Leute aus der Nähe RHEINPFALZ Plus Artikel Annette Martin: Von Rocco del Schlacko bis zur Backstubbe-Band

Der Strandkorb, der im heimischen Garten in Heltersberg steht, eignet sich gut, um mal die Seele baumeln zu lassen. Annette Mart
Der Strandkorb, der im heimischen Garten in Heltersberg steht, eignet sich gut, um mal die Seele baumeln zu lassen. Annette Martin nutzt ihn aber auch, um Noten zu lernen.

An einem Rosenmontag geboren, ist für Annette Martin auch 50 Rosenmontage später die Fasnacht noch wichtig. Ebenso wie die Musik. Und die Hilfe für andere Menschen.

„Ich bin ein Rosenmontagskind“, sagt Annette Martin und lacht. Es war wohl Fügung, dass sie an einem Februartag, an dem die gute Laune das Leben gerade in den katholischen Regionen bestimmt, in Pirmasens das Licht der Welt erblickte. Was für viele Menschen am Rosenmontag wichtig ist – das Leben feiern, eine gute Zeit mit Menschen verbringen –, das prägt das Leben von Annette Martin. Privat und beruflich.

„Ich habe gerne mit Menschen zu tun“, sagt Martin, die seit vergangenem Jahr die ambulante Hospiz- und Palliativberatung Südwestpfalz leitet. Zuvor war sie acht Jahre lang Leiterin des Caritas-Zentrums in Pirmasens gewesen.

Privat hat sie Freude an der Fasnacht. Die wurde ihr, vermutet sie, wahrscheinlich am Tag ihrer Geburt mit in die Wiege gelegt. Diese jährt sich in diesem Monat zum 50. Mal. In Merzalben ist sie aufgewachsen. Der Nachtumzug der Narren in Merzalben ist für sie eine Veranstaltung, „bei der ich immer gerne dabei bin“, sagt sie. Wenn möglich auch auf einem Wagen. In diesem Jahr wird sie allerdings aus privaten Gründen nicht dabei sein können. Schon in jungen Jahren war sie bei der Fasnacht in Merzalben aktiv, stand mit Freunden auch auf der Bühne. MTV hieß ein Programm, dass sie gemeinsam bestritten, um Promis auf die Schippe zu nehmen.

Der Plan hieß Katja

Dass sie Annette heißt, „daran ist mein Opa aus Hinterweidenthal schuld“, verrät sie. Der hatte sich das gewünscht, weil Frankreich so nahe ist und er den Namen Annette, den es auch im Französischen gibt, so schön fand. Wenn es nach ihren Eltern gegangen wäre, „wäre ich eine Katja geworden“, erzählt Martin. Katja heißt sie tatsächlich mit zweitem Vornamen, „aber das weiß fast niemand. Der Name ist schon in meiner Kindheit unter den Tisch gefallen“, verrät sie. Köhler hieß sie damals. Wer es nicht weiß, jetzt kurz stutzt: Ja, so heißt auch der Ortsbürgermeister von Merzalben, Michael Köhler ist ihr Bruder.

In Pirmasens am Leibniz-Gymnasium hat sie ihr Abitur gemacht. Die Schulzeit spielte für ihr Leben eine entscheidende Rolle. Dort lernte sie bereits ihren heutigen Ehemann Peter kennen. In der elften Klasse. Beide hatten die Leistungskurse Deutsch, Englisch und Sozialkunde belegt und in den Kursen, „hat es dann schnell gefunkt“, verrät Martin. Auch für ihren beruflichen Weg war die Schule wichtig. In Sozialkunde war Otmar Weber aus Dahn ihr Lehrer gewesen. Weber habe in dem kleinen Leistungskurs – neben Martin sechs Männer, erinnert sie sich schmunzelnd – mit viel Engagement ihr Interesse am gesellschaftlichen Leben geweckt und damit ihre Entscheidung für ihren Berufsweg mit beeinflusst. Sich für andere Menschen einzusetzen, ihnen auch in schwierigeren Lebenssituationen Hilfe anbieten zu können, das zieht sich durch ihr berufliches Leben.

Am Gymnasium Spaß am Singen entdeckt

Nach dem Abitur folgte ein Studium der Sozialarbeit in Stuttgart. Es war ein duales Studium, das sie die Verbindung in die Südwestpfalz halten ließ. Die Praxisphasen ihres Studiums absolvierte sie bei der katholischen Jugendzentrale, die in St. Elisabeth am Sommerwald angesiedelt war. Katholische Jugendarbeit kannte sie aus ihrer Kindheit nicht. Es war damals noch nicht überall üblich, dass Mädchen Messdiener werden. Eine engere Verbindung zur katholischen Gemeinde gab es aber damals doch schon: die Musik.

Am Leibniz-Gymnasium entdeckte Martin auch den Spaß am Singen. „Mit elf, zwölf Jahren habe ich dann begonnen, im Katholischen Kirchenchor in Merzalben zu singen“, erzählt sie. Die Freude am Singen „ist ungebrochen“. Sie nahm Gesangsunterricht, sang in der Jugendkantorei, und manches Ehepaar wird sich gerne daran erinnern, dass Annette Martin bei seiner Hochzeit gesungen hat. „Das mache ich heute nicht mehr. Nur noch bei guten Freunden“, erzählt sie. Singen, das sei für sie schon immer ein toller Ausgleich gewesen.

Ein Herz für die Red Hot Chili Peppers

Aktuell singt sie – Martin ist ein Sopran – im Katholischen Kirchenchor in Heltersberg und in der Rosenberger Kantorei. Seit kurzer Zeit gibt es auch eine kleine private Band, in der sie mit Freunden singt: die Backstubbe-Band. Weltlichere Lieder stehen auf dem Programm. Für sie singend durchaus eine Herausforderung. Durch die klassische Gesangsausbildung „fällt mir Rock und Pop schon etwas schwerer“, bekennt sie. Aber auch daran arbeitet sie. „Ich möchte noch ein bisschen pop- und rockfähiger werden“, sagt sie. Sie hört auch gerne privat Musik und besucht mit Ehemann Peter Konzerte, wenn es die Zeit zulässt. Rocco del Schlacko zum Beispiel im vergangenen Jahr mit Peter Fox. Sie mag die Red Hot Chili Peppers und die Liedermacherin Anna Depenbusch. An Weihnachten wird es eher klassisch: Das Weihnachtsoratorium steht in der Favoritenliste weit oben.

Dass sie seit 1999 in Heltersberg heimisch geworden ist, hat mit ihrem Mann zu tun. Der stammt aus Heltersberg. Dort stand das Haus der Großeltern ihres Mannes leer. So kam es, dass die beiden, die zuvor zusammen in Merzalben gewohnt hatten, ins Holzland zogen. Zwei Kinder – Sohn Paul und Tochter Emma – komplettieren die Familie Martin. Über die Annette Martin verrät: „Wir sind Camper.“ Ein alter Oldtimer-Wohnwagen, mit dem sie bis heute im Urlaub unterwegs sind, löste das Zelt ab, das anfangs die bevorzugte Urlaubsübernachtungsmöglichkeit war. Um sich wohlzufühlen, das Leben genießen zu können, „braucht es nicht viel“, sagt Annette Martin. Wichtig sei zu erkennen, was das Leben für einen Menschen lebenswert macht und diese Momente bewusst zu erleben.

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