Lug
Heimatgeschichte: Vor 100 Jahren kam der Strom
In diesem Jahr sind es genau 100 Jahre, dass im Wasgaudörfchen Lug das neue Zeitalter der Elektrizität begann. Das ist relativ spät, aber in Lug – eine Waldgemeinde an der Nahtstelle zwischen Süd- und Südwestpfalz gelegen – war damals Schmalhans Küchenmeister. Die Gemeindeväter hatten andere Sorgen. Wie sparsam die Luger Bürger einst mit der modernen Errungenschaft umgingen, zeigen die Abrechnungsbeträge für das „Elektrische“ aus der Steckdose; man sparte, wo man konnte, und die Zählergebühr war oft höher als der Verbrauch. Elektrizität bedeutete neue Mehrausgaben für die Familien mit vielen Kindern, deren Väter zu jener Zeit hauptsächlich in den Hauensteiner Fabriken ihr Brot verdienten.
Das muss man wissen, um die folgende kleine Geschichte über die Sparsamkeit als Zwillingsschwester der unverschuldeten Armut einzuordnen. Jedenfalls hatte wenige Jahre nach Einführung des elektrischen Stroms am 25. August 1932 der Luger Gemeinderat über einen gar seltsam klingenden Antrag eines Bürgers zu entscheiden. Besagter Hausbesitzer stellte nämlich den Antrag auf „Demontage des elektrischen Anschlusses“ in seinem Anwesen, denn der elektrische Strom sei in den vergangenen Jahren so teuer geworden, dass er lieber auf das moderne Licht verzichte. Und der Bescheid des Rates? Die Ratsväter hatten Verständnis für den Antrag und „schnitten“ wie gewünscht der Familie den Strom ab. Wie lange der Bürger ohne die segensreiche Energie aus der Steckdose auskam, ist den Akten leider nicht zu entnehmen.
Die Geschichte zeigt, dass vor 100 Jahren der Pfennig mehrfach umgedreht wurde. Sie motiviert aber auch zur Reflexion, wie unsere Altvorderen vor Einführung der elektrischen Beleuchtung ein wenig Licht in die langen Winterabende bekommen haben. Bleiben wir bei unserem Beispiel Lug. Im Waldbauerndörfchen im Wasgau, das bis zur Gebietsreform 1968 dem Landratsamt Bergzabern zugehörig war, bevor es gegen seinen Willen in den heutigen Landkreis Südwestpfalz verpflanzt wurde, war jahrhundertelang der gute alte – aber fürchterlich rußende – Kienspan meist die einzige Lichtquelle in Haus und im Stall. Man kannte auch das Rüböllicht (mit Rapsöl als Brennstoff), aber erst als das Petroleum um die Mitte des 19. Jahrhunderts auf dem flachen Land Einzug hielt, konnte eine einigermaßen genügende Helle erzielt werden. Ältere Jahrgänge erinnern sich noch gut, dass die Öllaterne (auf Pfälzisch „Lotzärn“) noch lange nach dem Krieg in jedem Bauernhaus anzutreffen war.
Gleich zu Beginn wurde auch in der alten Kirche (erbaut 1753) das elektrische Licht installiert. Dabei hatten die Luger noch ein glückliches Händchen, denn zur Finanzierung der neuen Kirche hatten sie bis zur Inflation infolge der Weltwirtschaftskrise schon 30.000 Mark gesammelt. Hätten sie das Geld nicht noch rechtzeitig für die Elektrifizierung verwendet, wäre der große Sparstrumpf in der Superinflation zu nichts zerronnen. Den Kirchbau haben die Luger dennoch nicht aus den Augen verloren. Das neue Gotteshaus wurde wenige Jahre später am 4. August 1929 eingeweiht.
Man blickt 2023 auch noch auf ein anderes Jahrhundertereignis zurück: Heuer ist es nämlich 70 Jahre her, dass die Luger – und dies ist auch relativ spät – 1953 ihre erste Wasserleitung erhalten haben. Am 29. August feierte man in Lug eines der größten Feste, die es dort je gab. Die Bewohner richteten das unvergessene „Wasserfest“ aus, zu dem Hunderte auch aus Hauenstein und den Dörfern des Luger Tales gekommen waren. Die Gemeinde erwies sich trotz der sonstigen sprichwörtlichen Sparsamkeit als großzügiger und spendabler Gastgeber: Essen, Getränke, Musik, Brezeln, ja selbst Zigarren gab es an diesem besonderen Tag für die vielen Gäste umsonst. Wo hätte man das heutzutage je erlebt?