Rodalben
So war es früher im Lenhardschen Kino, aus dem jetzt Wohnungen werden
Bestehen bleibt die gewerbliche Nutzung der vormaligen Gaststätte „Palasttheater“. Dieses Gebäude (Prinzregentenstraße 17), das über Jahrzehnte gastronomisch genutzt worden war, wo Italiener und Griechen Spezialitäten ihrer Heimatländer auftischten, hat Rita James vor vier Jahren mit neuem Leben erfüllt. Sie eröffnete hier ihr besonderes Geschäft, das unter dem Namen „Ritas Flair“ Friseursalon, Boutique, Deko-Stube und Café kombiniert. Direkt daran, unten in der Gräfensteinstraße, grenzt das alte Rodalber Kino an.
Kindheitserinnerungen werden bei den älteren Rodalbern wach, wenn vom Kino des Richard Lenhard die Rede ist: Erinnerungen an unterhaltsame und spannende Stunden vor der Leinwand in einer Zeit, als es noch keine Fernseher in den Wohnzimmern gab.
Die Geschichte des vorderen Hauses reicht bis in das Jahr 1910 zurück. Als „Wirtschaft“ ist es in seinen Anfängen bekannt geworden – Einkehrstätte für Stammtischler und Billardspieler, an den Kerwetagen vorübergehend auch Speiselokal. Manche Rodalber sollen sich hier vor ihrem Fußweg zur Arbeit nach Pirmasens schon frühmorgens mit einem Schnaps für die Aufgaben des Alltags gewappnet haben.
Tanzsaal wurde zum großen Kino
Um das Jahr 1930 erfolgte der Anbau (in der Prinzregentenstraße): im Erdgeschoss mit einem kleinen Kino, im Obergeschoss mit einem geräumigen Tanzsaal. Den Tanzsaal gab der Eigentümer in den 50er Jahren auf zugunsten eines großen Kinos, zugängig über eine steil aufwärts führende, schmale Treppe.
Das Kino maß über 30 Meter in der Länge und 20 Meter in der Breite. Es bot Raum für 390 Sitzplätze, zuerst noch auf Holzstühlen. Viele Besucher hatten hier ihren Stammplatz. Die ganze Familie Lenhard half mit, den Kinobetrieb zu führen. Betrieb herrschte reichlich in dieser Zeit. „Man“ ging zwei- oder dreimal in der Woche ins Kino, ein Film lief meist „über drei bis vier Tage“.
Tochter Betty (später Betty Dietz) fuhr eigens nach Frankfurt, um die Filme beim dort angesiedelten Verleih zu bestellen. Sie erledigte zudem viele andere Aufgaben: Sie verwaltete die Termine, kümmerte sich um die Abrechnungen. Und sie führte die Filme auch vor, nachdem sie den „Vorführschein“ erworben hatte. Zu ihren Pflichten gehörte unter anderem die Regulierung der Tonstärke, das Laut- und Leiser-Stellen mit dem Tonregler, in Handarbeit natürlich.
Ofen sorgte für Wärme
Auf dem Programm standen Nachmittagsvorstellungen mit Filmen wie „Das doppelte Lottchen“ oder „Das Schwarzwaldmädel“. Spät abends um 23 Uhr begann die Nachtvorstellung. Zu sehen waren dann „Tarzan“, Wildwest- oder Heimatfilme. Ein wahrer Kassenschlager soll der Streifen „Die Festung“ mit Martin Held in der Hauptrolle gewesen sein.
Gemütlich war’s dem Vernehmen nach. „Vor der Leinwand“, erzählte Betty Dietz laut Chronik einmal, „stand ein Bullerofen. Die Mutter legte immer wieder Holz nach für die behagliche Wärme. Niemand störte sich daran, wenn sich der rote Feuerschein auf der Bildfläche widerspiegelte“. Und der Besuch der Vorstellung war preiswert. Gerade einmal „zwischen 50 und 70 Pfennigen“ kostete eine Kinokarte. Draußen stand der Page Posten in schmucker Uniform. Kontrollen mussten sein. Bei Filmen, die erst ab 16 Jahren freigegeben waren, hieß es, den Pass vorzuzeigen.
Erst in den 1960er Jahren ging der Kinobesuch zurück. Vermietungen überbrückten nur die Zeit bis zur endgültigen Schließung. Unten, im einstigen alten Kino, dessen Eingang in der Prinzregentenstraße zugemauert wurde, richteten die Eigentümer eine Kegelbahn ein. Die davor befindliche Gaststätte blieb, und deren Geschichte setzte sich fort bis vor etwa fünf Jahren.
Projektoren in der Gaststätte
Andreas Wagner, Chef der Pirmasenser Firma „Wafo“ (Schnecken und Zylinder für Kunststoffmaschinen) mit Wohnsitz in Rodalben, erwarb das Anwesen 2002 und eröffnete im Eckhaus 2003 die Gaststätte „Palasttheater“, die ein Stück „Alt-Rodalben“ wieder beleben sollte. Nicht nur der Name erinnerte an die Geschichte des Hauses. Einen Ehrenplatz bekamen im Restaurant die beiden verbliebenen alten Projektoren. Alte Filmplakate zierten die Wände. Dem Restaurant angeschlossen wurde 2013 das „Palavino“, eine Vinothek mit Imbissverkostung, zugänglich über den Innenhof.
Im vergangenen Jahr verkaufte die Familie Wagner ihren Besitz nach mehreren Zwischennutzungen. Der neue Eigentümer gestaltet nun einen Teil des geschichtsträchtigen Anwesens in Wohnraum um.