Wilgartswiesen
Planung für Lkw-Parkplatz an B 10 zieht sich wegen Corona
Ach, war der damalige Ortsbürgermeister der B-10-Anrainergemeinde, Jürgen Brödel, vor knapp acht Jahren glücklich, als er die Nachricht aus Berlin erhielt, dass der Bund dem Bau eines Lkw-Parkplatzes bei Wilgartswiesen zustimmt. Er hatte sich dafür stark gemacht, um den Ort, der nachts immer wieder von Truckern bevölkert wird, zu entlasten. Denn die Rastanlage an der Abfahrt Rinnthal und die kleine Parkbucht bei Wilgartswiesen platzen nachts, besonders an Wochenenden, fast aus allen Nähten. Die nächste Übernachtungsmöglichkeit Richtung Pirmasens ist erst am Ständenhof bei Münchweiler an der Rodalb. In ihrer Not, die gesetzlichen Ruhezeiten einzuhalten, suchen sich einige Lkw-Fahrer dann Abstellmöglichkeiten im Ort – zum Ärger der Einwohner.
Nachdem Brödel die Idee für einen großen Lkw-Parkplatz in Fahrtrichtung Pirmasens angeschoben hatte, legte der Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Kaiserslautern 2013 eine Variante mit 42 Lkw- und zehn Pkw-Stellplätzen vor und veranschlagte dafür grob 1,5 Millionen Euro – ohne die Zufahrten. Die Ortsgemeinde hatte für den Bau eine Fläche zwischen der Abfahrt nach Hauenstein und der Straße nach Hermersbergerhof angeboten.
Parkplatz und neue Abfahrt
Im Zuge des Parkplatzbaus soll auch eine Abfahrt von der B 10 nach Hermersbergerhof aus Richtung Landau realisiert werden. Damit der Verkehr nicht immer durch den Ort rollen muss, was besonders bei Heimspielen des 1. FCK für die Bewohner ganz schön anstrengend ist – beziehungsweise vor Corona war. Die 2014 vom LBM vorgelegte Planung mit einem Kreisel, um die Abfahrt miteinzubeziehen, erhöhte den Kostenrahmen auf 2,75 Millionen Euro und ging nun von 40 Stellplätze und 14 Autoparkplätzen aus.
Der aktuelle Stand beruht auf der Planung von 2017. Demnach sind 30 Lkw-Stellplätze, sechs Bus-Stellplätze, die nachts für Lkw freigegeben werden, und 14 Pkw-Stellplätze vorgesehen. Zudem soll ein 200 Meter langer Längsparkstreifen angelegt werden, der weitere Laster aufnehmen kann. Es wird eine WC-Anlage und Sitzgelegenheiten geben. Der geplante Lkw-Parkplatz sei quasi das Pendant zum bestehenden Parkplatz kurz vor Rinnthal in Fahrtrichtung Landau, erklärt LBM-Leiter Richard Lutz auf Anfrage. Nach der damaligen Kostenschätzung sei ein Investitionsbedarf von 3,6 Millionen Euro errechnet worden. Die geplante Rastanlage könne aus beiden Fahrtrichtungen erreicht werden. Die Zufahrt aus Richtung Pirmasens soll über den Kreisverkehr direkt nördlich der B-10-Brücke möglich sein. Eine Ausfahrt sei aber nur in Richtung Hauenstein möglich, erklärt Lutz.
Wegen Corona keine Termine
2017 wurde das Planfeststellungsverfahren für den Bau eingeleitet. Das hatte sich etwas in die Länge gezogen, weil besonders in wasserwirtschaftlicher Hinsicht Ergänzungen nötig waren. Mittlerweile hätten alle Beteiligten ihre Stellungnahmen abgegeben, und diese seien beantwortet worden, äußert sich Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) zu einer Kleinen Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Christof Reichert aus Pirmasens. Allerdings stockt das Verfahren an dieser Stelle. Grund seien die Schutzvorschriften aufgrund der Corona-Pandemie. Deswegen habe bisher kein Erörterungstermin vereinbart werden können. Bislang habe diese Anhörung immer als Präsenstermin stattfinden müssen, erläutert LBM-Leiter Lutz. Das sei aktuell nicht möglich. Wann das Verfahren nun also abgeschlossen wird, damit mit dem Bau begonnen werden kann, dafür könne „derzeit keine seriöse Aussage“ getroffen werden, so Wissing.
„Wir denken aber dennoch, dass ein Planfeststellungsbeschluss 2021 möglich ist“, ist die Ansicht von Lutz. Der LBM hat eine Bauzeit von zwei Jahren veranschlagt. Aber der Baubeginn sei abhängig vom Ausgang des Planungsverfahrens. Und selbst nach dem Beschluss dazu könnten noch Rechtsmittel eingelegt werden. Im Vorfeld hatten bereits B-10-Ausbaugegner Kritik geäußert. Nachdem der Ortsgemeinderat 2017 den Rastplatz-Plänen zugestimmt hatte, bezog die Bürgerinitiative Pro Pfälzerwald Stellung dagegen: Wilgartswiesen solle überdenken, ob es mit einem erweiterungsfähigen Lkw-Parkplatz das Biosphärenreservat weiter belasten und noch mehr Transitverkehr anziehen wolle. Durch die Parkplatz- und Straßenanlagen würden knapp 17.000 Quadratmeter neuversiegelt, und es komme zu einem Waldverlust von 24.100 Quadratmetern, teilt Lutz mit. Erst nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens wird der LBM in die Grundstücksverhandlungen gehen. Erste Gespräche mit der Ortsgemeinde darüber seien aber bereits geführt worden.