-mal Dritter. Simon Nuber stand von 2012 bis 2019 über 140-mal für den RV Roschbach und das Team Möbel Ehrmann auf dem Siegertreppchen. Kein Wunder, dass Teammanager Günther Danner der Abschied von seines besten Fahrers nicht leicht fällt: „Es tut mir persönlich als Teamleiter und als Mensch sehr leid. Aber ich akzeptiere Simons Entscheidung. Er will beruflich einen Schritt nach vorne gehen. Alles hat wohl seine Zeit.“

Nuber zieht es beruflich Richtung Konstanz in die Nähe des Bodensees. Zurück dahin, wo er herkommt. „Für mich ist das kein ganz so großer Schritt, es geht ja Richtung Heimat. Für meine Freundin Lana aber umso mehr“, sagt Nuber. Der 30-Jährige arbeitete als Softwarentwickler bei Hornbach. Nahe der Schweizer Grenze wird er den gleichen Job bei einem Versicherungsunternehmen antreten. Da Freundin Lana nun mit der Erzieherausbildung fertig ist und am neuen Wohnort auch einen Job gefunden hat, hat es gerade zeitlich für einen Umzug gepasst. „Wir dachten, wenn wir noch mal umziehen, dann jetzt“, sagt Nuber, der sich in der Südpfalz sehr wohl gefühlt hat.

Entscheidung gar nicht so schwer

Die beiden sind bereits umgezogen. Die neue Arbeit wird Nuber am 1. September aufnehmen. Er wird im Verein bleiben. Der Umzug bedeutet dennoch nicht nur Abschied zu nehmen vom Team, sondern auch vom aktiven Radrennsport. Danner weiß warum: „Simon ist ein Fahrer, der Rennen bestreitet, um sie zu gewinnen, und nicht um Fünfter zu werden. Dafür musste er in den letzten Jahren immer entsprechend trainieren. Das geht mit dem neuen Job nicht mehr.“

Für Nuber, 2019 deutscher Bergmeister, war die Entscheidung, die Rennschuhe an den Nagel zu hängen, gar nicht so schwer. Habe es doch schon lange keine wirklichen Rennen mehr gegeben. „Ich fahre seit fast 20 Jahren Rennen. Wegen Corona waren aber schon lange keine mehr. Das hat es zum einen schwer gemacht, sich zu motivieren, zum anderen habe ich gemerkt, dass ich jetzt am Wochenende mal etwas anderes machen kann, als Rennen zu fahren. Da fällt schon eine kleine Last von mir ab“, sagt Nuber.

„Der RV Roschbach hat mich aufgefangen“

Er genießt die Zeit, nicht in Topform sein zu müssen, nicht freitags schon ans Rennen des Wochenendes denken zu müssen. Er wird sich weiter fit halten und weiter aufs Rad setzen. Nur eben nicht mit dem Fokus auf Rennen.

Nuber denkt gerne an seine Zeit beim RV Roschbach zurück. 2012 kam er über seinen Bruder Patrick in den Verein. Zuvor fuhr er für das Thüringer Energie Team in der Bundesliga. „Ich kam vom professionellen Bereich und wusste damals gar nicht, ob es überhaupt noch weitergeht mit dem Radsport. Der RV Roschbach hat mich dann aufgefangen“, sagt Nuber. „Ich bin dankbar für die ganzen Jahre, die ich hier mit meinen Teamkollegen hatte, mit den ganzen schönen Pfälzer Rennen.“

Lieblingsrennen in Bornheim

Sein Lieblingsrennen war das Kriterium in Bornheim: relativ kurz, dafür intensiv. „Da kommt immer alles zusammen, die Konkurrenz aus Kempten ist da, das Wetter ist meist schön, und zusätzlich hat man noch ein Weinfest“, erinnert er sich. Der Höhepunkt seiner Karriere sei der Sieg der Deutschen Bergmeisterschaft im Juni 2019 in Linden gewesen.

„Das war ein herausragendes Rennen“, sagt sein Förderer Günther Danner. „Simon war ein Allrounder. Ein guter Sprinter, aber auch gut am Berg. Er hatte verschiedene Spitzenqualitäten und immer so auf die Rennen hintrainiert, dass er sie abrufen kann.“

Danner erinnert sich aber auch an das Kerwe-Radrennen in Duttweiler 2018, bei dem Marcel Franz und Florenz Knauer vom Herrmann-Radteam Nuber beim Zielsprint in die Zange nahmen. „Sie wollten den Sieg unter sich ausmachen und haben ihn zwischen sich eingebaut. Simon hat sich dann aber Platz verschafft und gewonnen, und sie haben in die Röhre geschaut.“

Große Stützen und wichtige Menschen

Für Nuber waren Danner, dessen Frau Brigitte und die Familie Hund große Stützen und wichtige Menschen. „So wie sie das handhaben, wie es der ganze Verein handhabt, so habe ich das in sonst noch keinem anderen Verein erlebt. Es wäre schade, wenn das wegbricht“, sagt er. „Ich danke aber auch meinem Bruder, den ich da ein bisschen mit reingezogen habe, und natürlich Lana, die viel mitgemacht hat. Sowohl Höhen als auch Tiefen.“

Danner hat Nuber angeboten, den Posten des Sportlichen Leiters zu übernehmen. Nuber selbst findet aber, dass er dafür zu weit weg vom Geschehen ist.

Für das Team Möbel Ehrmann ändert sich trotz des Ausscheidens seines besten Fahrers nichts am Anspruch: „Wir wollen auch weiterhin unter den Topteams mitfahren können und an die Leistungen von 2019 vor Corona anknüpfen“, sagt Danner. „Es muss auch Ansporn für die anderen Fahrer sein, sich noch mehr einzubringen.“ Die Renngestaltung könne sich ändern. Gebe es zum Beispiel keinen Kopfsprinter wie Nuber, der die Rennen meist im Schlusssprint entschied, könne es sein, dass man mehr auf Ausreißergruppen setze.

Wenn Rennwochenende in Roschbach ist, kann Nuber sich gut vorstellen, sich blicken zu lassen. Er lässt ein Hintertürchen offen: „Ich kann nicht ausschließen, dass ich gar keine Rennen mehr fahre. Ich trainiere ja weiter, nur eben nicht auf die Rennen hin. Vielleicht fahre ich mal irgendwo, wenn ich fit bin.“

Simon Nuber
Simon Nuber
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