Nünschweiler Theatergruppe hofft auf gutes Wetter für Open-Air-Komödie

Ein Teil der Theatergruppe, die am Samstag in Nünschweiler "verrückt" spielt. Hier bei der Probe in Zivil: Christian Jandt, Ange
Ein Teil der Theatergruppe, die am Samstag in Nünschweiler »verrückt« spielt. Hier bei der Probe in Zivil: Christian Jandt, Angelika Schütz, Jens Buchmann, Lilly Lohr und Timo Schultz (vorne von links) sowie Elke Veidt und Moritz Hammerschmidt (hinten von links) sorgen mit ihren Mitspielern dafür, dass es reichlich Anlass zum Lachen gibt.

„Dann sitz ich hier, aber mich sieht ja keiner“, sagt Timo Schultz. Wenn er sitzt, wird Schultz zu Rudi, einem Jungen mit Vorliebe für perfekte Grammatik. Auch in dieser Szene, die die Theatergruppe des TTC Nünschweiler gerade probt und am Samstag aufführt.

Die Theatergruppe des TTC Nünschweiler feilt gerade an den letzten Details die Aufführung am Samstag. Vorhang auf heißt es zum fünften Mal für das stetig wachsende Ensemble. „Ein Mann spielt verrückt“, heißt das Stück, das sie spielen. Proben – seit März jeden Donnerstag – und Daumen drücken sind aktuell Hauptbeschäftigung des Theaterteams. „Die Prognosen sehen gut aus“, sagt Angelika Schütz, die in der Rolle der Champagner-trinkenden und Golf-spielenden Ehefrau zu sehen sein wird, während sie die Wetter-App checkt. Alle hoffen auf einen lauen Sommerabend am Samstag. „Natürlich wollen wir das Stück draußen aufführen“, sind sich die Akteure einig. Das hofft auch die wachsende Fan-Gemeinschaft der Theatergruppe. Sollte Petrus nicht mitspielen, wird das Stück in der Mehrzweckhalle aufgeführt. Die Tickets, die dort zur Verfügung stehen, waren im Prinzip weg, als klar war, dass es die Theaterfreunde aus Nünschweiler wieder auf die Bühne zieht.

Seit Wochen probt die Theatergruppe draußen. Noch ist die Technik nicht installiert, noch wird in Zivil geprobt. Aber schon jetzt wird deutlich: Wer Tickets hat oder bekommt, darf sich auf einen unterhaltsamen Abend freuen.

Zwei Rollen wurden dazugeschrieben

„Wir haben uns mal wieder ein bisschen mehr vorgenommen“, sagt Jens Buchmann. Er hat erneut die Leitung des sich stetig weiter entwickelnden Projektes inne. Drei Akte, aber eine längere Spielzeit. Ursprünglich hatte Winnie Abel ihr Stück für neun Schauspieler geschrieben. „Wir haben elf, die mitspielen wollen“, erzählt Buchmann. Die Theater-Begeisterung umfasst auch Akteure. Für den Mann, der für die vierte Aufführung das komplette Stück schrieb, ein lösbares Problem: „Ich habe noch zwei Rollen reingeschrieben“, sagt er.

So bekommt Bauamtsleiter von Meseberg (Jens Buchmann) in den zwei Stunden, in denen er verrückt spielt, nicht nur wie vorgesehen Kommentare seiner esoterisch angehauchten Tochter Charlotte (Lilly Lohr) zu hören, sondern wird auch mit Sprüchen von Sohn Simon (Christian Jandt) konfrontiert, in dessen Leben sich viel um Schnaps und manches, was gerne gedreht wird, dreht. Eine der Rollen, die Buchmann reingeschrieben hat. Der Bezug zu Nünschweiler, zur Heimatregion fehlt wie gewohnt nicht. Zum Beispiel, wenn es um die gute Wurst geht.

Bestechung, Energieberatung für Prostituierte, Heirat

Im Stück geht es um den Bauamtsleiter, der sich bestechen ließ. Das droht aufzufliegen. Auch die „RHEINPFALZ“ recherchiert auf Nünschweilerer Theaterbühnen hartnäckig mit. Journalistin Klara Kleber (Elke Veidt), findet bei ihren investigativen Nachforschungen mehrmals den „Aufmacher von morgen“. Zur Freude der Leser und ganz sicher zur Freude der Theaterbesucher. Aber zum Ärger von Bauamtsleiter Meseberg. Der sucht nach einer Lösung für sein Problem. Es gilt den Ruf zu wahren und das Geld zu behalten. Seine Lösung: er spielt verrückt, lässt sich für dienstunfähig erklären und kassiert die Berufsunfähigkeitsversicherung. Gesagt, getan.

Theaterfans ahnen es, das wird nicht gut gehen. Auch wenn Freund Richard (Moritz Hammerschmidt), seines Zeichens Arzt, sein Bestes gibt, um seinem Freund zu helfen. Schulmedizinisch bescheinigt er ihm eine stressbedingte traumatische Störung. Unter anderem der paragrafentreue Versicherungsvertreter Andreas Akte (Simon Schön) und die weniger treuen Damen aus dem Club „Passion“, für dessen Baugenehmigung bezahlt wurde, sorgen für reichlich Durcheinander. Zum Beispiel wenn Mandy und Sandy (Nina Schultz, Mara Szallies) von Mesebergs Tochter Charlotte eine ganzheitliche Energieberatung geboten bekommen, und der Stress zu Stoßzeiten im Beruf zur Sprache kommt. Es platzen Träume vom späten Liebesglück. Dafür findet sich spätes Vaterglück. Das Glück relativ ist – es kommt immer auf den Standpunkt des Betrachters an – zeigt sich an einer Heirat.

30 Personen sorgen für reibungslosen Ablauf

„Wir sind wie immer gespannt“, bekennen Buchmann und Schütz, dass die Spannung steigt und die Frage, wie das Stück beim Publikum ankommen wird – neben der Wetterfrage – die Akteure beschäftigt. Ein Team von über 30 Personen, verdeutlicht Buchmann, kümmert sich mittlerweile darum, dass die Gäste einen schönen Theaterabend inklusive Spezialitäten vom Grill und Longdrinks erleben. Jetzt muss nur noch Petrus im Team mitspielen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dann nächstes Jahr noch mehr Akteure auf der Bühne stehen wollen und erste Kartenreservierungen für Aufführung sechs am liebsten schon aufgegeben würden, ist sehr hoch. Wie hoch, diese Frage kann vielleicht der inselbegabte Rudi in seinem Stuhl am Samstag schon beantworten.

Info

Bei schönem Wetter spielt die Theatergruppe des TTC Nünschweiler das Stück „Ein Mann spielt verrückt“ unter freiem Himmel im Pavillon zwischen Mehrzweck- und Sängerhalle im Füllengarten in Nünschweiler. Beginn ist um 19 Uhr, Einlass ab 18 Uhr. Bei schönem Wetter gibt es noch Karten an der Abendkasse (Preis: neun Euro). Wer am Samstag wissen will, ob es noch Tickets gibt, kann sich unter Telefon 0172 6895887 informieren.

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